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aus dem Inhalt Günter Kunert: Die Heideleute
Die Häuser der Heideleute
Die überwiegende Zahl der Wohnhäuser der Heide des 18. Jahrhunderts, wahrscheinlich sogar noch längere Zeit im 19. Jahrhundert, waren die eingeschossigen, nicht unterkellerten, schilf- oder strohgedeckten Büdnerhäuser aus Lehmfachwerk oder auch nur aus gestampftem Lehm mit Wohngrundflächen von oft weniger als 100 Quadratmetern. Auf den Heidesand verlegte Holzbalken ersetzten das Fundament. Der brandgefährdete Schornstein war eine nach unten offene Esse aus Holz über den Herd.
Beispielhaft dafür das im Jahr 1792 abgebrannte und wieder aufgebaute Wohnhaus des Kolonisten Schneider bei Sieverslake am Spreebord. Es hatte eine Wohngrundfläche von etwa 87 Quadratmetern, war unterteilt in einen kleinen Flur, eine kleine Küche, eine größere und eine kleine Stube, die eher ein Stübchen und als Altensitz gedacht war, und zwei Kammern, davon die eine offen zur Küche. Der Herd in der Küche hatte wahrscheinlich noch den erwähnten offenen Rauchabzug.
Von der Küche wurden die Zimmer indirekt mitbeheizt. Einen gesonderten Ofen, vermutlich aus Kalk- oder Ziegensteinen gemauert, hatte die große Stube, alle anderen Zimmer waren ohne gesonderte Heizung. Die große Stube maß 25,2 Quadratmeter, die kleine Stube, als Altsitz bezeichnet, 12,6 und die große Kammer 10,2 Quadratmeter. Es versteht sich von selbst, dass diesem Haus, wie den anderen Büdnerhäusern jeglicher Komfort, wie wir ihn verstehen, fehlte. Frisches aber nur kaltes Wasser aus dem Hofbrunnen, der Abtritt auf dem Hof, das war der Standard.
Im Schneiderschen Haus wohnten 1792 zwei Ehepaare und die Frau des Vorbesitzers, die Mutter zwei der Ehepartner. Mithin fünf Erwachsene und, wie anzunehmen, Kinder der beiden Ehepaare wohnten in dem Haus. Vier Kinder insgesamt dürften eher zu wenig als zu viel gerechnet sein. Die Bewohnerzahl des Schneiderschen Hauses auf Sieverslake entsprach vermutlich dem Durchschnitt von neun Personen. Knapp zehn Quadratmeter Wohnraum, Küche und Flur einberechnet, kamen rechnerisch jedem zu, in der großen Stube knapp drei Quadratmeter, vorausgesetzt die beiden Ehepaare hatten insgesamt nur vier Kinder.
Von der Bildung und Lebensart der Heideleute
Die Bildung der Heideleute beruhte in der Hauptsache auf ihren Lebenserfahrungen und die ihrer Vorfahren. Ihre Schulbildung war gering. Wenn es dann Schulen bzw. Schulhalter gab, ging es vielen wie dem Schulhalter Daniel Wilde in Kirchofen, der auch für die Heidekinder von Mönchwinkel zuständig war. Von ihm wurde berichtet, dass er selbst der Nachhülfe bedürfe. Er betrieb neben der Schulhalterei eine Schneiderprofession, oder sollte man nicht besser sagen neben der Schneiderprofession betrieb er die Schulhalterei?
Unterricht gab es, wenn überhaupt, nur im Winter. Im Sommerhalbjahr mussten die Kinder den Eltern bei der Arbeit helfen. Entsprechend war die Bildung, der Kinder und der Erwachsenen.
Auf einem Holzliefervertrag* mit der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin 1779 unterschrieben 37 Heideleute, elf von ihnen mit ihren Namenzug aber 26 mit drei Kreuzen.
