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AutorenKontakt750 Jahre Frankfurt (Oder)antiquarische Bücher

Wolfram Zebe
Die Grete, die Seeleut, die Bauern und ich

Breit und gemütvoll, vom Hundertsten ins Tausendste kommend, mit reichlich Spitzen und Anekdoten gewürzt – so erzählen wohl erfahrene Dorfbewohner aus ihrem Leben ... "Die Grete, die Seeleut, die Bauern und ich" sind Geschichten von kurzen Reisen über die Ostsee nach Helsinki und Schottland und einer langen Reise, der Lebensreise.
Da hat einer unwiederholbares aus der Erinnerung hervorgeholt: Wie er mit den uckermärkischen Bauern über die Genossenschaft debattierte, wie er seine Streitigkeiten mit dem Wettergott und der Obrigkeit auszufechten hatte. Was sich heute als dürrer Begriff oft dem Verständnis verweigert, wird lebendig. Verantwortung zum Beispiel für gemeinsames Eigentum, das liebe Vieh, die heimatliche Landschaft.

Auf vergnügliche und nachdenkliche Weise läßt der Autor die Geschichte der ostdeutschen Landwirtschaft Revue passieren

Wolfram Zebe: Die Grete, die Seeleut, die Bauern und ich. Geschichten von einer kurzen und einer langen Reise. Je 246 Seiten. Paperback, Format 11 x 18 cm.
Teil 1: Preis 8,50 Euro       ISBN 978-3-933416-05-6
Teil 2: Preis 8,50 Euro       ISBN 978-3-933416-15-5








Leseprobe Wolfram Zebe: Die Grete, die Seeleut, die Bauern und ich


Es war ein nasser Herbst. Der Raupenschlepper, der pflügen sollte, war in einem Wasserloch versackt. Da hatte ich den Salat, ich kannte die Flächen noch nicht. Hermann schaute von fern schadenfroh drein. Aber dann holte er drei Traktoren von irgendwo aus der Feldmark heran, um das Ungetüm aus dem Schlamassel zu ziehen. Das half leider nicht, die drei haben sich auch bald bis auf die Achsen festgemoddert. Der Tag schien verloren, keiner wußte Rat. Ich nahm mein Motorrad, die alte AWO, übrigens das einzige Fahrzeug, welches wir besaßen, und knatterte los. "Da haut er ab, jetzt weiß er nicht weiter und läßt uns im Dreck sitzen", hörte ich noch. Ich aber dachte, laß sie mal reden. Ich fuhr zu einer Einheit der Sowjetarmee, die hier in der Nähe eine Übung machte.

"Stoi!" rief mich ein Wachposten mit umgehängter Maschinenpistole an.
"Gdje Natschalnik?" So führte er mich zu einem Zelt. Dort saßen einige Offiziere und schauten mich neugierig an. Einer konnte ein paar Brocken deutsch sprechen. Ich konnte es auch nicht besser in seiner Sprache. Aber mit Hilfe der Hände und der Füße haben wir uns allmählich verständigt.
Ich sagte: "Ja brauche Panzer." Ja – das ist das russische Wort für "ich", soviel wußte ich schon.
"Was ist – Panzer?"
"Na – Tank."
"Ah, Tank. Potschemu?" Das heißt warum.
"Weil ... Potomu tschto ... abgesoffen ... tri Traktor." Ich zeigte mit drei Fingern auf den Dreck an meinen Stiefeln.
"Wer du bist?"
"Ja ..." puh, was heißt Vorsitzender? " ... Predsedatjel ... in Kolchos ... dort ... tam", jetzt war es heraus, und siehe, alles war klar. Wir haben sozusagen international geredet, mit Händen und Füßen.
"Ponimaju", sagte er. Er gab eine Reihe von Befehlen, die ich nicht verstand, bange, ob auch er mich richtig verstanden hat. Doch dann sagte er: "Poshalsta, pojechali!" und zeigte auf mein Motorrad: "Du fahren mit ich voraus, wir kommen."

So fuhren wir los, ich auf dem Motorrad mit mächtigen Gleichgewichtsproblemen durch die aufgeweichten Feldwege, er auf dem Soziussitz, er war ein gewichtiger Offizier. Hinter uns her klapperte ein Panzer mit rückwärts gerichteter Kanone, so kamen wir an, querfeldein über den Acker. Die anderen standen trampelnd herum, sie hatten sich ein Feuerchen angezündet, vier Traktoristen und Hermann Zobel. Sie rissen erstaunt ihre Augen auf, als das schwere Kriegsgerät, eine tiefe Spur hinterlassend, über den Acker rollte. Ketten und Drahtseile ran, die Kerle sahen aus wie die Schweine, die sich im Lehm gesuhlt haben; aber nach einer halben Stunde standen alle Maschinen auf festem Grund.
"Danke, spassibo."
"Nu pojechali nasad", sagte der Offizier, jetzt fahren zurück.

