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Frankfurter Jahrbuch 2008/09

"Frankfurt (Oder) im 13. und 14. Jahrhundert – eine mittelalterliche Erfolgsgeschichte", auch so könnte der Titel der hier veröffentlichten Untersuchung lauten.
Die Autorin präsentiert in beeindruckender Weise Fragestellungen, Methoden und Ergebnisse ihrer Untersuchungen zur mittelalterlichen Geschichte der Oderstadt.
Monika Kilian-Buchmann hat an der Fakultät für Kulturwissenschaften der Europauniversität Viadrina ihre Dissertation mit dem Titel "Frankfurt (Oder) im Mittelalter. Untersuchungen zur Bevölkerungsstruktur und Siedlungsgeschichte" erfolgreich verteidigt.

Monika Kilian-Buchmann: Frankfurt (Oder) im 13. und 14. Jahrhundert. Untersuchungen zur Bevölkerungsstruktur und Siedlungsentwicklung. Frankfurter Jahrbuch 2008/09. Hrsg: Verein der Freunde und Förderer des Museums Viadrina Frankfurt (Oder) e.V. 424 Seiten mit zahlr. Abbildungen. Paperback. Format 14,8 x 21 cm.
Preis 16,80 Euro       ISBN 978-3-933416-82-7


mehr zur Geschichte von Frankfurt an der Oder






aus dem Inhalt: Frankfurter Jahrbuch 2008/09

Besiedlung desStadtgebiets Frankfurt (Oder) und des Umlands bis in mittelslawische Zeit
  • Vorbesiedlung – Von der Steinzeit bis zur Völkerwanderung
  • Zuzug von Osten – Slawische Besiedlung bis zum Ende des 10. Jahrhunderts
Das Land Lebus und Frankfurt bis ins 13. Jahrhundert
  • Entstehung und Entwicklung des Landes Lebus
  • Land und Bistum Lebus bis ins 13. Jahrhundert
  • Slawen in Frankfurt vom 10. bis zum 13. Jahrhundert
  • Lebuser Vorstadt – Gubener Vorstadt – Nuhnen-Vorstadt – Altstadt – Dammvorstadt
  • Kietzer und Wenden – Slawische Mitbürger in der mittelalterlichen Stadt?

Namenkundliche Untersuchungen zur Bevölkerungsstruktur

  • Rufnamen – Nachnamen – Herkunftsnamen – Berufsnamen – Familienname und Amt
Die Anfänge der mittelalterlichen Stadt Frankfurt
  • Die zwei Gründungsurkunden von Frankfurt (Oder)
  • Die Diskussion um die Echtheit der Montagsurkunde
Nikolaisiedlung oder Heinrichsstadt?
Forschungen über das Frankfurt des frühen 13. Jahrhunderts
  • Die Besiedlungspolitik des schlesischen Herzogs Heinrich I.
  • Spurensuche – Eine Kaufmannssiedlung im frühen 13. Jahrhundert?
  • Der Markt der frühstädtischen Siedlung bei St. Nikolai
  • Verwaltung und "Rathaus" der Nikolaisiedlung
Bausteine städtischen Lebens
Entwicklung im 13. und 14. Jahrhundert
  • Stadtgrundriss – Straßen, Plätze, Baugrundstücke – Stadtbefestigung – Oderbrücke
  • Organisation des Zusammenlebens – Stadtverwaltung
    Der gotische Rathausbau am Markt – Entwicklung des Gerichtswesens
  • Wirtschaft – Handel und Handwerk
    Marktplatz– Kaufhaus – Selhaus – Viergewerke
  • Wohnen – Häuser, Buden, Gehöfte
  • Seelsorge und Fürsorge – Kirchen und Spitäler
    Nikolaikirche – Marienkirche – Gertraudenkirche – Leprosenhaus – Hospital St. Georg – Heiliggeistspital – Hospital St. Jakob
  • Kirchenorganisation und Gemeindegliederung

Dokumente
  • Texte der Urkunden vom 12. und 14. Juli 1253 392
  • Namen der Frankfurter Bürger von 1253–1366 397
  • Willkür von 1396 417
  • Hochzeits- und Taufordnung vom 23. September 1356 421





Rezensionen: Frankfurter Jahrbuch 2008/09


Frankfurts frühe Wurzeln
Monika Kilian-Buchmann beweist, dass der Ort schon vor seiner beurkundeten Gründung bestand

Frankfurt (Oder) ist die einzige Stadt aus der Zeit der Ostsiedlung unter den Askaniern, die sich für ihre Gründung gleich auf zwei Urkunden berufen kann. Die Schriftstücke vom 12. und 14. Juni 1253 statten den Ort mit Stadtrecht, Privilegien und Grund und Boden aus. Sie sind die ältesten schriftlichen Zeugnisse über die Stadt.
Ob mit ihnen tatsächlich der Grundstein für Frankfurt gelegt wurde, ist eine der zentralen Fragen, der Monika Kilian Buchmann in ihrer Dissertation nachging, die nun als Frankfurter Jahrbuch 2008/09 unter dem Titel "Frankfurt (Oder) im 13. und 14. Jahrhundert" erschienen ist.

