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Fürstenwalde im I. Weltkrieg


Manches Neue und Interessante wird zu Tage gefördert, das in Vergessenheit geraten ist, oder noch gar nicht bekannt war. Orte, Namen und Ereignisse aus der Stadt und Umgebung treten aus dem Dunkel der Geschichte hervor. Es entsteht ein Porträt von Fürstenwalde, das die gewaltigen Umgestaltungen im Leben der Bevölkerung in diesem historisch kurzen Zeitraum deutlich macht.
So wird die Beschreibung der traurigen Folgen des Krieges auch zu einem Kapitel Heimatgeschichte.

Der Erste Weltkrieg in und um Fürstenwalde. 1914-1918. Hrsg: Freundeskreis Museum im Kulturverein Fürstenwalde e.V. 120 Seiten mit zahlr. Abbildungen. Paperback. Format 14,5 x 21 cm.
Preis 9,00 Euro       ISBN 978-3-933416-51-3










aus dem Inhalt Fürstenwalde im I. Weltkrieg



Hans-Joachim Notroff
Fürstenwalde als Garnisonsstadt

Wolfgang Weber
Die letzten Friedensjahre

Alfred Köpke
Der Traum vom Fliegen

Wolfgang Weber
Geldwirtschaft im Kaiserreich

Hans-Joachim Notroff
Kriegervereine in Fürstenwalde und Umgebung

Hans-Joachim Notroff
Der Kriegsbeginn

Gisela Griepentrog
Pfarrer Kornrumpf und das Hilfswerk einer Stadt

Gisela Griepentrog
Briefe aus dem Felde

Florian Wilke
Alles wird knapp – Versorgungsprobleme im Spiegel der Presse

Florian Wilke
Das große Sammeln – Glocken für den Krieg

Hans-Joachim Notroff
Ereignisse in Stadt und Land aus Kriegs- und Nachkriegszeit

Gisela Griepentrog
Himmelsbrief und Kugelsegen – Aberglauben im Krieg

Heike Politz
Schule im Krieg

Florian Wilke
"Der feldgraue Büschmann" – Die Sprache der Soldaten

Heike Politz
Bevölkerungsprobleme

Heike Politz
Lazarette in Fürstenwalde

Gisela Griepentrog
Nur einer von Vielen? – Der 19-jähriege Gerhard Mord war eines der 583 Opfer,
die der I. Weltkrieg aus Fürstenwalde forderte.

Hans-Joachim Notroff
Das Ende des Krieges






Rezensionen Fürstenwalde im I. Weltkrieg



Mahnende Zeitstudie
Freundeskreis Museum dokumentiert die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges in und um Fürstenwalde

Ein seltener Fall von Widerstand: Im Juni 1914 verweigerten die Mitglieder des Metallverarbeiterverbandes in der Firma Pintsch das Schleifen der Säbel des Fürstenwalder Ulanenregiments. Sie wussten: Die Blankwaffen der preußischen Armee wurden nur für den Kriegsfall geschärft. Der Leiterwagen mit den Säbeln musste zum Ulanenregiment zurückfahren. Die Ulanen zogen dennoch in den Ersten Weltkrieg und mit scharfen Säbeln, denn die Handwerker der Stadt konnten es sich gar nicht leisten, solch einen lukrativen Auftrag abzulehnen.

Diese Geschichte zeigt deutlicher als jede noch so akribische wissenschaftliche Recherche, wie unterschiedlich die Interessen im deutschen Volk waren, als es in den Ersten Weltkrieg xgeschliddert“ ist. Dieses oft gebrauchte verharmlosende Bild wird in der Broschüre „Der Erste Weltkrieg in und um Fürstenwalde 1914–1918“ allerdings nicht gebraucht. Dafür haben sich die Mitglieder des Freundeskreises Museum im Kulturverein Fürstenwalde engagiert auseinandergesetzt ...

„Und kein Mensch ist da mehr Mensch“ dichtete ahnungsvoll der Maurer Otto Grasnick am Tag der Mobilmachung. Solche Hellsichtigkeit teilten nicht viele in der Garnisonstadt, die so stolz auf ihre Ulanen und auf ihre Kriegervereine war.
Die ersten Todesanzeigen brachte die Fürstenwalder Zeitung keine zwei Wochen nach Kriegsbeginn, viele „Ehrentafeln“ sollten folgen.