Hermann, schau an, er konnte auch russisch radebrechen, protestierte: "Nix nasad. Nun pojechali zu moi Dom", zu mir nach Hause. Der Offizier zuckte seine Schultern, stieg auf den Sozius, und ich fuhr ihn dorthin.
Elfriede, seine Frau, stutzte erst, lächelte dann freundlich und lud in der großen Küche zum Sitzen ein. Sie holte aus der Räucherkammer Speck, Wurst und Schinken, aus der Speisekammer Brot, Zwiebeln und eingelegte Gurken. Hermann schickte seine Tochter zum Konsum um eine Flasche Korn, so begossen wir mit Grigori, so hieß unser Gast, eine neue Freundschaft. Später kamen die vier Traktoristen, der Panzerfahrer und Georg Krüger auch dazu. Ich erspähte zum ersten Male einen auf mich gerichteten anerkennenden Blick und war mächtig stolz darauf. Wie wohl das tut – bis auf einen der älteren Treckerfahrer, der im breitesten ostpreußischen Dialekt sagte: "Jungchen, här auf uns, fährste besser."
Grigori verabschiedete sich mit den Worten: "Immer besser, Rohr nach hinten, und nix mehr schießen zusamm." ...

Als er damit fertig war, gab es Kopfnicken und Kopfschütteln. Wir wußten nicht, wo es lang gehen sollte. Der Kreisparteisekretär – es war derselbe, der in Gruppkow über die Losung am Saalvorhang so erbost war – fragte ihn: "Sage einmal, Genosse Karge, woran liegt es deiner Meinung nach, daß es mit der Landwirtschaft im Kreis nicht so recht vorangeht?" Ganz freundlich sagte er dies, aber wir ahnten bereits: wenn er so freundlich spricht, dann steckt etwas dahinter. Das war sozusagen die Ruhe vor einem Sturm. Helmut, mutig und unbefangen, er war ja neu in seinem Amt, dachte: Jetzt ist die Zeit gekommen, daß ich ehrlich meine Meinung sagen kann. Schließlich stand ja im Parteistatut, daß Kritik und Selbstkritik, ohne Ansehen der Person, das oberste Gesetz der Partei sei. Und wir waren jung und überzeugt davon.

Er sagte: "Das werd ich dir sagen, Genosse 1. Sekretär. Das liegt daran, daß so viele Schuster und Schneider in die Landwirtschaft dreinreden, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben." Er sagte das ganz unschuldig und hatte gerade Luft geholt, um diese Behauptung zu begründen. Aber er ließ die Luft wieder ab. Er sagte nichts, er war erschrocken, denn es herrschte Totenstille im Raum.

Ich dachte noch, endlich einmal einer, der sagt, was gesagt werden muß. Wir anderen waren hoffnungsvoll, aber der Stimmungswechsel blieb auch von uns nicht unbemerkt.
Helmut, der Ärmste, hatte keine Ahnung – und wir auch nicht. Er wußte nicht, daß der 1. Sekretär gelernter Orthopädieschuhmacher war.
Der schluckte. Ihm hatte es die Sprache verschlagen. Er wurde blaß. Nach einer Weile stieß er hervor: "Es ist gut. Ihr könnt gehen."
Wir wurden alle diskussionslos nach Hause geschickt. Über das, was drinnen geschah, ist wenig nach außen gedrungen. Er soll einen Wutanfall bekommen haben. Man habe versucht, ihn zu beruhigen: "Das hat der Genosse Karge doch nicht gewußt, er hat dich nicht provozieren wollen, er hat es ehrlich gemeint", und so weiter. Es soll nichts geholfen haben, er habe in seiner Wut den ganzen Tisch abgeräumt – aber das ist nicht verbürgt.

Helmut, unser Kumpel, war wenige Tage darauf sein schönes Amt im Kreisrat los. Er sagte, es wäre eine freudige Entbindung, für ihn jedenfalls, denn er war mehr ein guter Praktiker. Für uns weniger, denn wir hatten uns etwas davon versprochen, daß ein solcher Fachmann unsere Interessen im Kreisrat vertritt.
Er wurde in die hinterste Ecke unseres Landkreises verbannt und sollte sich dort als einfacher Genossenschaftsbauer und Traktorist bewähren. Doch die Partei denkt, und der Bauer lenkt, so war es jedenfalls damals noch möglich. Wir waren schließlich ein Arbeiter- und Bauernstaat.




Emil, der Gärtner, hatte mit seiner Anni Kutschen angelegt. Was eine Kutsche ist, das mußte ich erst lernen. Kein Pferdewagen, sondern ein Frühbeet. Keiner konnte sagen, wie man zu dieser Bezeichnung gekommen war, sie stammt aus alter Zeit. Von diesen Kutschen gab es acht Stück, jede an die zehn Meter lang. Der Stellmacher im Dorf hatte ruck, zuck die notwendigen Fenster dafür gebaut, die Bretter haben wir vom Sägewerk aus der Stadt geholt. Dazu hatten wir mit den Stämmen für meinen Staketenzaun etliche Bäume aus dem Bauernwald mehr gefällt und dorthin gefahren.

Grete wurde allgemein begrüßt: "Was wollen Sie denn hier, Sie sind doch was Besseres?" Die Frau des Vorsitzenden einfach so in ihrer Truppe, das konnten sie kaum begreifen. Aber der Grete machte das nichts aus, sie sagte, sie wolle eben auch mitquatschen. Das haben sie denn auch akzeptiert. Aber bei Gelegenheit müsse sie einen Einstand geben, Kaffee und Kuchen und so. Was das "und so" sein sollte, könne sie sich sicher denken.

