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Günter Kunert
Die Grüne Heide


Aus der Landschaft zwischen Barnim und Müggelspree gibt es erst sehr spät Zeugnisse geschriebener Geschichte. Auch spektakuläre Bauten aus alter Zeit, seien es Burgen, Schlösser oder Kirchen, suchen wir vergebens. Noch am Beginn der Neuzeit war diese Gegend ein kaum besiedeltes Waldgebiet, an dessen Gewässern in grauer Vorzeit einst nicht allzu viele Germanen, vielleicht auch Illyrier und wohl nur wenige Wenden lebten. Wer hier Quellen der Weltgeschichte sucht, würde kaum fündig werden. Doch dem heimatgeschichtlich Interessierten bietet auch dieser Landstrich bemerkenswertes.

Günter Kunert: Die Grüne Heide. Zur Geschichte des Rüdersdorfer Forstreviers, seiner Besiedlung und seiner Bewohner. 1. Auflage 2005. 156 S. mit zahlr. Abb. Paperback. Format 14 x 20,5 cm.
Preis 10,50 Euro       ISBN 978-3-933416-64-3








aus dem Inhalt Günter Kunert: Die Grüne Heide



Wald und Gewässer zwischen Barnim und Müggelspree


In der Heide gegen Ende der vorgeschichtlichen Zeit
Der urwüchsige Wald
Von den ersten Anwohnern

Die Markgrafen, die Mönche, die Bauern – die Heide im Mittelalter
Die Heide im 16. und 17. Jahrhundert
Von kurfürstlichen Jägern und ihren Jagdhäusern
Von den ersten Heidebewohnern in der Neuzeit
Die Grüne Heyde
Die Fischer, Heideläufer und anderen Bewohner des Arckenow / Erkenau
Alte Hausstelle, Hohenbinde, Jägerbude
Von Seyfertslache und Sieverslake
Der Irrtum mit Storkowfort
Der Bercken- oder Birkenwerder
Aus Monikwinckel wird Mönchwinkel
Die Kleinwaller Schneidemühle
Die Menschen verändern das Waldbild- und den Waldzustand

Die Heide und die Heideleute des 18. Jahrhunderts
Wild und Jagd im 18. Jahrhundert
Zunehmende Holzeinschläge, unzureichende Walderneuerung
Heidereiter, Heideläufer und andere Forstbedienstete
Forstedikte Friedrich Wilhelms I und Friedrichs II
Vom Bevölkerungszuwachs im 18. Jahrhundert
Büdner, Hausleute und Einlieger
Die Holzschläger
Die Teerschweler
Die Kolonisten
Die Kleinbüdner an den Heideseen
Die Ziegelei am Kalksee
Von den drei kleinen Vorwerken
Von den „Praestationes“ der Heideleute
Von den Schankkrügen in der Heide
Die Alte oder Berliner Poststraße

Vom Entstehen einer geregelten Forstwirtschaft im 19. Jahrhundert
Der Waldzustand um die Jahrhundertwende
Von den Förstern und vom Försterleben

Von den Heidegemeinden im 19. Jahrhundert
Die Wohnplätze und ihre Bewohner
Vom Gemeindeleben
Von den Dorfschulzen
Von den Schulen und den Schulhaltern
Die Heidegemeinden gehen eigene Wege

Ein Rückblick auf das 20. Jahrhundert

Die Rüdersdorfer Heide auf einer Karte von 1775


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Leseprobe Günter Kunert: Die Grüne Heide


Die Kleinwaller Schneidemühle

Im Jahr 1662 erteilte Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, einem Johan Schlund und einem Johan Behrens die Konzession, bei Kleinwall eine Schneidemühle aufzubauen ... Die beiden durften „ganz frey ohne Bezahlung“ soviel der „besten Bäume“ dem Wald entnehmen, wie sie für den Aufbau der Schneidemühle benötigten und fernerhin zu Brettern einschneiden wollten; nur die Hälfte des sogenannten Stammgeldes mußten sie zahlen. Es betrug einen Silbergroschen und sechs Pfennige pro Stamm. Ausdrücklich ist festgehalten, daß ihnen der Oberförster die besten Bäume kennzeichnen (anschlagen) sollte, die ihnen, also der Schneidemühle, am nächsten und gelegensten waren.

