Bücher aus dem Verlag Die Furt

AutorenKontakt750 Jahre Frankfurt (Oder)antiquarische Bücher

Hans Joachim Winter
Und der Zukunft zugewandt
Erinnerungen, Erfahrungen, Erkenntnisse
im Dienst der CDU

Hans-Joachim Winter: Und der Zukunft zugewandt., 1. Aufl. 2005. 384 Seiten, Paperback. Format 14 x 20,5 cm.
Preis 14,80 Euro       ISBN 978-3-933416-52-0






Die DDR ist Geschichte. Aber sie läßt uns nicht los. Warum sonst wohl all die Legenden, ja Mythen, die wir uns über sie erzählen? Und nun schon gar die DDR als Staatswesen und Gesellschaftssystem. Das war ja doch wohl das Letzte, ein reiner Unterdrückungsapparat, in dem nur „Nischen“ blieben, um an irgendeiner Stelle frei atmen zu können. Wirklich?

Wer weiß denn schon, oder wer weiß es noch, wie das alles praktisch funktionierte.
Was war eine „sozialistische Brigade“ in einem volkseigenen Betrieb, wie ging man da miteinander um? Und war die BGL tatsächlich nur der Willensvollstrecker der Betriebs-Parteileitung?

Dass die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) unter massivem Druck zustande gekommen waren, ist unbestreitbar. Warum aber treten noch heute die Bauern im Bereich der früheren DDR für genossenschaftliche Großbetriebe ein?
Handwerker und Gewerbetreibende wurden in der DDR stets als Relikte der kapitalistischen Gesellschaft beargwöhnt; wie brachten sie es dennoch fertig, sich in den sehr eng gezogenen Grenzen ihrer Wirkungsmöglichkeiten zu behaupten und dabei einen erstaunlich hohen Beitrag zur Lebensqualität der DDR-Bürger zu leisten?

Was etwa vermochte ein Staatsfunktionär, beispielsweise der Oberbürgermeister einer mittelgroßen Bezirksstadt, wenn zentrale Forderungen und reale Möglichkeiten nicht übereinstimmten?
Wozu gab es den Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD) – mit eigenen Abgeordneten in Volkskammer und übrigen Volksvertretungen? Über die Existenzberechtigung des Anglerverbandes wird man wohl kaum streiten, und vielleicht auch nicht über den VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter) mit all seinen Sparten.
Warum jedoch gehörte die Gesellschaft für Fotografie zum Kulturbund? Nun gar ein Ausschuß der Nationalen Front – das konnten doch nur Handlanger der SED-Politik sein.
Und Wahlen in der DDR die reine Farce. Wie also haben die Bürger der DDR selbst all dies in ihrem Alltag erlebt?

Die DDR war, von 1945 an gerechnet, viereinhalb Jahrzehnte der Lebensraum von 17 Millionen Deutschen. Insbesondere nach jenem 13. August 1961, mit dem sie sozusagen eingeschlossen waren. Es ist ja nicht so, daß diese Menschen die weiteren drei Jahrzehnte bis 1990 nur in dumpfer Trauer verbrachten. Sie haben im Gegenteil gelebt und geliebt, sie haben gearbeitet, und sie haben dabei Außerordentliches zustande gebracht.

Die DDR hat nie jenen Grad wirtschaftlicher Effizienz und auch nie den Wohlstandssockel der Altbundesrepublik erreichen können, denn dafür fehlten ihr alle Voraussetzungen. Aber die DDR belegte, was man bei weitem nicht von allen damaligen EG-Ländern sagen kann, immerhin den zehnten Platz unter den Industriestaaten der Welt.

Die DDR-Deutschen haben mehrheitlich diesen Staat mitgetragen – nicht mit „Hurra“ (jedenfalls nicht alle), aber mit ihrer Arbeit und ihrem Fleiß, sonst wäre das alles nicht erreichbar gewesen.
Zu diesen Leuten gehörte auch ich, und ich stehe dazu.