In diesen Kutschen wuchsen also die kleinen Tabakpflanzen heran. Es waren Pflanzen für dreißig Hektar, über eine Million Stück mußten es sein. Sie waren klein und empfindlich, aber sie hatten es warm darin, denn unter der Erdschicht lag eine dicke Packung Pferdemist von den fünfundzwanzig Pferden der Genossenschaft. Doch das Unkraut wuchs auch, und es wuchs schneller als die kleinen Tabakpflanzen. Es mußte mit der Hand ausgezogen werden. "Kutschen wieden" nannte man diese Arbeit. Die Frauen lagen auf Brettern über den Frühbeeten, eine bequeme Lage, zumindest für den Zuschauer. Dabei hatten sie reichlich Zeit, die Ereignisse des Dorfes durchzuhecheln. Davon haben sie eifrig Gebrauch gemacht. Daß die Marie beim Bügeln sich Löcher in die Bettwäsche gebrannt hat, daß Friedas Jüngste den Mumps hatte, Schmidts Heiner sich mit Krauses Siggi in der Kneipe geprügelt hat, daß Lehmanns Karl fremd gegangen ist, wieder einmal, und daß er dabei erwischt wurde und sie ihn verdroschen haben, "denkt euch, sie hätten ihm fast das Auge ausgeschlagen, so etwas müßte bestraft werden". Darüber wurde gerätselt, was denn nun bestraft werden müsse, das Auge oder das Fremdgehen.

Grete hörte mit Staunen zu, was es so alles gibt in dem kleinen Dorf mit knapp sechshundert Seelen. Aber dann wurde sie mit Fragen überhäuft. Wie man es mit so einem Vorsitzenden als Mann überhaupt aushalten könne, der wäre doch nie zu Hause. Und es gab gute Ratschläge, wie man sich ihm gegenüber verhalten müsse.
"Paß auf, Grete", sagte Krausenmutter, "paß auf! Der kriegt immer Stielaugen, wenn er bei uns im Kutschengarten ist." So unrecht war dieser Ratschlag vielleicht nicht, es waren in der Tat ansehnliche Geschöpfe dabei, bei deren wohlgefälligen Rundungen man schwer fortschauen konnte ...





Herrlich dieser Morgen. Ein volles Symphoniekonzert der Vögel. Lerchen stiegen mit endlosem Zwitschern in die kühle Luft. Im nahen Dornengebüsch sang eine Nachtigall ihre unzähligen Strophen, jubelnd und sehnsüchtig; sie hat vergessen, daß die Nacht vorüber war. Tausend Tautropfen glänzten an den Grashalmen gegen die Sonne, leuchtend rubinrot, smaragdgrün und türkis, die Wiese war wie mit Diamanten übersät. Die Stadtleute, die solches nicht zu sehen bekommen, sind zu bedauern. In der Koppel lag noch das Jungvieh. Eines nach dem anderen stand schwerfällig auf, dehnte sich und fing an zu grasen. Ich ging zwischen die Tiere, einzelne kamen mit gestreckter Nase heran und schnoberten an mir herum, zutraulich und scheu. Schwarzbunte Flecken im Grünen. Weiter ab auf der Wiese, nahe dem angrenzenden Wald ein Reh mit seinem Kitz. Es hob seinen Kopf und schaute zu mir, nicht ganz sicher, ob Gefahr droht. Es trabte dann sachte dem Holz zu, nicht sehr eilig. Das Kleine folgte gehorsam.

Da kam einer den Hütungsweg entlang auf seinem Fahrrad gezockelt. Als er näher heran war, erkannte ich an seiner alten Pelerine und dem verbeulten Filzhut Friedrich, der neben seiner Nachtwächterei tagsüber das Jungvieh besorgte. Er mußte mit vielen Kurven den Pfützen ausweichen und hatte mitunter Schwierigkeiten, auf seinem Gefährt die Balance zu halten. Er stellte das Rad an einen Baum und lief zur Pumpe am Bach, den Wassertrog für das Vieh zu füllen. Dann kontrollierte er mit einem Grashalm, ob der elektrische Weidezaun noch Strom hat, denn er wurde mitunter nachts von Wildschweinen oder grasenden Rehen umgerissen. Ich ging zu Friedrich.

"Was willst du denn schon so früh auf der Koppel?" fragte er mich, "du bist wohl mißtrauisch, daß ich's verschlafe." Er schaute mich schräg von der Seite an: "Bis jetzt kannst du mir nichts nachweisen, ich war immer da – obwohl, es fällt mir reichlich schwer, das muß ich sagen. Jeden Tag zweimal den Weg, und dann die Löcher und Pütte, dat ward mi bald tovääl." Er verfiel dann und wann in das alte Platt. "Aberst nachspioneern, dat brukt mi keener."
"Nichts da", sagte ich, "ich freue mich, daß die Sonne scheint." Er nickte mit dem Kopf. "Nu gifft Heuwedder", sagte er mit Bestimmtheit.
"Wollen es hoffen. Es hat lange genug gedauert mit dem Regen."
"Doch, doch, ick heff am Stall Oll-Schude antroffen. De weet dat. De weet allens över dat Wedder."