Allerdings mußten sie – und das war doch eine Bezahlung – die Hälfte aller eingeschnittenen Tischler- und Schalbretter kostenlos dem Kurfürsten geben, und wenn andere ihr Holz, gleich wo es herkam, in der Mühle schneiden ließen, stand dem Kurfürsten die Hälfte des zu zahlenden Schneidelohnes sowie die Hälfte der Schalbretter zu. So schlecht war das Geschäft also für den Kurfürsten auch nicht ...


Heidereiter, Heideläufer und andere Forstbedienstete

...Versuchen wir uns ein Bild vom Leben der niederen Forstbediensteten des 18. Jahrhunderts zu machen, die wohl im Ansehen nicht sehr hoch standen. ... Ihnen wurde vorgeworfen, daß sie es mit der Lebensmoral nicht so genau hielten, daß sie in den Krügen übermäßig trinken würden und daß sie bestechlich wären, Letzteres wäre in Anbetracht ihres mehr als geringen Salärs so verwunderlich nicht ...

Um sich nähren zu können, zumal dann, wenn sie eine Familie gründen durften und unterhalten mußten, betrieben die Forstbediensteten eine Landwirtschaft. Um das Jahr 1730 bewirtschafteten der Heideläufer Werck 27 Morgen, der Heideläufer Schwadtke 28 Morgen und der Heideläufer Matthis Krüger 8 Morgen Land. So waren diese Heideläufer zugleich Landwirte. Von ihnen, wie von den späteren Unterförstern wurde vorausgesetzt, daß sie sich einen beachtlichen Teil ihres Jahreseinkommens aus der eigenen Acker- und Viehwirtschaft erwirtschafteten. Ja, sie hielten sogar Knechte und Mägde; so beschäftigte 1798 der Unterförster am Kagelluch ein Dienstmädchen und einen Knecht ...

Auf sich allein gestellt lebten die Heideläufer des Amtes Rüdersdorf inmitten der Heide. Nach Rüdersdorf, dem Amtsitz, waren es für die am Spreebord rechtsseitig der Spree wohnenden mindestens zwei bis drei Stunden Fußweg. Pferd und Wagen besaßen sie wohl kaum oder höchst selten. Die nächstgelegenen Dörfer lagen jenseits des Flusses. Wollten also die Heideläufer von ihnen von Storkowfort oder Hohenbinde nach Hartmannsdorf, Wernsdorf oder Spreenhagen, hatten sie nicht nur mehrere unwegsame Kilometer zum Teil über Wiesen und durch Gebüsch zurückzulegen. Zuerst war die Spree zu überqueren, die im Winter oft unpassierbar war und oft bis weit in den Sommer die Wiesen großflächig überschwemmte.
Erkrankte ein Familienmitglied, musste man sich selbst helfen. Das Brot wurde in eigenen Backöfen selbst gebacken und man ernährte sich sicher überwiegend von Feld, Garten und selbst gehaltenem Vieh ...



Die Teerschweler

Die Teerschwelerei, auch Teerbrennerei genannt, ist ein altes Handwerk ... Teer, geschwelt aus alten Kiefernstubben (Kienstubben), und Pech, gesiedet aus dem erschwelten Teer, wurden als Schmiermittel für die hölzernen Wagenachsen, als Konservierungsmittel, als Schiffspech für das Abdichten der Schiffe, als Schusterpech, Kienöl für den Betrieb von Pechleuchten, ja, Pech und Kienöl, selbst als Arzneimittel verwendet. Schiffspech – wegen seiner Aufbewahrung in Tonnen – Tonnenpech genannt wurde aus Preußen nach Hamburg, zeitweilig sogar bis Holland und England geliefert.

Das Ausschwelen des Teers aus den Kienstubben erfolgte in großen Teeröfen, zylinderförmig sich kegelartig nach oben zu verjüngenden Ziegelbauten, in denen sich die Ofenhitze stauen konnte. Durch eine obere und eine untere Öffnung ließ sich das zerkleinerte Stubbenholz einschichten. Umgeben waren die Öfen von einer Brennkammer, die nach innen zum Ofen und nach außen ins Freie von je einer Mauer umfasst wurde. Nachdem der Ofen mit dem Kienholz gefüllt war, wurden die beiden Ofenöffnungen zugemauert, die Kammer mit Brennholz gefüllt und dieses angezündet.