Meine Erfahrungen stellen freilich nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Gesamtgeschehen dar, sie sind zudem subjektiv und auch nicht repräsentativ. Das Beispiel, das ich anführe, ist die CDU in der DDR, die wie LDPD, DBD und NDPD gern als Blockpartei abgetan wird.
Im Zusammenwirken der DDR-Parteien und Organisationen habe ich das Auseinanderklaffen von Ideal und Wirklichkeit oft erleben müssen, also durchaus auch schrille Mißtöne.
Doch ich habe versucht, der allgemein feststellbaren Geringschätzung der Blockparteien in der DDR die Tatsachen ihres Wirkens entgegenzustellen, jedenfalls in Bezug auf die DDR-CDU. Ich weiß um unsere Sünden und mache daraus kein Hehl. Andererseits widerlegen die Fakten jene Meinung, dass sich die Mitglieder und Mitarbeiter dieser Partei nur dumm und angepasst verhalten hätten. In diesem Zusammenhang spielten die Staat-Kirche-Beziehungen eine besondere Rolle.

Die DDR ist Geschichte, aber sie ist weit mehr als eine vernachlässigenswerte Episode Nachkriegsdeutschlands; sie ist im Gegenteil ein durchaus bedenkenswerter Teil der deutschen Geschichte.
Und es zeigen sich Nachwirkungen gerade jetzt, wo der zeitliche Abstand zu ihrem Anschluß an die Bundesrepublik das kaum noch erwarten ließ. Es regt sich, obgleich zögernd und vereinzelt, wieder Selbstbewusstsein gegenüber westdeutscher Bevormundung, und dies sogar in der CDU. Ein Plädoyer für die Potenzen, die diesem ohnehin geschichtsträchtigen Raum zwischen Werra und Oder, Erzgebirge und Ostsee innewohnen.

Hans Joachim Winter







aus dem Inhalt Hans Joachim Winter: Und der Zukunft zugewandt



Mühsames Nachkriegsjahrzehnt
Leben in einer zerstörten Stadt – Schulunterricht und Christenlehress – "Bau auf, bau auf!" – Handel, Handwerk und Gewerbe

Lehr- und Wanderjahre
Potsdam: ABF und Sanssouci – Das 𠇬hristliche Dorf“ – Bruderschaft und Kirchumzug – Das Brüderhaus in Weißensee – Der 13. August und seine Konsequenzen – Wehrdienstzeit

Der CDU-Bezirksverband Frankfur
Bezirk Frankfurt und CDU – Im Alltag der CDU-Parteiarbeit – Die CDU: christlich oder kirchlich?

Der Pfarrerbund
Ein „eingetragener Verein“ in der DDR – Das Werden des „Standpunkt“ – Konflikte – Die Intrige – Das Ende

Instrukteur im Frankfurter Bezirkssekretariat
Die Mühen der Ebene – Staatssicherheit und Kaffee-Mix – Das Jahr der Frau – Unterwegs im Oderbezirk – Bewegung im Nachbarland

Spannungsfeld der Kirchenpolitik
Die Arbeitsgruppe "Christliche Kreise“ In der eigenen Kirchengemeinde Kirchentagskongreß in Eberswalde Bautätigkeit im kirchlichen Raum Die Kirchenmusik und unsere Studie

Hauptamtlich bei der CDU-Presse
– Politische Forderungen und technische Probleme – Grundlinien, Quellen, Mitarbeiter – Jahrestage und andere Höhepunkte – Zwiespältiger Ausblick


Jubiläen und Gedenktage
frühbürgerliche Revolution
Luther und Müntzer – Luther im Karl-Marx-Jahr – Edikt von Potsdam und die Preußen-Rezeption – Der November-Progrom

Im Bann von Perestrojka und Glasnost
Evangelischer Kirchentag in Berlin – Der Sommer 1987 – Honecker in Bonn – Vergebliches Mühen um Normalität – Gelungene Müntzer-Ehrung


Die Wende
Im Vorfeld des 40. Jahrestages der DDR – Leipzig im Oktober 1989






Rezensionen Hans Joachim Winter: Und der Zukunft zugewandt



Schon das Emblem auf dem Einband – mit Friedenstaube und Umschrift: Es oriente pax zeigt: Verfasser und Inhalt des Buches stehen für die Arbeit der CDU in der DDR. Der Untertitel lautet denn auch: Erinnerungen, Erfahrungen, Erkenntnisse im Dienst der CDU in der DDR.