Zum ersten Mal liegt damit eine interdisziplinäre Gesamtschau über die mittelalterliche Blütezeit der Handelsstadt vor, die alle zur Verfügung stehenden Quellengattungen berücksichtigt. Nach Auswertung von Urkunden, archäologischen Funden, der Flurnamen und dendrochronologischen Daten kommt die Autorin zu dem Schluss, dass es schon vor 1253 eine kaufmännische Siedlung am Ort gab ...

Spuren dieser frühen Siedlung sind bei der Nikolaikirche (der heutigen Friedenskirche) im nördlichen Zipfel der späteren Altstadt auszumachen. Das jedenfalls legt die Urkunde vom 14. Juni 1253 nahe, die ein "forum aput sanctum Nicolaum" erwähnt, einen Markt bei St. Nikolai also. Er war bereits mit einem Stapelrecht versehen. Es zwang durchreisende Kaufleute, ihre Waren für einige Tage am Ort abzulegen und den ansässigen Händlern anzubieten. So ein Niederlagsrecht ist nur an einem bereits etablierten Marktort zu erwarten.

Die namentlich nirgends erwähnte Siedlung besaß wahrscheinlich schon vor 1253 zwei Wassermühlen und hatte damit deutsches Gepräge. Denn die in der Region siedelnden Slawen verarbeiteten ihr Getreide noch in später Zeit mit Handmühlen. Die Existenz zweier Wassermühlen setzt aber auch eine umfangreichere landwirtschaftliche Produktion mit dem dafür nötigen Personal voraus.

Viel haben die Ur-Frankfurter nicht hinterlassen. Aus ihrer Siedlung könnte ein Balken stammen, der dendrochronologisch auf das Jahr 1227 datiert wird und im Dachstuhl der Nikolaikirche um 1300 wiederverwendet wurde. Auch Keramikreste weisen auf die Existenz deutscher Siedler im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts im Stadtgebiet von Frankfurt hin. Archäologische Untersuchungen aus dem Jahr 2000 legen außerdem nahe, dass mit dem Bau der Marienkirche wahrscheinlich schon vor 1253 begonnen wurde.
Damit hätten die Gründungsurkunden rechtlich nur privilegiert, was sich bereits vielversprechend entwickelt hatte ...

Frankfurt war für die Markgrafen nicht nur ein wichtiges Wirtschaftsprojekt. Sie etablierten mit der Stadt einen eigenen Oderübergang, der besser zu passieren war als der wenige Kilometer nördlich in Lebus, das unter dem Einfluss des Erzbistums Magdeburg stand.
Ihre neue Stadt lockte Siedler aus ganz Deutschland an, die mit den eingesessenen Bewohnern der Nikolaisiedlung offenbar ganz gut auskamen... Mit ihren Namensuntersuchungen kommt die Autorin zu dem Schluss, dass höchstens fünf Prozent der Frankfurter Bevölkerung slawische Wurzeln hatte ...

Nach der Stadterweiterung von 1253 begann eine lange Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs. Ausgegrabene Bruchstücke teurer Glasgefäße, die umfangreichen kirchlichen Stiftungen der Bürger, die privat unterstützten Hospitäler, die Weinberge und der fast gleichzeitig erfolgte Ausbau der Nikolai- und der Marienkirche zeugen vom Reichtum der Fleischer, Gewandschneider und Kaufleute.
Die Stadt profitierte vom Fernhandel, knüpfte Verbindungen zur Hanse und engagierte sich wirtschaftlich im Ostseeraum. Sie ließ sich Mitte des 14. Jahrhunderts von den Markgrafen den Straßenzwang bestätigen. Das hieß, dass alle Händler, die mit ihren Wagen auf beiden Seiten der Oder unterwegs waren, ihren Weg durch Frankfurt nehmen mussten.
Die Oder und die Brücke, die die Frankfurter wahrscheinlich Anfang des 14. Jahrhunderts über den Fluss gebaut hatten, machte die Stadt zu einem der wichtigsten Schnittpunkte des Ost-West- und des Nord-Süd-Handels...
Uwe Stiehler, Brandenburger Blätter, Beilage der Märkischen Oderzeitung vom 13.02.2009





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