Das brennende, wohl mehr schwelende Brennholz – der Vorgang dauerte an die 48 Stunden – trieb im Ofen das Harz aus dem Kien, wobei das Holz zu Holzkohle verschwelte. Am Fuß des Ofens sammelten sich die Schwelprodukte in einer Vertiefung und flossen durch ein sogenanntes „Räumgen“ nach außen, wo sie in einem Behälter aufgefangen wurden. Manche Teerschweler siedeten in einem zweiten Vorgang aus einem Teil des Teers Pech.
Teer und Pech wurden in Tonnen (Fässer) verfüllt. Und so gab man als Leistungs- wie auch als Verkaufsmaß Tonnen an, nicht zu verwechseln mit dem heutigen Massenmaß Tonne (t). Eine Tonne alten Maßes sollte 100 Quart enthalten. Ein Quart entsprach 1,145 Liter.

Die Teeröfen wurden in der Nähe von Gewässern angelegt. Das hatte nicht nur den Vorteil, daß für den Versand der Schwelprodukte der Transport auf dem Wasserweg möglich war, denn die meisten Landstraßen damaliger Zeit waren noch unbefestigte Wege und in einem sehr schlechten Zustand. Die Nähe des Wassers verminderte auch, wegen der besseren Möglichkeit einen Brand zu bekämpfen, die Gefahr, daß sich von der Schwelerei aus ein Waldbrand ausweiten konnte. Und obwohl der Wald damaliger Zeit durch Waldbrände vielleicht weniger gefährdet war als der Wald heute, wurden Waldbrände doch sehr gefürchtet.
In der Rüdersdorfer Heide sind Teerschweler mindestens seit 1704 ansässig gewesen ... Aus alten Akten und Karten ist zu entnehmen, daß der Teerofen in Mönchwinkel unweit der Spree etwa westlich des noch heute vorhandenen Wasserpegels stand; südlich neben der Einmündung des heutigen Mittelwegs in die Dorfstraße lag das Gehöft des Teerschwelers.

Der Grünheider Teerschweler hatte sein Grundstück am Nordufer des Werlsee, gelegen, etwa 200 bis 300 Meter westlich der heutigen Einmündung der Rathenau- in die Thälmannstraße, der Teerofen stand am Waldweg nach Rüdersdorf, etwa schräg gegenüber wo sich heute der Marktplatz befindet. Der Teerofen des Teerschwelers von Sieverslake befand sich dort vermutlich nahe der Spree.

Den größten Teerofen hatte der Teerschweler von Sieverslake in Pacht. Nur halb so groß waren die Teeröfen der Teerschweler von Grünheide und Mönchwinkel. Noack auf Sieverslake erschwelte am Beginn des 18. Jahrhunderts jährlich um die 50 „Tonnen“, Lehmann auf Mönchwinkel etwa 24 „Tonnen“ und Vilitz auf Grünheide ungefähr 36 „Tonnen“ Teer. Pech siedeten zu dieser Zeit nur Noack und Lehmann.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Teerschwelerei in der Rüdersdorfer Heide eingestellt. Nicht nur, daß die Kienstubben und überhaupt das Holz rar geworden waren. Die Technische Entwicklung hatte mit chemischen Produkten diesen alten Produktionszweig überflüssig gemacht. Bliebe noch hinzuzufügen, daß die Teerschwelerei durch das Ausroden der Stubben für die Forstwirtschaft einen nützlichen Nebeneffekt gebracht hatte, denn an den Stellen, wo die Stubben entnommen worden waren, war der verwundete, vom Gras befreite Waldboden ein vorteilhaftes Saatbett für die Forstsämereien ...