Ich bin auch mit hinausgefahren. In meiner alten Genossenschaft in Gruppkow habe ich damit angefangen, denn die Menschen dort kannte ich am besten. Ich sandte zunächst, da ich mit etwas anderem beschäftigt war, einen jungen Agronomen dorthin. Dieser, ein kluger Bursche, der frisch von der Schule kam, stürmte danach fast kopflos zurück und schimpfte: "Die sind doch verrückt draußen."

Er wollte partout nicht mehr in den Dörfern agitieren helfen. Da ich nur unklar herausbekam, was geschehen war, fuhr ich mit ihm nach Gruppkow.
Dort war gerade die tägliche Arbeitsberatung vorbei, und einige saßen noch im Raum. Sie grinsten mich an, verstohlen, spöttisch, hinterhältig, sie konnten sich denken, warum ich hier war. Ich jedoch konnte mir zunächst keinen Reim darauf machen.

Georg war es dann, der mir die Geschichte erzählte. Da ist der Junge gekommen und hat die Frage gestellt: "Nun, Genossenschaftsbauern, was haltet ihr von der Kooperation?"
Er mußte noch lernen, wie man mit den Bauern redet, damit sie ihn auch verstehen.
Und meine alten Freunde? Die haben natürlich gleich begriffen, was er wollte, und haben ihren Spaß dabei gehabt. Ich kannte sie ja, sie haben gern einen "verhanjökelt".
Zuerst war er an Alfons Böhmert geraten, und der sagte ihm im schönsten Platt: ?Min Koh is gesund, de brukt nich operiert warn." Da war er verdutzt und wollte es näher erklären. Aber nun meldete sich Walter Krause: "Min Koh is all operiert, de Dokter hätt bit letzte Kalv een Kaiserschnitt maken mößt." Und als Hermann Zobel noch draufsetzte: "Ick heff keen Koh", da ist er fortgelaufen und hat schadensfrohe Gesichter hinterlassen.
Ich dachte, diese Gruppkower, sie haben es faustdick hinter den Ohren.







Rezensionen Wolfram Zebe: Die Grete, die Seeleut, die Bauern und ich



Bruchstücke, die Neugier wecken

Am Freitag Abend gab auf der Burg (Beeskow) der Kummerower Wolfram Zebe eine Kostprobe seines neuen Buches "Die Grete, die Seeleut, die Bauern und ich".
Der Beifall von über 30 Zuhörern war nicht schlechthin ein höflicher, sondern ein sehr herzlicher. Er deutete an, daß zahlreiche Passagen erst einmal gefallen haben. Und, so war in der Runde mehrfach zu vernehmen, sie weckten die Neugier.

Zebe, seit 1973 in dem kleinen Dorf an der Spree wohnhaft, hat auf 246 Seiten einen großen Bogen Zeitgeschichte aus ganz persönlicher Sicht geschildert, ohne dabei den Anspruch auf eine Autobiographie erheben zu wollen. Von besonderem Reiz und auch Brisanz ist das Geschehen in der Landwirtschaft zwischen den 50ern bis Anfang der 70er. Den Rückblick gestattet er sich während einer Schiffsreise im Jahre '91 mit einem Frachter über die Ostsee. Auch die Erlebnisse und Eindrücke an Bord und in Finnland werden im Buch lebendig.

Mit gebotenem Ernst und Nachdenklichkeit, mit einem Schuß Ironie und guter Portion Heiterkeit, werden Vorgänge geschildert und Personen beschrieben, wie sie tatsächlich in der Uckermark vorgekommen, zu Hause waren und noch leben. Und ebenso die auf dem Schiff. Zwei von der Crew, die Stewardeß Rosi und der Koch Uwe, ließen sich die Präsentation dann auch nicht entgehen.

Der 1928 in Breslau geborene Autor steht in der Person "Josef" mittendrin "aus innerster Überzeugung als Miterbauer einer neuen Welt".
"Daß der Plan gescheitert, hat nicht er zu verantworten", äußerte sich der bekannte Literat Hans Bentzien. Aus Zebes Reminiszenzen sind dennoch Suchen, Finden, wieder Suchen nach Verantwortung und auch etwas Ratlosigkeit erkennbar. Gerade auch das macht, was er schrieb, glaubhaft und wertvoll.
Märkische Oderzeitung v. 22.3.99






Ein Bauernleben gleitet vorüber

Episch breit und gemütvoll, vom Hundertsten ins Tausendste kommend, mit reichlich Spitzen und Anekdoten gewürzt – so erzählen wohl erfahrene Dorfbewohner aus ihrem Leben. Ganz in dieser Tradition schreibt auch Wolfram Zebe aus Kummerow bei Beeskow. Schon der Titel seines jüngsten Büchleins verspricht ein breites Spektrum: "Die Grete, die Seeleut, die Bauern und ich". Es sind Geschichten einer kurzen Reise – der Trip des pensionierten Landwirtehepaars über die Ostsee nach Helsinki – und einer langen, nämlich der Lebensreise. Autobiographisches und Gehörtes wird dabei kunstvoll über mehrere Ebenen verwoben – Leben in der DDR und heutige Reflexionen darauf

Da hat einer Unwiederholbares aus der Erinnerung hervorgeholt: Wie er mit den uckermärkischen Bauern über die Genossenschaft debattierte, von ihnen zum LPG-Vorsitzenden gewählt wurde, wie er seine Streitigkeiten mit dem Wettergott und den Obrigkeiten auszufechten hatte. Mit großer Wärme erinnert sich Zebe der Menschen, die ihm und seiner Frau zur Seite standen. Was sich heute als dürrer Begriff oft dem Verständnis verweigert, wird lebendig, Verantwortung zum Beispiel für gemeinsames Eigentum, das liebe Vieh, die heimatliche. Landschaft.

