Bücher aus dem Verlag Die Furt

AutorenKontakt750 Jahre Frankfurt (Oder)antiquarische Bücher

Der Schatz im Carthauskloster und andere Merkwürdigkeiten und Anekdoten aus dem alten Frankfurt an der Oder und seiner nächsten Umgebung

zusammengetragen von Wener Mandel
mit Illustrationen von Gerhard Goßmann

Natürlich ist das Hufeisen an der Südwand der St. Marienkirche keine Hinterlassenschaft des Teufels, aber der Ablaßhändler Tetzel war tatsächlich in Frankfurt und die im Volksmund "Tetzelkanzel" genannte Kanzel hat wirklich im Gertraudenpark gestanden. Mit der Zunahme der aufgeschriebenen Geschichten seit dem 16. Jahrhundert wird der Kern so mancher Sage oder "Merkwürdigkeit" immer realer.
Das Büchlein ist kein Geschichts- sondern ein Geschichtenbuch. Und wenn Sie beim Lesen Vergnügen hatten und sich etwas Zeitkolorit eingestellt hat, dann hat es seinen Zweck erfüllt.
Die Geschichten sind illustriert mit 22 ganzseitigen, z.T. bisher unveröffentlichen Radierungen von Gerhard Goßmann

Der Schatz im Carthauskloster. 1. Aufl. 2001. Paperback, 94 Seiten mit 22 Abbildungen, Format 21 x 20 cm. Zusammengestellt von Werner Mandel. Illustrationen Gerhard Goßmann
Preis 9,90 Euro       ISBN 978-3-933416-29-2





Leseprobe Der Schatz im Carthauskloster


Des Teufels Hufeisen an der St. Marienkirche
In einer der Putzflächen an der Südseite der St. Marienkirche, von der Regierungsstrasse aus zu sehen, hebt sich schwarz ein Hufeisen vom helleren Putz ab. Darum ranken sich mehrere Sagen.

Als in der Mitte des 13. Jahrhunderts der Bau der Marienkirche begonnen wurde, versuchte der Teufel um jeden Preis zu verhindern, dass dieser Bau unter Dach kam. Ob die Bauleute noch so fleißig, oft bis zum sinkenden Abend, arbeiteten: In der Nacht kam Satan mit höllischer Hinterlist und stieß mit seinem Pferdefuss so stark an die fertigen Mauern, dass ein gut Teil davon zusammenstürzte. Die Maurer mussten am nächsten Morgen von vorn anfangen. Das ging so eine Weile hin. Schließlich aber verzagten Meister und Gesellen und wollten nicht mehr weiterarbeiten. Da kam ein gottesfürchtiger Mann auf den Gedanken, die Sache könnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Gesellen und Lehrlinge mussten nun abwechselnd in der Kirche Wache halten.

Zwischen 12 und 1 Uhr nachts aber überfiel die Wachenden eine so große Müdigkeit, dass sie einschliefen. Wenn sie aufwachten, war das Unglück bereits geschehen.
Endlich gelang es dem jüngsten Lehrling sich wachzuhalten und es kam an den Tag, wer der mutwillige Zerstörer war. Da beschloss man, so viele Gesellen einzustellen, dass der Bau bis zum Dunkelwerden bis an das Dach fertig wurde und geweiht werden konnte. Danach hatte der Teufel keine Gewalt mehr über ihn.
Als nun zu Mitternacht der Satan wieder kam und mit dem Pferdefuss an die Mauer stieß, blieben diese heil. Da das Haus aber geweiht war, blieb der Teufel mit dem Fuße daran hängen und konnte nicht mehr los. Als er nun schauerlich zu brüllen anfing, kamen die Frankfurter mit Dreschflegeln und Stöcken, um ihm ordentlich das Fell zu gerben. In seiner Angst riss sich der Teufel gewaltsam los, doch sein Hufeisen blieb an der Stelle hängen.



Heinrich Wilhelm Ule
Kindheit um 1800 in Frankfurt (Oder)

"Noch steht von dem Leben dieser Familie mit seiner Ordnung, Sparsamkeit und Eingezogenheit, mit seiner strengen Sitte und Zucht ein lebhaftes Bild vor meiner Seele. Erholung gab es wenig. Jedem war seine Arbeit auf das Genaueste zugemessen.