Der jetzt 65jährige Verfasser – geboren, wohnhaft und in der längsten Zeit tätig in Frankfurt an der Oder – gibt auf 375 Seiten eine detaillierte Autobiographie über sein Erleben, Wirken und Denken in unterschiedlichen Aufgaben und Bedingungen, vor allem auch in Begegnungen mit den verschiedensten Menschen. Dabei zeigt er sich als gläubiger Christ, der xder Stadt Bestesx sucht und aus dem Leben lernt.

Beeindruckt von den frühesten Erlebnissen in einer vom Krieg zerstörten Stadt hat er später in den Hoffnungstaler Anstalten in Lobetal, im praktischen kirchlichen diakonischen Dienst an Behinderten prägende Lebenserfahrungen gewonnen, bevor er – nach Studium und Wehrdienst – in den Dienst der CDU trat. Hier hat der Verfasser – nach einer Qualifizierung an der Zentralen Schulungsstätte in Burgscheidungen – in 25 Jahren bis zur „Wende“ – verschiedene Parteiaufgaben wahrgenommen als Kreissekretär, als Instrukteur, als Journalist und Redakteur, vorwiegend auch als Gesprächspartner gegenüber kirchlichen Mitarbeitern und Amtsträgern. Ein besonderes Kapitel ist die im Auftrag der CDU über mehrere Jahre ausgeübte Tätigkeit als Sekretär des Bundes Evangelischer Pfarrer in der DDR – bis zur Auflösung dieser Einrichtung.

Der Staat der DDR – hoffnungsvoll angetreten mit seiner Nationalhymne, aus der der Titel des Buches genommen ist – fand nach 40 Jahren sein Ende in der xWende“; damit auch alle Aktivitäten, über die der Verfasser so ausführlich berichtet.

Im letzten Abschnitt „Was bleibt?“ schreibt Winter: „Festzuhalten bleibt (zudem), daß sich neben allen unschönen Zügen, die der DDR anhafteten, im zwischenmenschlichen Bereich eine Kultur des Miteinander und Füreinander entwickelt hatte, die bis heute nachwirkt..." Und er erwähnt manche Elemente, die nach vorn wiesen, die heute verloren zu gehen drohen.

Es ist insgesamt ein höchst interessantes Erinnerungsbuch für alle diejenigen, die diese Zeit in der DDR selbst in aktiver Mitarbeit erlebt haben, und es ist ein gutes Lehr- und Erfahrungsbuch für diejenigen, für die diese Zeit schon Geschichte ist, wenn sie sich denn die Mühe machen, das Buch nicht nur zu lesen, sondern zu „studieren“. Autor und Verlag ist zu danken.
Report, Senioren-Union der CDU / Landesvorstand Brandenburg





Von wegen „Wir sind ein Volk“

„Die Westdeutschen verwuchsen mit Westeuropa ...“, formulierte einmal der Journalist und Historiker Peter Bender ... „Sie wurden Europäer, soweit man das werden kann“, und die „Ostdeutschen" ... also die Menschen in der DDR, „blieben deutsch“ ... „Beide wurden von ihrem politischen und wirtschaftlichen System geprägt, und da dieses vier Jahrzehnte lang geschah und mehrere Generationen schon in diesen Systemen aufwuchsen, wirkte die Prägung stark und nachhaltig“. Diese unterschiedlichen Prägungen hätten die Vereinigung „mehr als alles andere behindert“.

In der Tat ist die Unterscheidung in „Wessis“ und „Ossis“ der oberflächliche Ausdruck für deutsche Probleme, die zwar sehr real sind, aber nicht zum Gegenstand einer nachdenklichen nationalen Einigungspolitik geworden sind. Diese hätte jedoch Priorität gegenüber allen wirtschaftlichen und polischen Ambitionen im Blick auf die Einheit Europas ... haben müssen ...

Diese Unterlassungen müssen und können überwunden werden, um der fordernden Feststellung „Wir sind ein Volk“ ... endlich gerecht zu werden.