Die HeIsinki-Fahrt gibt Gelegenheit, die Bilder der Erinnerungen in einer fremden Umgebung, von außen, zu betrachten. Das Bändchen verspricht zugleich einen Nachfolger von Zebes Erinnerungen. Angenommen hat sich des Projekts der kleine Verlag Die Furt in Jacobsdorf, der den Autoren der Region eine Heimat sein will.
Anni Geißler, Brandenburger Blätter 27.8.99



Hommage eines Zweiflers

Wenn Wolfram Zebe bei einer Signierstunde neben seinem Tischchen steht und sich ein Neugieriger naht, dann fragt er gewöhnlich lächelnd: "Na, kommst Du auch aus der Landwirtschaft?" Und egal, wie die Antwort ausfällt, der potentielle Leser bekommt etwas von der Landwirtschaft zu hören, bevor Zebe sich seinerseits nach dem Woher und Was und Wie seines Gegenübers erkundigt. Gar nicht so selten, daß solch ein Gespräch bald durch die Zeiten schweift, so wie es auch in Zebes Buch "Die Grete, die Seeleut, die Bauern und ich" geschieht, den "Geschichten von einer kurzen und einer langen Reise, 1. Teil", wie der Untertitel verrät.

Die kurze Reise, das ist der Urlaubstrip auf einem Rostocker Frachtschiff, das Holz (!) nach Finnland exportiert. An Bord beginnt nicht nur jede Begegnung mit dem Satz: "Wolln'se 'n Kaffee", dort gibt es auch noch eine Traditionsecke mit Wimpeln und Urkunden aus dem untergegangenen Land. "Das waren doch wir, und wir waren nicht schlecht", kommentiert Stewardeß Rosi die Hinterlassenschaft. Klar, das Schiffchen schwimmt schließlich noch, wenn auch unter anderer Flagge. Schnell bemerken der Erzähler und seine Frau, daß vielen aus der Mannschaft ganz ähnliche Fragen durch den Sinn gehen wie ihnen selbst. Warum hat dieses Experiment DDR nicht funktioniert, das Gerechtigkeit für alle möglich machen sollte, ein Leben in Würde und ohne Angst? Wieso haben sich so viele gute Absichten in ihr Gegenteil verkehrt, und wo ist der eigene Anteil am Ge- und Mißlungenen zu finden?

So beginnt die zweite, die größere Reise in die Vergangenheit, angefangen von der Bodenreform und der Bildung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften bis hin zu dem Versuch eines beleidigten SED-Sekretärs, dem unbotmäßigen LPG-Vorsitzenden ein "Wirtschaftsverbrechen" anzuhängen. Es braucht nur wenige Seiten der Lektüre, um zu merken, daß Zebe – Jahrgang '28 – nicht nur seine Uckermark ins Herz geschlossen hat, sondern auch die Leute, die dort leben. Er erzählt nicht im Zorn und nicht aus dem Drang persönlicher Rechtfertigung heraus, sondern aus dem Selbstverständnis gelebter Jahrzehnte. Eine überzeugende Perspektive, die auf Schnurre und Witz so wenig verzichtet wie auf Skepsis und Verunsicherung.

Wer das im Verlag Die Furt edierte Bändchen liest, weiß hernach etwas besser, daß Gemeinsamkeit in der DDR noch andere Wurzeln kannte als die Not- und Mangelgemeinschaft, Engagement und Selbstlosigkeit nicht aus Unterwürfigkeit vor den Herrschenden herrühren mußten. Was Wunder, daß der Erzähler bei einer Gruppe durch Europa trampender westdeutscher Jugendlicher viele Hoffnungen und Wünsche wiederfindet, die ihn selbst über die Zeiten begleitet haben, die ihn über das Gemisch aus Tumbheit und Besserwisserei trösten, dem er wenig später bei einem norddeutschen Kaufmann begegnet.

Die Grenzen verlaufen nicht zwischen West und Ost, auch nicht zwischen jung und alt, sondern zwischen borniert und offen, satt und hungrig, denkfaul und wißbegierig. Deshalb sind Zebes Erinnerungen nicht nur eine Hommage an die Arbeitenden, sondern auch ein Schwall von Geschichten, der gegenseitige Vorurteile aufweichen kann. Auf den zweiten Teil dieser Reise darf der Leser gespannt sein.
Johannes Korn, Oder-Anzeiger 20.11.99

Gefährte auf einer Lebensreise – Wolfram Zebes Erinnerungsbuch "Die Grete, die Seeleut, die Bauern und ich" bekam eine Fortsetzung

Er ist, was man einen kontaktfreudigen Menschen nennt. In seinem Häuschen in Kummerow bei Beeskow hat Wolfram Zebe alle Nase lang Gäste, die einen guten Schluck und die Küche seiner Frau Irene mögen. Vor allem fühlt man sich hier immer gut unterhalten. Denn der Hausherr hat das Talent zum Erzählen: von den Leuten, die er in seinem Leben traf, von seinen Reisen – die zu Schiff liebt er besonders – und von den verschlungenen Wegen der Landwirtschaft, auf denen er sich selbst einiges Lob, aber auch so manche Beule holte.