Nicht wenige meinten wahrscheinlich, dass Schulbildung für sie ohne oder doch von nur geringer Bedeutung sei. Was konnten sie damit auch schon anfangen? Waldarbeit, Acker- und Viehwirtschaft erforderten nach damalig vorherrschender und nicht nur nach Meinung der Heideleute keine Schulbildung. Bei Morgengrauen begann der Tag mit schwerer Arbeit im Wald, im Garten, auf dem Acker oder der Wiese und mit dem Vieh und endete für Mann und Frau und Kind spät abends. Der Erwerb reichte für viele gerade einmal, um von der Hand in den Mund zu leben. Die Kinder mussten mitarbeiten. Lesen? Einige wenige konnten und taten es im Gesangbuch oder im Katechismus, vielleicht in der Bibel.
Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts taten nicht wenige Heidefamilien Lesen als "Schmökern" ab. Wer schmökerte kam in den Verdacht, der Arbeit aus dem Weg gehen zu wollen.
(* Abb. aus BLHA, Rep 5 B Justizamt Rüdersdorf Nr. 3)
Die Geschichte der Unterförsterei und der Unterförster beim Kaberluch
Kaberluch* hieß ein Moor, das sich einst etwa einen Kilometer nordöstlich von Altbuchhorst, zwischen dem Weg nach Kagel und dem Möllensee erstreckte. Im 19. Jahrhundert wurde es durch den Torfabbau geschädigt, in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts endgültig zerstört. Südlich beim Kaberluch ließ der preußische Forstfiskus, vermutlich schon im 18. Jahrhundert, eines der ersten hiesigen Forsthäuser bauen.
Die Heideläufer waren die Vorläufer der Unterförster, wie ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Förster betitelt wurden. Doch waren die Heideläufer weder in ihren Pflichten noch in ihren Rechten mit den späteren Unterförstern gleich. So ist von den Heideläufern der Rüdersdorfer Heide überliefert, dass sie im kurfürstlichen bzw. königlichen Wald Holz schlugen und es mit ihren Zugochsen zu den Wasserablagen an Spree und Löcknitz transportierten.
In der Rüdersdorfer Heide lebten sie in selbsterbauten Häusern und ihre Einnahmen aus der Heideläufertätigkeit waren mit Beträgen zwischen sechs und zehn Reichstalern jährlich viel zu gering, als dass sie davon ihren Lebensunterhalt hätten bestreiten können.
Beginnend in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts werden in der Rüdersdorfer Heide Unterförster eingesetzt. Sie waren königliche Beamte, hatten eine praktische Forstausbildung absolviert, bei den königlichen Jägern gedient und waren Förster nicht mehr nur im Nebenamt.
Doch das Gehalt eines Unterförsters betrug in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts nur 120 Reichstaler jährlich. Zur dessen Aufbesserung gehörten zu den Forstdienstgehöften darum Dutzende Morgen Acker und Wiesen, so viel, dass sich manche Unterförster für deren Bewirtschaftung einen Knecht oder auch eine Magd hielt, so auch der Unterförster am Kaberluch.
Im Forsthaus Kaberluch war am 24. Februar des Jahres 1808 der Amtsinhaber, Unterförster Dietrich, kinderlos verstorben. Am 5. März erfolgte die Amtsübergabe an seinen Nachfolger, den aus Südpreußen herbeigerufenen Hegemeister Westphal. Ihm wurde, neben Akten, Dienstanweisungen und einem Hirschfänger mit Koppel, auch das Forstdienstgehöft mit seinen Bauten übergeben.
Mit preußischer Gründlichkeit war vom Bauinspektor Krause darüber ein Protokoll gefertigt worden. Mit diesem Protokoll überlieferte uns Krause eine recht ausführliche Beschreibung der Bauten eines Forstdienstgehöftes damaliger Zeit.
Das Försterwohnhaus war ein schilfrohrgedeckter Lehmfachwerkbau: 40 Fuß lang, 25 Fuß breit und acht Fuß hoch, hatte mithin eine Grundfläche von 98,6 Quadratmetern, eine für heutige Vorstellungen eher bescheidene Wohnfläche. Gering aber erträglich mit 2,51 Meter die Höhe der Zimmer.