Das kann sehr wohl noch immer geschehen. Dazu gehört die Aufarbeitung der Geschichte der zweiten sozialistischen Diktatur, die in einem Teil des Vaterlandes der nationalsozialistischen folgte. Natürlich sind dabei auch die unterschiedlichen Strukturen, aber auch die Zusammenhänge beider Totalitarismen aufzuzeigen. Alle gesellschaftlich relevanten Gruppen können das tun, indem sie die sich zuhören, reale Machtverhältnisse und Überlebensstrategien von damals schildern, ohne dabei Schuldzuweisungen und deren Folgen in den Mittelpunkt zu stellen.

Ein Beispiel: Im Verlag Die Furt ist unlängst das Buch „Und der Zukunft zugewandt“ von Hans Joachim Winter erschienen, der darin seine Erinnerungen, Erfahrungen und Erkenntnisse im Dienst der CDU der DDR schildert, die sich nach ihrer Gründung im Juni 1945 als überkonfessionelle Partei etabliert hatte und die nach dem von der Sowjetischen Militäradministration erzwungenem Rücktritt ihrer Spitzenpolitiker spätestens seit 1947 ihre politische Selbständigkeit verlor und zur „Blockpartei“ wurde.

Winter erzählt aus seinem Leben, dem Studium an der Arbeiter- und Bauernfakultät, seinem Eintritt in den kirchlichen Dienst, als Sozialarbeiter in den Hoffnungstaler Anstalten und von 1966 an als hauptamtlicher Mitarbeiter der CDU. Er beschreibt aus der Sicht des Funktionärs dieser Ost-CDU den Alltag der Parteiarbeit als Instrukteur im Bezirk Frankfurt/Oder, das Spannungsfeld der Kirchenpolitik, seine hauptamtliche Tätigkeit bei der CDU-Presse, in einer Partei also, die dem „christlichen Realismus“ als kleine, von Sekretären dirigierte Kaderpartei dienen sollte. An zahlreichen konkreten Schilderungen der Bewegungsmöglichkeiten wird dieser Alltag aus seinem persönlichen Erleben und – natürlich – aus seiner Sicht dargestellt.

Bei der Lektüre geht es nicht darum, seine Sichtweise anzuerkennen, wohl aber sollte es immer darum gehen, sie zu kennen, um sie zu verstehen. Winter verweist darauf, dass die DDR viereinhalb Jahrzehnte der Lebensraum von 17 Millionen Deutschen war, in dem diese insbesondere nach dem 13. August 1961 eingeschlossen waren, ihre Leben aber nicht in dumpfer Trauer verbrachten, sondern gelebt, geliebt und fleißig gearbeitet hätten. Dabei verweist er darauf, dass seine Erfahrungen nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Gesamtgeschehen seien und zudem subjektiv und auch nicht repräsentativ. Die DDR sei Vergangenheit, aber auch mehr als eine zu vernachlässigende Episode Nachkriegsdeutschlands, vielmehr ein bedenkenswerter Teil der deutschen Geschichte.

So gesehen ist das Buch ein Mosaikstein für die Beschäftigung mit unserer Geschichte, der dazu dienen kann, Sprachlosigkeit bei der Suche nach deutscher Identität zu überwinden. Zu einer solchen Selbstfindung der Deutschen gehört vieles ... die Anziehungskraft „des Westens“ mit seinem wachsenden Wohlstand, aber auch die zunehmende Abwendung der Westdeutschen von ihren unerreichbar gemachten Landsleuten in der DDR ...
Wlfried Böhm, Preußische Allgemeine Zeitung vom 23. April 2005





Und der Zukunft zugewandt ...

Dammvorstadt und Lessingschule, „Bau auf, bau auf!“ und Christenlehre, Nationale Front und Frankfurts Bezirksverband der CDU, Stasi, Kirchenpolitik und viel Lebensgeschichten – der Frankfurter Hans-Joachim Winter hat ein Buch mit dem Titel „Und der Zukunft zugewandt ...“ herausgebracht. Darin schreibt er über seine Erinnerungen, Erfahrungen und Erkenntnisse im Dienst der DDR-CDU.