Die Alte oder Berliner Poststraße

Von Berlin kommend an Köpenick und Rahnsdorf vorbei führte im 18. Jahrhundert von Erkner ein breiter Waldweg durch die Rüdersdorfer Heide zum Störitzsee, bog dort nach Nordost und wechselte in Höhe der Wulkowschen Wiese, genannt die „Große Wulcke“, in die Hangelsberger Heide, von wo aus er weiter nach Fürstenwalde und über fernere Zwischenstationen nach Frankfurt an der Oder führte. Über diesen Weg verlief im 18. und 19. Jahrhundert der preußische „Hauptpostcours Nr. 7“ von Berlin über die vorgenannten Städte und viele weitere Stationen bis nach Breslau. Seit dem Jahr 1711 führte eine ständige Postlinie über diesen Weg von Berlin nach Frankfurt. Zweimal in der Woche, fuhr hier die Postkutsche. In Erkner gab es eine Posthalterei und einen Krug, und hier wurden auch die Pferde gewechselt. Doch nicht nur die „planmäßige“ Post verkehrte auf der Alten Poststraße, auch Extrapostkutschen nahmen diesen Weg ...

Es war am 20. Juli des Jahres 1783. Der Unterförster Lillinger, vermutlich der von Hohenbinde, war auf einem Reviergang. Irgendwo zwischen Erkner und dem Störitzsee wird es gewesen sein, wo er auf einem Waldweg eine Postkutsche fahren sah, wohlgemerkt, nicht auf der Poststraße, so jedenfalls berichtete es Unterförster Lillinger. Wahrscheinlich hatte der Postillion eine Abkürzung gewählt oder er wollte seinen Reisegästen die Erschwernisse des Durchrüttelns und der Sommerhitze erleichtern.

Das Befahren von Waldwegen außerhalb der Poststraße durch Postkutschen war jedoch unerwünscht und verboten. Darum sollten solche Waldwege auch auf geeignete Weise, etwa durch Anbringen von Strohwischen oder durch Vergraben, wie es hieß, gekennzeichnet sein. Unterförster Lillinger ließ den Postillion – in unserer wahren Geschichte Fuhrknecht genannt – halten. Wir wissen nicht, welchen Disput der Unterförster mit dem Fuhrknecht führte, überliefert ist aber, daß Lillinger dem Fuhrknecht ein Pferd pfändete, gewissermaßen als Bestrafung für das verbotene Befahren des Waldweges. Dem Fuhrknecht bedeutete er, daß der Besitzer des Pferdes selbiges für einen Taler Pfandgeld und Futtergeld beim Amt in Rüdersdorf einlösen könne.

Der Vorgang hatte nun ein Nachspiel. Der Besitzer des Pferdes und auch die Post waren mit der Pfändung keineswegs einverstanden und bestritten dem Forstbedienten das Recht, das Pferd pfänden zu dürfen. Als einen Grund gaben sie an, daß der Fuhrknecht keineswegs einen verbotenen Weg gefahren sei, denn jener Weg wäre nicht durch Strohwische oder Vergraben gekennzeichnet gewesen, was die Reisenden bestätigten.

Die Auseinandersetzungen zwischen den Beteiligten und den zuständigen Ämtern zogen sich einige Zeit hin. Schließlich wurde ein „salomonisches“ Urteil gefällt: Der Förster Schlesinger vom Amt Rüdersdorf wurde wegen unberechtigter Pfändung verurteilt, 10 Taler Strafe zu zahlen, und der Fuhrknecht musste wegen Befahren eines verbotenen Weges für 2 Tage ins Gefängnis. Also hielt man beide für schuldig. Es ist anzunehmen, daß den Förster die 10 Taler Bestrafung härter trafen, als den Fuhrknecht seine 2 Tage Gefängnis, denn das Jahressalär des Försters betrug damals noch nicht einmal ganz 100 Taler

Soweit von einem Vorgang, der sich tatsächlich ereignet hatte und der beurkundet ist. Nicht ganz so verhält es sich mit der Sage vom Störitzsee. Sie wird wie folgt erzählt:
Schon in alten Zeiten – und das stimmt – stand an der Poststraße, dort wo sie dem Störitzsee am nächsten kommt, ein Schankkrug. Dort erfrischten sich die Reisenden der Postkutschen, und der Schankkrüger machte seine Geschäfte. Doch einem der Krüger war das nicht genug. Er verstand es, den einen und anderen Reisenden mit scheinheiligen Reden und vielen Getränken zu berauschen und zum Übernachten zu veranlassen. Wenn die Postkutsche abgefahren war und der Reisende seinen Rausch ausschlafen wollte, schlich der Wirt in das Zimmer des Gastes, raubte ihn aus und brachte ihn um. Dann versenkte er den Toten in ein Verließ, das mit dem Störitzsee Verbindung hatte, wo der Umgebrachte vermodern sollte.