In ähnlicher Weise ging es auch in meinem Elternhause zu (Ule war Kaufmann!) Die Kost war einfach; es gab nur ein Gericht täglich, sonntags regelmäßig Braten und Milchreis, abends bloss Brod mit Butter oder Käse – nicht beides zugleich; das einzige Getränk bildeten Bier und Kaffee. Alle Jahre wurde einmal im Sommer – mehr als vier Wochen vorher wohl besprochen – ein Spaziergang mit der ganzen Familie nach der Grundschäferei gemacht, wozu alles Erforderliche vom Hause aus mitgenommen wurde. Auch der Hausrath war einfach und altväterisch; da sah man eichne Tische, Commoden von Nussbaum, lederne Stühle, zinnernes Tischgeschirr ...

Ich gedenke noch der schönen Erzählungsabende meines Vater. Wenn der Kaufladen geschlossen, wenn statt des Tageskleides (blauer Frack, aschgraue baumwollene Strümpfe und Schuhe) Der grünblumige Schlafrock mit den gelbledernen Pantoffeln anlegte, statt der Perücke (mit Zopf) die weißbaumwollene Nachtmütze aufsetzte und die einfache Abendmahlzeit verzehrt war, dann setzte sich der Vater hin mit der thönernen Tabakspfeife und einem Glase Bier und erzählte mir von seinen Kinderjahren und seiner schweren Lehrlingszeit, oder von seinen glücklichen Kaufdienerjahren, von dem Tode des großen Königs, von der Oderüberschwemmung im Jahre 1785, von dem Herzog Leopold, dessen grosser Verehrer er war, oder von dem Siebenjährigen Kriege ...








Rezensionen Der Schatz im Carthauskloster



Das Hufeisen von St. Marien
Willkommene Abendlektüre vieler Frankfurter ist Werner Mandels Veröffentlichung "Der Schatz im Carthauskloster" mit wunderschönen Illustrationen des leider schon 1994 verstorbenen Künstlers Gerhard Goßmann. In "Der Schatz im Carthauskloster" hat Mandel Geschichten aus dem alten Frankfurt zusammengetragen – von Teufels Hufeisen an St. Marien über den Hosenteufel bis hin zum Feuerreiter von Lossow und der blutigen Hochzeit von Tzschetzschnow. Werner Mandel, geboren 1937 in Berlin, ist von Beruf Museologe. Seit fast 30 Jahren lebt er in Frankfurt und beschäftigt sich seitdem mit der Stadtgeschichte.
Märkische Oderzeitung vom 23.12.2002




Der Schatz im Carthauskloster
... eine Publikation zum bevorstehenden Stadtjubiläum ...das Buch "Der Schatz im Carthauskloster", in dem Werner Mandel Sagen, Anekdoten und andere Merkwürdigkeiten aus Frankfurt und Umgebung zusammengetragen und mit Zeichnungen von Gerhard Gossmann illustriert hat.

"Die Stadt Franckfurt ist an einem lustigen Ort gelegen / ... zwischen Weinbergen und Obstgärten beschlossen. Hart an der Stadt gegen Aufgang der Sonnen / fleust die Oder."
Mit solchen und ähnlichen Lobpreisungen der Stadt beginnt Mandel sein Buch. In diesem Fall zitiert er eine "Kurtze Beschriebunag der alten löblichen Stat Frankckfurt an der Oder" von W. Jobst, geschrieben 1561. Auch ein Auszug aus der Rede von Professor Axungia zur Eröffnung der Universität Viadrina von 1506 findet sich da. Aber auch Geschichten wie die vom Hufeisen an der Marienkirche, vom Bier, dem Teufelssee sowie Polizeiverordnungen über das Tabakrauchen und das Schlittenfahren.

Mandel ... erweist sich einmal mehr als profunde Kenner der Stadtgeschichte. Geschickt hat er ausgewählt, was Frankfurter wie Nichtfrankfurter zur tieferen Beschäftigung mit Historie einlädt, sie zum Nachdenken, aber vor allem auch zum Schmunzeln bringt. So manche Entdeckung kann man da machen. Oder wussten Sie, was Till Eulenspiegel in Frankfurt trieb? Also, der wanderte hierher mit einem Pfaffen und übernachtete mit ihm in der gleichen Herberge. Welchen bösen Schalk er dort trieb, wird hier nicht verraten. Das sollen sie schließlich selbst lesen. Genauso wie die Geschichte vom Schatz im Carthauskloster, der besessenen Magd Gertraud, vom Teufelshaus, dem Feuerreiter von Lossow oder den schiefen Stiefeln.
Märkische Oderzeitung vom 23.12.2002





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Der Schatz im Carthauskloster  Günter Kunert, Mönchwinkel



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