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AutorenKontakt750 Jahre Frankfurt (Oder)antiquarische Bücher

Gottfried Herold
Kapriolen

Notizen, Verse und Betrachtungen des unauffälligen Bedenkers Josl Bornschepper aus Steinwalde in der Oberlausitz

Wenn Sie einmal nichts zu lachen haben und auch von der schönsten Apothekerin kein hilfreiches Mittelchen bekommen, greifen Sie in Ihrer Verzweiflung zu diesem Buch.
Es sind darin zwar nicht meine intelligentesten Seufzer, Jauchzer, Schluchzer und Geistesblitze versammelt, aber auch nicht die dümmsten.

Gottfried Herold: Kapriolen. 1. Auflage 2005. 144 Seiten, mit 10 farbigen Abbildungen. Format 10,8 x 17,4 cm.
Preis 9,80 Euro       ISBN 978-3-933416-57-5








Leseprobe Gottfried Herold: Kapriolen


Wenn Sie einmal nichts zu lachen haben und auch von der schönsten Apothekerin kein hilfreiches Mittelchen bekommen, greifen Sie in Ihrer Verzweiflung zu diesem Buch.
Es sind darin zwar nicht meine intelligentesten Seufzer, Jauchzer, Schluchzer und Geistesblitze versammelt, aber auch nicht die dümmsten.
Sollten Sie aber das Lachen erst wieder lernen müssen, weil Ihnen lange nicht danach war, oder Sie sich die Darlegungen und verschlüsselten Botschaften nicht alle haben erschließen können, kaufen Sie einfach ein zweites Exemplar dieses Werkes und lesen Sie es noch einmal ganz langsam von vorn. Unverstandene Reste werden Ihnen auch bei weniger bedeutenden Autoren bleiben.


NOTIZ
Manchmal denke ich, wenn du vielleicht nur auf die Welt gekommen bist, damit die Leute durch dich ein bisschen was zu lachen haben, hast du mehr vollbracht als ein studierter Zahnarzt; denn bei dem lacht keiner.


IM MAIS MEIST
Als sie mit dem Maestro
nackend lag im Maisstroh,
sprach sie: „Lieber Maestro, irgend etwas beißt so.“
Sagte er: „Ich weiß, wo.
Aber das ist meist so,
liegt man mit dem Maestro
pudelnackt im Maisstroh.“


BILDUNGSWEG
Mein Bildungsweg begann mit der Lautbildung, der schon bald die Zahnbildung folgte. Dieser schloss sich zunächst eine gewisse Zeitspanne der Unbildung an.
Abgelöst wurde diese zunächst durch eine gediegene Halbbildung.
Dann begann unweigerlich die Schulbildung, durch die eine solide Allgemeinbildung angestrebt wurde.
Damit verbunden war natürlich eine umfassende Charakterbildung.
Es folgte eine jahrelange Ausbildung, die in gewissen Abständen eine umfassende Fortbildung nach sich zog.
Während einer länger andauernden Phase der Einbildung, konnte eine Rückbildung, auch durch fortdauernde Geistesbildung, bislang vermieden werden.
Eine erhoffte Kapitalbildung blieb trotz täglicher Weiterbildung durch Presse, Funk und Fernsehen bisher aus.


MITTEN IN DER DUNKLEN NACHT
(Anne Eberlausitzer Liebestragödche)

Ze orscht gab er ihr an Schmatz uffs rechte Patschl ond dernoh tat er se fragen, ob se uff a Teppl Kaffee met nuff in seine Kammer komm tät, denn ar war a heflicher Eberlausitzer ond ne irgnd a Rungs aus Barlin oder sonst wo.
Aber de Hebgbsche tat ne su woll’n, wie ar sich gedocht hotte, dass se wolln tät. Se meente ze ihm: „Nee, mett su an Platsche wie du, do tätch mich ne ammo uff de Hettsche setzen, geschweige denn, gar uffs Kannepee legn.“
Su was tutt an Eberlausitzer freilich orscht amo a bessl aus dr Fassung brengn, aber dernochn tat er sagn: „Du best ze gutt forr mich, ond ich bieh ja oh weeßkneppchn nischt. A Auto ha’ch ne, a Haus ne, geschweige denn an Bart em Gesechte. Keen’n Standart, wie’n su a Troom von anner Fro wie du kann verlangn heutzetage.“

Tat se a bessl simpeliern ond dann menntse: „Wenn’ch su a Troom bieh, wie de behauptst, kenntch mersch ja vielleicht ieberlegn, aber do mechste mir schon orscht mo ausnanderposementiern, waremm’ch denn su a Troom von ner Fro sein soll.“
A Eberlausitzer tutt da ne remmstottern, ar tats ihr su erläutern: „Naja, su emms Guschl remm, do kennts gar ne besser sein. De Oberweite betreffend, kann mer ne meckern, do tutt nischt hängn oder remmschunkln. Was gar de vier Buchstabm tät angehn, do kann mer es sich strammer gar ne winnschn. Am liebstn mechte marr alles in de Hände nahm, wenn marr derfte.“
Wenn de därfn täts? Do wellste wu gar orscht an Kaffee uffbriehn?

Do sahte dar Eberlausitzer, dar ja oh in su anner Situa-tsjon seine Heflichkeet ne wegschmeisst wie an ahln Latsch: „Es tät mir anne Ehre sein!“
Saht se norr no: „Wie’ch merrsch gedocht hotte, a Platsch, vielleicht gar no aus Steenewaale, wiexs aussitt. Do kann’ch oh heem giehn.“
Sie ging, entschlossen, wie anne enttäuschte Eberlausitzerin nu emo ess, ond se tatch ne amo emdrehn.
Es war anne Tragödche, welche de Eberlausitz schon seit vortsch Johrn erschittert.








Rezensionen Gottfried Herold: Kapriolen


Oberlausitzer Kapriolen
... „Kapriolen“, eine bunte Mischung aus Notizen, Versen und Betrachtungen. Einem, der wie Herold aus der Oberlausitz stammt, sei nachgesehen, dass er sich zuerst auf die Texte im heimatlichen Dialekt stürzte.
Und was fand er? Josl Bornschepper und seinen Freund Julian aus Steinewalde, dortselbst den Nabel der Welt sowie den verschmitzten und hintergründigen Humor seiner Landsleute, die sich über das Leben keine Illusionen machen und es trotzdem lieben. Ach ja, die Liebe: Wie deftig man über sie schreiben kann, ohne schlüpfrig zu werden – das könnten sich jüngere Autoren von diesem Dichter abschauen. Übrigens sind auch die hochdeutschen Texte amüsant – und die von Linda Herold beigesteuerten Fotos skurriler Objekte allemal
Eckart S. Berg, Sächsische Zeitung vom 18.06.2005





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