Doch der Krug geht solange – na ja, das ist ja bekannt; denn eine Berliner Kaufmannsfrau, deren Ehegemahl vor langem auf Reisen gegangen, aber von dieser Reise nicht zurückgekommen war, ging eines Tages in Berlin-Strahlau auf den Fischmarkt. Dort kaufte sie einen großen Hecht, vielleicht weil sie Besuch erwartete. Als sie den Hecht zu Hause ausnahm, um ihn zuzubereiten, fand sie in seinem Magen ein glitzerndes Etwas. Und siehe da, es war ein Ring, und nicht irgend ein Ring, sondern der Ring – daran erinnerte sie sich noch gut – den ihr Mann getragen hatte, als er auf die Reise ging, von der er nicht zurückkam. Der Hecht hatte Finger und Ring gefressen.

Nun dauerte es nicht mehr so lange, bis der Schankkrüger überführt war und zur Verantwortung gezogen werden konnte. Ob diese Sage außer dem Schankkrug am Störitz und den Postkutschen samt Reisenden einen wirklichen Hintergrund hat, muß allerdings offen bleiben.

Bleibt noch zu erwähnen, daß, als 1842/43 die Niederschlesisch-Märkische-Eisenbahnlinie in Betrieb genommen worden war, die Alte Poststraße ihre Funktion als Postweg und überhaupt an Bedeutung verlor.



Von den Schulen und den Schulhaltern

Als erster Ort in der Rüdersdorfer Heide hatte Grünheide einen ortsansässigen Schulhalter ... Das vom Schulhalter in Grünheide bewohnte Haus, in dem er auch unterrichtete, stand am Werlsee, zu vermuten etwa dort, wo sich, bis zur Einrichtung der heutigen Gerhardt-Hauptmann-Schule „vor den Toren“ von Grünheide, die Grünheider Schule befand, heute das Kulturhaus „Robert Havemann“.

... Rostosky, der schon seit 1756 im Schuldienst tätig gewesen war, wollte allerdings gern von Grünheide weg, betrachtete seinen Aufenthalt in Grünheide als sein Unglück und schrieb deswegen: „... weil ich solches ehemahls als Praeceptor in Friedrichs Hospital nebst freyer Station 10 Jahr genoßen habe, ehe ich das Unglück erlebte nach Grünheide zu gelangen“

Er war Witwer, krank und gebrechlich in seinen letzten Dienstjahren, konnte sich wegen seines dürftigen Gehaltes keine Haushälterin und keinen „Adjuncten“zu seiner Unterstützung halten, weil sein Einkommen nicht reichte, diese zu bezahlen. Die Gemeinde scheint ihn wenig unterstützt zu haben, wenn er beispielsweise klagte, daß er nicht wisse, wie er zu Brennholz für den Winter käme, welches er sich wegen seiner körperlichen Schwäche nicht selbst im Wald beschaffen könne.

Die Spreebordbewohner hatten schon 1802 beantragt, für ihre Kinder am Spreebord eine eigene Schule einzurichten, doch sollten noch lange 8 Jahrzehnte ihre Kinder in Schulen gehen, die jenseits der Spree in Neuzittau, Althartmannsdorf und Kirchhofen lagen. So beklagte sich um 1830 der Unterförster Clausius von Storkowfort bitter und des öfteren darüber, daß er nicht die Möglichkeit hätte die schulpflichtigen seiner acht Kinder regelmäßig in eine Schule zu schicken, weil die nächstgelegene Schule in Hartmannsdorf nicht nur weit entfernt, sondern, weil jenseits der Spree gelegen, darum nicht regelmäßig erreichbar wäre ...