An der Heimatfront mehrten sich die Versorgungsproblem. Die Liste der Bestimmungen zur Mangelverwaltung – „zum Ende des Krieges waren es häufig fünf, sechs oder noch mehr neue Bestimmungen pro Tag“, stellt Florian Wilke in seinem Beitrag fest – war lang, von der Speisekartoffelverordnung und der Zwischenzählung der Schweine im April 1915 bis zur Mitteilung: „Es werden 50 Gramm Butter auf Karte ausgegeben“, als der Krieg zu Ende war. Da konnte auch das „Kleine Kriegskochbuch“ von Hedwig Heyl nicht mehr helfen.

Die Autoren haben die Originalerfahrungen der Fürstenwalder mit der großen Geschichte in Verbindung gebracht, aus Briefen, Aufzeichnungen, aus den Zeitungen und aus Gesprächen zitiert.

Adressat einer ganzen Flut von Briefen war der Pfarrer Franz Kornrumpf. Kaisertreu und konservativ, hatte er mit seinen „Heimatgrüßen ins Feld“ die braven Feldgrauen nur mit den Nachrichten aus der Heimatstadt versorgen wollen. Doch dieses Unternehmen wuchs sich nach den Recherchen von Gisela Griepentrog zu einem Riesenhilfswerk sowohl für die Soldaten als auch für die Daheimgebliebenen aus.
Nach der heroischen Zuversicht „Mit Gottes Hilfe werden wir all unser Feinde besiegen“ folgten die Flüche: „Wünschte, daß mal die Kriegswucherer so eine Stunde im Trommelfeuer gelegen hätten.“

Die Not und Verzweiflung in Krieg und Nachkrieg, auch die Inflation, werden anschaulich beschreiben. Doch, so ist zu erfahren, ab dem Jahre 1920 lagen in Fürstenwalde wieder verschiedene militärische Einheiten, Reiter, Infanterie, Artillerie, Granatwerfer, Panzer. Bis zum nächsten, noch schlimmeren Krieg wuchs noch nicht einmal eine Generation heran ...
Die Fürstenwalder Heimatforscher legen ein Buch vor, das eindrücklich mahnt, nicht zu vergessen.
Anni Geisler, Brandenburger Blätter 17.12.2004






Erinnerung an Beginn und Verlauf des I. Weltkrieges

... In einer Ausstellung im St. Marien-Dom Fürstenwalde wurden vom 30. Juli bis zum 14. Oktober 2004 Geschichtszeugnisse aus Fürstenwalde und Umgebung gezeigt ... Unter der Redaktion der Volkskundlerin Gisela Griepentrog ... wurde die hier anzuzeigende Broschüre erarbeitet. In einer weitgefächerten Themenauswahl werden die Auswirkungen des Krieges auf die verschiedensten Lebensgebiete gezeigt, neben einem Hurra-Patriotismus gab es auch nachweisbar Kriegsgegnerschaft und Friedenssehnsucht.

Ein gewisser Auslöser für die ganze mühevolle Arbeit war ein Fund, den Gisela Griepentrog vor Jahren im LOS-Kreisarchiv machte: Sie fand dort mehrere Bände einer ca. 4.000 Feldpostsendungen umfassenden Korrespondenz des ehemaligen Fürstenwalder Dompfarrers Franz Kornrumpf. Dieser hatte seine ganze Gemeinde eingespannt, um mit möglichst vielen an der Front befindlichen Gemeindemitgliedern postalischen Kontakt zu halten. Diese Zeitzeugnisse machen den Wandel von anfänglicher Kriegsbegeisterung und Siegeszuversicht zu Niedergeschlagenheit und der Sehnsucht nach einem Ende des schrecklichen Krieges deutlich und lassen in der Heimat sich verstärkende Lebensnöte erkennen.

Wie der Krieg Menschen veränderte, welche Auswirkungen er auf die Gemeinschaft und die Bevölkerungsversorgung, ja auf die ganze Gesellschaft hatte, das machen etliche Artikel der Broschüre klar.
Dem Schlusssatz von Gisela Griepentrog ist zuzustimmen: „... so ist aus der Beschreibung der traurigen Folgen des Krieges an einem lokalen Beispiel auch ein Kapitel Heimatgeschichte entstanden.“
Günter Kunert, Kreiskalender Oder-Spree 2006





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