"Drum schreib es auf, es soll nicht verloren gehen", mahnt ihn ein guter alter Freund. "Die Jungen werden sich eines Tages daran erinnern, sie werden es wissen wollen". Nämlich, wie der Versuch mit dem Sozialismus lief. Also hat sich der Landwirt an die Arbeit des Aufschreibens gemacht. Vor Jahresfrist kam Zebes Buch "Die Grete, die Seeleut, die Bauern und ich" im Verlag Die Furt Jacobsdorf heraus, die Erinnerungen an die Sturm- und Drang-Zeit, an den bei allen Schwierigkeiten auch ungeheuer spannenden Anfang gemeinsamen Wirtschaftens in der Genossenschaft hat nun mit einem zweiten Band eine Fortsetzung erfahren. Die Mühen der Ebene, der Euphorie weicht in den 70er und 80er Jahren nur allzu oft der Ernüchterung.

Wolfram Zebe bleibt bei seiner Methode, seine Biografie über den Umweg von Reiseabenteuern zu erzählen. Die Lebensreise wird so zur Welt in Beziehung gebracht, eine anspruchsvolle, von Zebe mit bemerkenswerter Unbekümmertheit praktizierte Methode. Und so philosophieren der Erzähler und seine Grete schließlich sogar am Kamin eines Schlosses im schottischen Hochland mit Lady Ellinor und Sir Warren Über ihr Thema, wie es denn so war, das Leben im realen Sozialismus. Der Butler, früher einmal britischer Besatzungssoldat in Deutschland, dolmetscht ...

Reich und vielseitig zwiespältig und widersprüchlich? stellt sich dieses Leben in den Erinnerungen des einstigen Landwirts, Landwirtschaftsfunktionärs und Genossenschaftsvorsitzenden dar. Es gibt keinen Grund, es zu verleugnen im Gegenteil, selbst den Nackenschlägen und Niederlagen kann man vor diesem Hintergrund humorvolle Seiten abgewinnen. Vor allem, wenn man mit der Schiffsmannschaft der "Brauersberg" bei der Fahrt von Hamburg nach Hull und zurück vor einer guten Flasche Whisky sitzt. Da wird also ausgebreitet, wie die Bauernmeinung beim Zusammenbasteln riesiger Produktionseinheiten beiseite geschoben wurde, wie man von der Obrigkeit "aus der Schußlinie genommen" wurde und dennoch immer wieder der Sündenbock war, wie man schließlich noch eine LPG aus den roten Zahlen führte, um dann bei der letzten Wahl in der Wende doch den Kürzeren zu ziehen; bald gab es nichts mehr, was man hätte verteidigen müssen.

Vergessen hat Wolfram Zebe das alles nicht, aber es hat ihn keineswegs bitter und zynisch oder sogar ungerecht gemacht. Mit dem Abstand der Jahre kommt ein gewisser Glanz in seine Erinnerungen, Dankbarkeit auch, dass er das alles erleben konnte. Die Menschen zumal, denen er trotz ihrer Unterschiedlichkeit Gerechtigkeit widerfahren läßt: die nachdenklichen und die prahlerischen, die Querköpfe und die Anpasser, die Auskenner und Verlierer. Darüber läßt sich wunderbar klönen – und darüber auch das Umfeld preisen, in der sie agieren.

Die "Geschichten von einer kurzen und einer langen Reise, 2. Teil" geben ausgiebig Gelegenheit, dem Leser die Schönheiten der Natur ins beste Licht zu rücken, ob sie nun auf märkischem Sand oder im schottischen Moor das Herz erfreuen. Wahrscheinlich wird es so kommen, wie der alte Georg Krüger es prophezeit: Die Jungen werden all das wissen wollen. Doch auch die Zeitgenossen wissen das von Wolfram Zebe Aufgeschriebene und Bewahrte zu würdigen. Mit Zustimmung, aber gewiss auch mit Widerspruch. Und Besseres kann man einem Buch nicht wünschen.
Anni Geißler

Ein Blick zurück ohne Zorn

Geschichten aus der ehemaligen DDR sind noch immer interessant, gerade weil heute viele diese Vergangenheit verdrängen oder verklären. Spannend wird es immer, wenn Menschen über ihr Leben berichten, die das Leben in dem kleinen Land mit den großen Mauern an entscheidender Stelle miterlebten.