Die Schule der Altmönchwinkler Kinder war die von Kirchhofes, jenseits der Spree. Weil für diesen Schulbesuch die Kinder täglich zweimal mit einem Kahn über die Spree übergesetzt werden mußten, was aufwendig, auch nicht immer ungefährlich war und die Eltern zusätzlich zum Schulgeld Fährgeld kostete, wollten die Mönchwinkler Eltern ihre Kinder nach Hangelsberg in die Schule schicken, die sich die Hangelsberger 1830 aufgebaut hatten ...
Um 1810 war ein Daniel Wilde Schulhalter in Kirchhofen. Aus seiner Tätigkeit als Schneider verdiente er jährlich 30 bis 40, als Schulhalter von 22 Kindern etwa 22 Reichstaler ...

Um 1828 war ein Lampe in Kirchhofen Schulhalter. Von ihm wurde anlässlich einer Schulvisitation berichtet, daß er in einer sehr armseligen Lage lebe, was nicht zuletzt auf seine Wohn- und Lehrbedingungen zutraf. Das Schulzimmer war zugleich Wohnstube, Schlafstube, Krankenstube und Küche. Das Schulhaus soll in Kirchhofen das Haus mit dem schlechtesten Bauzustand gewesen sein.
Vom Lehrer Lampe ist überliefert, daß er die Kinder gut unterrichtet habe, währenddessen vom Daniel Wilde nach der Visitation im Jahr 1810 berichtet worden war, daß er noch selbst der "Nachhülfe“ im Rechnen und Schreiben benötige ...









Rezensionen Günter Kunert: Die Grüne Heide



Auf der grünen Heide

Selbst Theodor Fontane fand sie nur mäßig interessant – die Rüdersdorfer Heide mit ihren schlanken Kiefern, den erlengesäumten Flüsschen und den Spreeauen. Hier gab es zur Zeit seiner Wanderungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weder die von ihm so gern beschriebenen Herrensitze noch sehenswerte Kirchen oder stolze Bauerndörfer. Ganz in der Nähe der Großstadt Berlin blieben die 24 100 Hektar zwischen der Müggelspree und dem Barnim dünn besiedelt von Menschen, die sich im kurfürstlichen und königlichen Dienst mühselig durchs Leben schlugen.

Verändert haben diesen märkischen Landstrich erst die letzten Jahrzehnte, als die stadtflüchtigen Berliner verstärkt in Rüdersdorf, Erkner und Grünheide siedelten. Die Heide büßte an Flächen ein durch den Bau von Autobahnen, Landstraßen und Gewerbegebieten. Breite Schneisen für Versorgungsleitungen durchschneiden den Wald.

Günter Kunert sieht die Zukunft der „xGrünen Heide“ skeptisch. Gerade deshalb will der Forstmann die Geschichte des Rüdersdorfer Reviers, seiner Besiedlung und seiner Bewohner für kommende Generationen festhalten. Mit Akribie forscht er dafür in seinem Buch „Die Grüne Heide“ der Entwicklung in diesem stillen Winkel bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts nach.

Dem Wald gilt dabei natürlich seine besondere Aufmerksamkeit, aber der Autor vermag dem Leser auch zu vermitteln, was der Kampf ums Überleben den Fischern, Heideläufern, Holzschlägern, Teerschwelern, den Kolonisten, Büdnern, Schankwirten, Dorfschulzen und Schulhaltern abverlangte. Der Leser der im Jacobsdorfer Verlag Die Furt erschienenen Publikation wird in Zukunft bei der schnellen Fahrt per Bahn oder Auto den vorbeifliegenden Kiefernwald sicherlich mit anderen Augen sehen.
Anni Geisler, Brandenburger Blätter vom 23.06.2006





Mönchwinkler Forstmann hat über den Wald und seine Besiedlung ein Buch geschrieben
Günter Kunert liebt den Wald und die Menschen seiner Heimat. Auch deshalb hat der Forstmann ein Buch geschrieben. Es trägt den vieldeutigen Namen „Die Grüne Heide“. Zwischen den Buchdeckeln verbirgt sich auf gut 150 Seiten mehr als ein Biologieunterricht über die Baumflächen zwischen Erkner, Grünheide und Hangelsberg. Denn Kunert stellt nicht nur den Wald, sondern auch seine Besiedlung in den vergangenen Jahrhunderten vor: „Die Grüne Heide“ ist auch ein Stück Heimatgeschichte.