Das Haus hatte zwei Stuben, davon eine mit Alkoven, eine Kammer sowie Flur und Küche. Die eine Stube und der Alkoven hatten zweiflügelige bleiverglaste Fenster, die mit Fensterläden versehen waren. Die zweite Stube und die Kammer hatten Schiebefenster, ebenfalls mit Fensterläden ausgestattet. Nur die Küche war unterkellert.
Eine Haustür ging nach vorn zum Weg hinaus, eine zweite führte zum Hof. Die Haustür zum Weg war oberhalb geschmückt mit einem Fenster aus blaufarbenem Glas. Beide Stuben, der Alkoven, die Kammer und der Flur waren gedielt, damals keineswegs selbstverständlich.
Die Stube mit dem Alkoven hatte einen Kachelofen, die andere einen Ofen aus Mauersteinen. Rauch und Feuer der Öfen und vermutlich auch des Küchenherdes wurden schon in eine steingemauerten Esse, in einen Schornstein, geleitet. Auch das war noch keine Selbstverständlichkeit in damaliger Zeit in der Heide, waren doch die brandgefährdeten Schornsteine der Wohnhäuser in der Regel noch aus lehmbestrichenem Holz.
Das Wohnhaus des Unterförsters am Kaberluch in der zweiten Hälfte des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts dürfte der Försterfamilie ein für damalige Verhältnisse angenehmes Wohnen geboten haben, wesentlich angenehmer im Vergleich zu den Wohnhäusern der meisten Heideleute, wie dem des Kolonisten Schneider am Spreebord bei Sieverslake, das eher den damaligen Standard in hiesiger Heide verkörperte.
Auf dem Hof der Unterförsterei standen als Fachwerkbau und ebenfalls mit rohrgedecktem Dach eine Scheune, größer als das Wohnhaus, ein lehmgebauter Kuhstall und ein Pferdestall, von etwa gleicher Länge und Breite wie das Wohnhaus, ein kleiner Stall für das Federvieh und der Abtritt. Den Geflügelstall und den Abtritt hatte sich Unterförster Dietrich auf seine Kosten gebaut, wie er sich auch die Fensterläden zum Wohnhaus auf eigene Kosten hatte anfertigen lassen.
Aus einem Brunnen auf dem Hof mit einer hölzerner Röhre, eiserner Zugstange und hölzernem Schwengel versorgten sich das Försterehepaar und sein Gesinde mit frischem Wasser. Solche "Pumpen", wie in unserer Gegend diese Brunnen genannt wurden, waren noch bis weit ins 20. Jahrhundert in unseren Heidesiedlungen in Gebrauch.
Zum Forsthaus Kaberluch gehörte auch ein Backofen. Weitgehende Selbstversorgung war äußerst zweckmäßig, weil das Forsthaus weitab der Siedlungen und Dörfer stand. Erst an die zweihundert Jahre nach dem Entstehen des Forsthauses, als es aber schon längst nicht mehr existierte, entstand in dieser Gegend die Siedlung Finkenstein.
Zur Übergabe des Amtes, der Immobilie und des Inventars an den neuen Amtsinhaber waren vom Amt Rüdersdorf Aschke, der Lehnschulze von Kienbaum und die hinterbliebenen Angehörigen des Verstorbenen: seine Witwe, sein Vater, ein pensionierter Unterförster, und seine zwei Schwestern eingeladen worden. Es ging schließlich auch um das Erbe, das Dietrich hinterließ. Um es vornweg zu sagen: es war ein sehr bescheidenes Erbe, weshalb wohl auch seine Schwestern von vornherein auf ihren Anteil verzichteten.
Die Auflistung des Erbes beginnt mit der Feststellung, dass der Verstorbene seinen Hinterbliebenen kein Bargeld, kein Gold, kein Silber, kein Kupfer, kein Messing und kein Zinn hinterlassen hätte. Dann folgen in der Liste die Inventarien mit ihren geschätzten Werten:
Rezensionen Günter Kunert: Die Heideleute