Wolfram Zebe, ein ausgewiesener Kenner der DDR-Landwirtschaft mit all ihren guten und schlechten Seiten, hat seine Lebenserinnerungen in ein Buch verpackt. "Die Grete, die Seeleut, die Bauern und ich" nennt er sein Stück Zeitgeschichte ... Im Klappentext heißt es zum zweiten Teil des Werkes: "Wieder gibt eine Reise Gelegenheit, Erlebtes an sich vorüberziehen zu lassen, diesmal vor dem Hintergrund der Highlands in Schottland. In diesem Band geht es um das Leben in der Landwirtschaft von den 70er Jahren bis zum Ende der DDR. Nun aber nicht in der Uckermark, sondern in der Niederlausitz.

Auch hier ist vieles mit Humor und Gemüt gewürzt. Dabei wird mancher Meinungsstreit mit dem Gewissen und der Obrigkeit ausgetragen. Der eine oder andere könnte sich darin wiederfinden. "Während einer Fahrt nach Schottland hatte Wolfram Zebe genügend Zeit, bei einem Rückblick bis in die 70er Jahre seine eigenen Erlebnisse auf den Feldern und in den Büros der Landwirtschaft in der Niederlausitz Revue passieren zu lassen. Dies alles hat der Autor schließlich in seinem literarischen Werk festgehalten.
Blickpunkt v. 04.06.2000

Zwischen Gewissen und Obrigkeit: Geschichten aus der Lausitz

"Zwei Jahre sind es bereits her, seit ich schrieb, es wären noch leere Blätter in dem großen Buch...", so beginnt der zweite Teil des Buches "Die Grete, die Seeleut, die Bauern und ich". "Die Geschichten von einer kurzen und einer langen Reise", so der Untertitel, knüpfen an sein erstes Buch an und handeln von dem landwirtschaftlichen Leben von den 70er Jahren bis zum Ende der DDR. Aber dieses Mal nicht in der Uckermark, sondern in der Niederlausitz. Dort trägt der Held Josef so manchen Meinungsstreit mit seinem Gewissen und mit der sozialistischen Obrigkeit aus.

Zwar spiele die Handlung in Beeskow und der Bauer Josef trage auch einige Züge des Autoren, aber dennoch sei das Buch keine Autobiographie, sagt Wolfram Zebe. In die Handlung seien selbst Erlebtes, aber auch die Erlebnisse anderer eingeflossen. Realität und Fiktion vermischen sich: Anfang der 70er wurde Wolfram Zebe vom Landwirtschaftsrat in Angermünde nach Beeskow versetzt, seine Frau ging mit ihm. So ergeht es auch dem Helden Josef und seiner Frau Grete. Später als LPG-Vorsitzender erzielt er gute Resultate, bis etwas dazwischen kommt ...

Fast drei Jahre hat der 71-jährige Hobby-Schriftsteller – wie er sich selbst nennt – an diesem Buch gearbeitet. Er sei kein Literat, habe aber einen guten Lektor, der ihm so manche Stilblüte ausgetrieben habe, sagt er selbstkritisch. Er beschreibe die langsame Demontage der demokratischen Strukturen in der DDR. Aber dennoch wolle er zeigen, dass die DDR viel mehr gewesen sei, als nur "Stasi und Mauer". Zebe: "Ich will zeigen, dass wir trotzdem ein ausgefülltes Leben hatten", das sei das Ziel, das er mit diesem Buch verfolge.

So durchwandert sein Held 14 Kapitel von der "Spazierfahrt über Jütland" bis zu dem Fazit "Ein Alptraum. Was von der Illusion bleibt." Dunkle Wolken über Kummerow zieren den Einband des Buches. Hier und da blitzt ein Sonnenstrahl hinter der Wolkendecke hervor. "In den letzten Jahrzehnten seien immer wieder dunkle Wolken aufzogen. Der Einband sei ein Symbol dafür", sagt der Autor. Wie die Geschichte endet, möchte er offen lassen. Davon könne sich bei der Premiere jeder selbst ein Bild machen.
Märkische Oderzeitung v. 06.06.2000

Leserecho

Die beiden Bücher von Wolfram Zebe haben mir einen lebendigen Eindruck von Menschen in der ehemaligen DDR vermittelt, besonders der Landbevölkerung, zu welcher auch der Autor gehört. Wie gut, daß wir "Wessis" jetzt durch solche Bücher etwas vom Leben im DDR-Staat erfahren können, daß wir nun auch unzensierte Gedanken lesen können. Hier wird nicht Geschichte aufgearbeitet, hier werden Geschichten erzählt, die allerdings oft recht nachdenklich stimmen und auch betroffen machen.

"Drum schreib es auf, es soll nicht verloren gehen", diesen Rat seines Freundes hat er befolgt und damit zwei interessante und lesenswerte Bücher geschaffen, denn dieser Wolfram Zebe ist ein großes Erzähltalent.
Die Verflechtung der DDR-Erlebnisse mit den Reiseerlebnissen nach 1990 ist eine gelungenes Stilmittel, das auch die Spannungen in den Menschen zwischen heute und gestern deutlich werden läßt
Die Grete, die Bauern, die Seeleut und ich", der Titel symbolisiert gleichsam das Fundament des Autors: Ein vielfarbiger Teppich, gewirkt aus Erfahrungen und Erkenntnissen, Menschlichkeit, Ehrlichkeit, Verantwortung, Schaffensfreude und einem stets guten Willen.
Otmar Eitner, Bad Honnef