Hans-Joachim Winter lässt uns durchs Frankfurt zwischen DDR-Gründung und Wende schreiten. Freilich kommen auch Ereignisse im Land darin vor – von den Kommunalwahlen bis zu DDR-Geburtstagen, von der Diakonie bis hin zur Kaffeekrise 1977, dem Jahr der „Mona“-Erfindung. Doch immer ist mittenmang ein Stück Stadtgeschichte zu entdecken. Frankfurter und ihr Umfeld rücken in den Mittelpunkt. Stadtrat Gerhard Richter und das Wohnungsproblem; Kantor Hans Stein und die Franziskaner-Klosterkirche, die spätere Konzerthalle, langjährige CDU-Mitglieder wie Gustav Kubisch und Anna Tilgner, aber auch „Neue“ wie Edmund Rost (damals Hauptbuchhalter des Großhandelsbetriebes Obst-Gemüse-Speisekartoffeln, nachwendisch Stadtkämmerer und jetzt Bestatter).

Über Oberbürgermeister Fritz Krause schreibt der Autor, ein bekennen der Christ: „Gerade weil er Marxist und Sozialist, weil er Genosse der SED war, hat er manche taktische Manöver und Tricks angewandt, wenn es darum ging, für diese Stadt und ihre Bürger das Beste herauszuholen. Denn für Krause war das Wort im Programm der SED, dass der Sinn des Sozialismus darin bestehe, alles für das Wohl des Menschen zu tun, keine leere Worthülse, sonder seine tiefste Überzeugung.“

Winter erzählt Geschichten. Lustige. Traurige. Beklemmende. Oder nachdenklich stimmende. Diese zum Beispiel: In Franfurt gab es Ende der 70er Jahre einen brillanten Gastronomen, der Chef des höchsten Cafés im Oderbezirk war, aber einen Fehler hatte: Er gehörte nicht der SED, sondern der CDU an. Reinhard Mocho leitete das Hochhaus-Café in der 24. Etage – heute „Turm 24“. Sein Gaststätten-Kollektiv wurde mehrfach Sieger im Wettstreit aller HO-Gaststätten der Bezirksstadt. Doch es gab Diskussionen in der SED-Parteileitung des HO-Gaststättenbetriebes. Es könne nicht angehen, dass ständig ein Nicht-Genosse Wettbewerbssieger wurde. Jetzt müsse endlich auch ein Genosse an die Spitze. Die Wahl fiel auf den Ratskeller. Der Chef dort war SED-Mitglied. Reinhard Mocho erklärte dem CDU-Kreisvorsitzenden, „das er das gut verschmerzen könne. Aber seine Kollegen würden fragen: Was können wir dafür, dass unser Chef kein Genosse ist ...“

Hans-Joachim Winter ist ein guter Beobachter. Er wurde vor 66 Jahren in der Dammvorstadt, dem heutigen Slubice geboren, studierte an der ABF, der Arbeiter- und Bauernfakultät. Doch das Studium brach Winter nach einem Jahr ab, um in den kirchlichen Dienst zu treten. Seine Stationen: Sozialarbeit in den Hoffnungstaler Anstalten – Ausbildung im Kirchlich-Diakonischen Lehrgang Berlin-Weißensee – ab 1966 hauptamtliche Arbeit in der DDR-CDU, unter anderem als Kreissekretär und Instrukteur für Kirchenfragen in unserer Stadt. Winter schrieb für CDU-Zeitungen – Neue Zeit und Märkische Union, Standpunkt. Und er engagierte sich im Frankfurter Kulturbund. Winter: „Der Kulturbund war neben der Kirche und CDU jene Körperschaft, in der ich die offensten und waghalsigsten Diskussionen erlebt habe. Und die Frankfurter Dr.-Otto-Nuschke-Straße 34 war eine feine Adresse.“

Der Autor schreibt ehrlich, ist offen, erzählt Episoden, die entweder längst in Vergessenheit geraten oder gar nicht bekann sind. Und er hebt auch öfter mahnend den Zeigefinger, nennt Ross und Reiter, lässt auch die Polenfeindlichkeit nach der Grenzöffnung 1972 nicht aus. Viele Frankfurter werden sich im Buch wiederfinden – von Bliemel und Denda über Dinse, Hertel und Lüdersdorf bis Rehfeldt, Schirmer und Zellmer.
Jörg Kotterba, Märkische Oderzeitung vom 17. März 2005





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