Schon vor zwei Jahren hatte sich Günter Kunert (76) als Schriftsteller betätigt. „Mönchwinkel, ein Beitrag zur Ortsgeschichte“, hieß sein erstes Buch. Jetzt wagt er sich an ein größeres Gebiet. Die einst „Grüne Heide“ genannte Fläche umfasst das Waldareal des heutigen Forstamts Erkner – vom Berliner Rand im Westen, der Spree im Süden, Rüdersdorf im Norden bis zum Hangelsberger Forst im Osten.

xMein Buch soll auch eine Verteidigung dieses Waldes seinx, sagt Günter Kunert. Er beginnt mit den ursprünglichen Urwäldern, die sich entlang Spree und Löcknitz ausdehnten, und geht Kapitel für Kapitel auf die Veränderungen durch die Menschen ein. Verflochten ist das mit der zunehmenden Besiedlung der Region.

Bisweilen geht er spannenden Fragen nach. Beispielsweise, ob im 16. Jahrhundert auf der Lindwallinsel im Grünheider Werlsee ein Jagdschloss des Kurfürsten Joachim II. Stand. Vorsichtig wägt er Indizien ab, das Ergebnis bleibt für ihn offen. „Bisher lässt sich wohl nur vermuten, dass dort ein kurfürstliches Jagdhaus gestanden haben könnte“, schreibt er.

Der Name „Grüne Heide“ (anfangs „Gryne Heyde“) taucht nach Kunerts Recherchen schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf, der „mit Sicherheit abgeleitete“ Ortsname Grünheide findet sich dagegen erst im 18. Jahrhundert dokumentiert.

Von „Holzschlägern“ und „Teerschwelern“ berichtet der Mönchwinkler, er stellt die „Heideläufer“ und die „Heidereiter“ vor – wie die Förster einst genannt wurden. Stetig pendelt er zwischen der Geschichte der Menschen und ihrem Einfluss auf den Wald. „Ich wollte darstellen, was die Forstwirtschaft über Jahrhunderte geleistet hat.“

Ein Vorurteil sollte, so Kunert, ausgeräumt werden: Die monotonen Kiefernwälder seien keineswegs ein Relikt der DDR-Forstwirtschaft. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden in der intensiv genutzten Heide „die für Brandenburger Verhältnisse an Rohholz reichen Kiefernbestände“, heißt es im Buch. Ein Vorwurf sei den damaligen Forstleuten nicht zu machen: „Der Wald ist nicht zuletzt ein Abbild der jeweiligen ökonomischen, der gesellschaftlichen Situation (...) und darum eben nur aus der jeweiligen Zeitgeschichte zu verstehen.“ Heute den Wald wieder in den Zustand wie vor 300 Jahren bringen zu wollen, sei eine Illusion, fügt er hinzu. Außerdem habe sich die Waldbewirtschaftung der vergangenen zwei Jahrhunderte durchaus bewährt.

Monatelang hat Günter Kunert im Brandenburgischen Landeshauptarchiv Potsdam recherchiert, hat alte Karten in der Staatsbibliothek Berlin studiert oder sich durch historische Dokumente im Fürstenwalder Museum gelesen. „Gerade bei handschriftlichen Eintragungen ist das manchmal zum Verzweifeln“, erklärt er. Das Schreiben selbst nehme vergleichsweise wenig Zeit in Anspruch. Auch wenn das Buch Mitte des 19. Jahrhunderts endet, denkt der Hobby-Historiker in seiner Schlussbetrachtung bis in die Gegenwart, und findet kritische Worte zum Umgang mit der „Grünen Heide“. Die immer noch voranschreitende Zersiedlung und die Zerschneidung mit Straßen bedeuteten gravierende Einschnitte im Waldgefüge.

Das riesige Gewerbegebiet Freienbrink nennt er als ein Beispiel. „Zuviel wird unüberlegt gemacht.“ Vielleicht, so hofft Günter Kunert, könne er mit seinem Buch ein „klein bisschen Einfluss nehmen, dem Wald die ihm entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken.“
Michael Nowak, Märkische Oderzeitung 11./12. März 2006








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