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AutorenKontakt750 Jahre Frankfurt (Oder)antiquarische Bücher

Frankfurter Jahrbuch 2002

Frankfurt (Oder) – Straßen, Wege und Plätze in ihrer historischen Entwicklung
Im sog. "Türkensteuer Register" aus dem Jahre 1567 finden sich erstmals Bezeichnungen für die Gassen in Frankfurt an der Oder. Die Erinnerung an verschiedene Handweksgewerbe hat sich in den Straßennamen bis heute erhalten. Mitte des 18. Jh. begann die Ausschilderung der Straßen. Ab Mitte des 19. Jh. und nach dem I. Weltkrieg dehnte sich die Stadt aus und der Zuwachs an Straßen war in diesen Zeiten besonders groß.
Nachzulesen sind die alten Straßennahmen und die – oftmals den politischen Umbrüchen geschuldeten – Umbenennungen von Straßen und Plätzen. Die Namen der Straßen werden erklärt und bei historischen Persönlichkeiten als Namensgeber besonders deren Wirken in Frankfurt an der Oder hervorgehoben.
Zahlreichen Fotos aus dem alten und neueren Frankfurt an der Oder und Porträts berühmter Frankfurter aus der Vergangenheit illustrieren diese Stadtgeschichte

Frankfurter Jahrbuch 2002. Hrsg: Verein der Freunde und Förderer des Museums Viadrina Frankfurt (Oder) e.V. 172 Seiten mit zahlr. Abbildungen. Paperback. Format 14,8 x 21 cm.
Preis 10,00 Euro       ISBN 978-3-933416-39-1






Rezensionen: Frankfurter Jahrbuch 20002


Die im Mittelalter gegründeten Städte, so auch "Vrankenvorde", woraus in den nahezu 750 Jahren seiner Stadtgeschichte die heutige Schreibweise "Frankfurt (Oder)" wurde, sind in mehr oder weniger engem Anschluss an wichtige Handelswege entstanden.
Das Aufblühen unserer Stadt ist vor allem darin begründet, dass es bis zur Entwicklung der heutigen überregionalen Straßen der einzige wirklich gute Übergang über die Oder in Norddeutschland war. Wie schon der Name besagt, ist Frankfurt an der günstigsten Stelle für eine Fähre oder Furt entstanden, um den Verkehr nach Osten fließen zu lassen.
Man kann somit sagen: Mit den vormaligen überregionalen Handelswegen beginnend wuchs unser Gemeinwesen heran, das heute auf der westlichen Seite der Oder 524 Straßen, Wege und Plätze zählt.

Der Grundriss der mittelalterlichen Stadt, etwa das Gebiet von der heutiger Lebuser Mauerstraße im Norden, dem Lennépark im Westen wurde in Form eines regelmäßigen Vierecks angelegt, Auch heute noch gehen diese mittelalterliche Grundrissgestaltung und die Straßenführung sowie einzelne erhaltene Bauelemente in das Siedlungsbild der modernen Stadt ein.

Die Gassen und deren Namen finden wir erstmals im sog. "Türkensteuer Register" aus dem Jahre 1567. Die Erinnerung an verschiedene Handwerksgewerbe hat sich bis jetzt in einigen Straßennamen erhalten, wenn auch ihre Häuser die Jahrhunderte nicht überdauerten. So gibt es noch heute die Wollenweberstraße (Tuchmachergasse, wie sie vorher gleichbedeutend genannt wurde), die Scharrnstraße als Erinnerung an die Fleischer und Knochenhauer (Scharrn = Verkaufstände, in denen die Knochenhauer/Fleischer ihre Arbeitstische hatten) und die Spornmachergasse, wenn auch letztere sich nicht, ebenso wie die Kleine Scharrnstraße, auf dem historischen Pflaster befindet.

Prof. Johann Christoph Beckmann verdanken wir eine Festschrift zum 200. Gründungstag der "Viadrina". Dazu hat er im Jahre 1706 die Stadt vermessen lassen. Im Jahre 1717 erschien "Das jetztlebende Franckfurt an der Oder, insonderheit die daselbst florierende weltberühmte Universität u. derselben Veränderung seit d.an.1706." Dieses Werk kann als Vorläufer der späteren Adressbücher gelten.
Eine vage Ausschilderung von Straßen wurde jedoch erst zur Mitte des 18. Jh. vorgenommen.

Ab dem Jahre 1846 erschien der Frankfurter Wohnungs-Anzeiger. Er wurde bis zur Ausgabe 1940/41 gedruckt. Hier sind die Straßen alphabetisch geordnet. Einige Ausgaben enthalten sogar Stadtpläne, die in der Folgezeit, bis heute, ständig aktualisiert, von verschiedenen Verlagen herausgegeben werden.

Der Anschluss Frankfurts an die Eisenbahn 1842 brachte einen Aufschwung. Industrieviertel entstanden. Wohnungen für die Arbeiter und Angestellten, für die Beamten, Unteroffiziere und Offiziere wurden gebaut.
Die Stadt wuchs aus der ehemaligen Stadtbefestigung, also der seit 600 Jahren beibehaltenen Größenordnung. Für diese Zeit entstanden verhältnismäßig viele Straßen. So wuchs die Anzahl der amtlichen Straßen in den zehn Jahren von 1869 bis 1879 von 70 auf 88. Der Stadtteil Beresinchen entstand.

Nach dem Ersten Weltkrieg, besonders ab 1922, die Wohnungsnot war durch die Zurückkehrenden aus den ehemaligen Ostgebieten besonders hoch, begann sich die Stadt über weite Gebiete auszudehnen. Der Zuwachs an Straßen war besonders groß. Von 1919/20 bis 1933, in diesen 14 Jahren, entstanden linksseitig der Oder 110 Straßen. Das sind mehr, als um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jh. überhaupt vorhanden waren.

Der Zusammenbruch am Kriegsende 1945 brachte auch nahezu das Ende der nunmehr siebenhundertjährigen Stadt.
Eine stark zerstörte Kommune war die Hinterlassenschaft. Und wie man sich unschwer vorstellen kann, waren viele Straßen in einem bemitleidenswerten Zustand. Die schwach entwickelte Industrie war zum Erliegen gekommen, Garnison und Beamtentum waren hinfällig geworden. Dazu kam, dass Frankfurt (Oder) Grenzstadt wurde.

Mit dem Wohnungsbau in der Bahnhofstraße begann Anfang der 50er Jahre der Neuaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Besonders nach Beginn der Halbleiterfertigung, die die Stadt auch bevölkerungsmäßig weiter anwachsen ließ, wurde durch verstärkten Wohnungsneubau die Ausdehnung Frankfurts vorangetrieben ...
Der Stadtteil Neuberesinchen im Südwesten der Stadt mit ca. 25.000 Einwohnern entstand ab den Jahren 1976/77 in vier Bauabschnitten und mit ihm viele neue Straßen.

Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurden wiederum verstärkt neue Straßen angelegt, fast ausnahmslos als Erschließungsstraßen in den Wohn- und Gewerbeparks. Die Bevölkerung in den ländlichen Ortsteilen, in denen vor allem die Wohnparks entstanden, nahm zu.





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