Anläßlich einer Lesung in Fürstenwalde begründete Wolfram Zebe das Schreiben dieses Buches mit den Worten: "Was ich erlebt habe, soll nicht verloren gehen." Und in der Tat, es wäre ein Verlust für das Verständnis unseres Lebens in der DDR, gäbe es diese Buch nicht, in dem Wolfram Zebe mit eindrucksvoller Sprache, sachlich und kritisch aber stets auch humorvoll, seine lange und kurze Reise schildert.
Das Buch ist keine Autobiographie, wenngleich viele Erlebnisse des Autors mit eingeflossen sind. Packend wird geschildert, wie in den 50er und 60ger Jahren um eine neue, bessere Welt gerungen wurde, aber auch, welche objektiven und subjektiven Hemmnisse sich dem entgegenstellten. Ein ernstes Problem, bei dem es aber auch immer zu lachen gab, so der Kommentar des Autors dazu. So zeigt Zebe mit tiefem Verständnis für die Menschen auf dem Lande, zu denen er selbst gehört, "wie schlau die Bauern sind".
Die Erlebnisse der kurzen Reise mit dem Schiff ermöglichen dem Erzähler, das ehemalige Leben aus heutiger Sicht zu betrachten und sich gleichzeitig mit dem Hier und Heute auseinanderzusetzen. Da hängen auf dem Schiff noch die Wettbewerbsurkunden aus der Zeit der DDR. "Aber das waren doch wir" ist die Begründung. Da versucht ein mitreisender Lübecker Kaufmann den ehemaligen DDR-Bürgern zu erklären, wie sie gelebt hätten, und wundert sich, daß sie ihn nicht verstehen.
Dr. Harald Müller, Fürstenwalde


Nun durfte ich auch in die tiefsten Winkel der Herzen von Grete und Josef schauen und bekam das Auf und Ab beider Lebenswege vor Augen geführt. Um es vorweg zu nehmen: Ich habe beide Bücher mit Freude und Spannung und innerer Berührung gelesen. Manche der geschilderten Begebenheiten haben mir die Tränen in die Augen getrieben, andere die Faust in der Tasche ballen lassen. Die einfache und verständliche Sprache zeigt, daß der Schreiber "dem Volk aufs Maul" geschaut hat. So war es in unserer Landwirtschaft der DDR, in unseren Dörfern. Er hat die Menschen und deren Lebensumstände treffend skizziert, das alles in einer bäuerlich derben Sprache, wie eben auf dem Land gesprochen wird. Es unterstreicht die Ehrlichkeit des Autors und macht die Bücher als Dokument für spätere Generationen lesenswert und wertvoll.
Dietrich Hähnel, Angermünde


Als bezaubernd im wahrsten Sinne des Wortes fand ich die Kombination der Erinnerungen mit den Erlebnissen Schiff und Meer. Das Meer mit Gischt, Sonne, Wind, Regen und mit seiner Erbarmungslosigkeit, mit seiner ungeheuren Beständigkeit. Ich glaube schon, beim Bilanzieren des Lebens hilft es, sich der Beliebigkeit zu erwehren. Und so lassen sich die Geschichten aus der Landwirtschaft und dem Leben lesen, so machen sie Freude. Lebensweisheit läßt sich angenehm vermitteln, politischer Standort und Weltanschauung werden erkennbar. Mit besondere Sensibilität las ich Geschichten aus der NS-Zeit. Mir gefällt die unverkrampfte Sicht, die ist, glaube ich, heute besonders wichtig. Ein gutes Buch.
Gerhard Hoffmann, Frankfurt (Oder)


Wolfram Zebes Buch sollten viele Wessis lesen.

Ein Landwirt, Genossenschaftler und überzeugter Sozialist aus der früheren DDR blickt zurück auf sein Leben und zieht Bilanz: beruflich, privat und politisch. Das wird nicht referiert, sondern erzählt – oft vergnüglich, ebenso oft persönlich bewegend. So erhält der Leser Einblicke in die Geschichte der DDR, die sonst selten zu finden sind: wie engagierte Menschen in Landgenossenschaften und Kreisbehörden, im Umgang mit Untergebenen, Mitarbeitern, Kollegen, Konkurrenten und der "Obrigkeit" die Chancen und die Fehler des organisieren Staats- und Parteisozialismus mit seiner zentral gesteuerten Planwirtschaft erfahren, wie Staat und Partei sich mehr und mehr vom Bauernwissen und der Bauernpraxis, ja von der ursprünglichen Genossenschaftsidee des gemeinsamen Lebens und Arbeitens Gleichberechtiger entfernen.
Und der Leser erlebt mit, wie eine sich dem Leben verfremdende Politik Menschen in ganz persönliche Konflikte verstrickt. In der „Wende“ wird dann sehr bitter empfunden, daß ein ursprünglich viel versprechender Aufbau scheitert, an äußeren Widerständen, aber auch an inneren Schwächen.

In Zebes Buch steht manches, das ich anders sehe, manches, worüber mehr zu sagen wäre. Aber hier verstehe ich Vieles vom Denken und Fühlen unserer Landsleute in den neuen Bundesländern, das im öffentlichen Disput und Gegensatz der Vorurteile untergeht.
Ulrich Müller, Professor i. R., Heidelberg







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