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Klaus Trautmann
Manne. Aus dem abenteuerlichen Leben eines Lawitzer Hütejungen

8-jährig kommt Manne als Pflegesohn und Hütejunge zu Familie Kalisch in das kleine Dörfchen Lawitz. "Die sind nicht schlecht", erfährt er als erstes, "aber es gibt nur Arbeit."
Das beunruhigte Manne nicht. Er war ja nicht zur Arbeit hier, sondern zum Hüten der Kühe. Und Abenteuer gab es genug: Die abgestürzte Focke-Wulf in den Oderwiesen oder der Brand im Dorf. Als aus den Abenteuern blutiger Ernst wird und sie aus dem Dorf in Richtung Halbe fliehen, ist für den kleinen Manne die Kindheit zu Ende.

Klaus Trautmann: Manne. Aus dem abenteuerlichen Leben eines Lawitzer Hütejungen. 1. Auflage 2004. Paperback, 239 Seiten, Format 12 x 19 cm.
Preis 12,80 Euro       ISBN 978-3-933416-50-6






Leseprobe Klaus Trautmann: Manne


Die ausgespannten Kühe bekamen einen Strick an die Hörner, und die Jungen hielten sie daran beim Grasen davor zurück, verbotene Früchte und Halme zu fressen. Solcherart Hütedienst empfand Manne wie eine Strafe. Jede Bewegungsfreiheit war verloren. Stundenlang geschah nichts anderes als das stupide Fressen des Rindviehs, und keinen einzigen Meter konnte man sich entfernen.

Unlustig stocherte er mit seinem Haselstock im Ackerboden. Nicht einmal ein Regenwurm ließ sich blicken! Aber mit dem konnte man ja auch nichts anfangen.
Das Gespräch im Kuhstall fiel ihm ein. Ja, heute hat er die Lotte an der Leine. Er musste schmunzeln. Wie kommt sie nur dazu, den Kühen Namen zu geben? Obwohl, Hunde haben auch einen Namen, und die Katze rufen alle "Minka" Aber Kühe? Das ist geradeso, als würde er den Regenwurm ...

Ein sonderbares Gefühl stieg in ihm auf. So können nur erfolgreiche Erfinder oder Entdecker empfunden haben. Natürlich! Ein Regenwurm! Egal, auch wenn er sich heute nicht sehen lässt, er bekommt einen Namen, und wenn die ganze weite Welt darüber ins Staunen kommt.
Wie soltel er doch gleich heißen? Manne grübelte. Schon wieder spürte er die nicht für möglich gehaltene Schwierigkeit, einem Subjekt aus dem reichlichen Angebot einen passenden Namen zu geben.
"Achim" fand er treffend. Achim, der Regenwurm!
Gott sei Dank erinnerte er sich, dass der Zugführer des Jungvolks der Lawitzer Hitlerjungen Achim hieß, Achim Balzer. Das konnte sehr schnell Ärger machen, zumal er doch selbst bald zu den Pimpfen gehören wollte.

Aber "Theo" ist richtig. So heißt nicht jeder, und Theo Regenwurm lässt sich leicht merken und aussprechen. Trotzdem klang "Theo" langweilig.
Da fiel dem kleinen spitzbübischen Manne urplötzlich eine wunderschöne Gemeinheit ein. Es gab noch einen in der Klasse, den er neben Burke und dem doofen Neudeck nicht leiden konnte, das war der Neue, der Sohn des Klostermüllers, Hartmut Purbs. Ein Angeber war das, ein Streber und Petzer! Da hätte man doch etwas zu lachen, wenn er die Geschichte mit dem Regenwurm zum Besten gibt.
So stand endlich sein unabänderlicher Entschluss fest: Der Regenwurm erhielt den Namen Hartmut, egal, ob der sich jetzt gleich oder irgendwann und irgendwo zwischen Kummro und Lawitz blicken ließ.

Schon wenige Tage darauf begann die Hausfrau erneut, eine Stube für einen Besucher herzurichten. Adolf klopfte kraftlos und gelangweilt den Teppich, den Erna auf den Hof gebracht hatte, und fragte dann doch, wer denn erwartet werde.
"Frieda wird bei uns wohnen."
Abends, im Bett, berieten die beiden Knaben. "Da kommt auch die Gitte mit. Ich weiß ja nicht", sorgte sich Adolf.
"Was weißt du nicht?"
"Ein Mädchen, Mensch! Weiber petzen, und wenn sie Recht haben wollen, heulen sie", verriet der Nachdenkliche etwas von seiner tiefsinnigen Kenntnis über Mädchen.
"Außerdem ist die kein Pflegekind."

Willy, Gittes Vater, der bei den gewaltigen Transportanstrengungen der Reichsbahn auf seinem Posten in Kalisch lange als unabkömmlich galt, musste die Uniformen tauschen und kam nun direkt an die Ostfront, ins Baltikum, wie die Mutter der Familie erklärte. So entschloss sich Frieda, vorübergehend ins elterliche Haus zurückzukehren.

Frieda zeigte sich in den kleinen täglichen Dingen strenger als die Mutter. So ließ sie sich die Schulhefte vorlegen. Das war Manne in all den Monaten in Lawitz noch nicht passiert. Außerdem schaute sie bei der Körperreinigung, der Katzenwäsche, wie sie sich ausdrückte, zu, mäkelte an der Art herum, wie die Knaben Waschlappen und Seife gebrauchten, und kritisierte vor allem das Waschen der Beine. Dabei wurden sie doch jeden Sonnabend in der Zinkwanne von der Mutter gründlich gebadet.

Frieda kannte sich gut aus in der Wirtschaft. Als sie am Abend Schemel und Eimer nahm, um die Kühe zu melken, ging Manne mit in den Stall. Mal sehen, wie sie mit den störrischen Kühen klar kam.
Diesmal war es Manne, der am Melkvorgang etwas auszusetzen hatte.
"Erna melkt immer erst die andere Kuh."
"Ach, die Lotte kommt schon auch noch dran."
Hatte er sich verhört?
"Welche Lotte?"
"Unsere Kühe haben bei mir alle einen Namen, Manfred. Das hier ist Liese."
Manne musste kichern.
"Und wie heißt die Färse?"
"Siehst du, der müssen wir erst noch einen Namen geben. Mach’ selbst einen Vorschlag!"
Also, wenn das so einfach ist! In Gedanken ging er erst einmal die Mädchennamen in seiner Klasse durch. Etwas Passendes jedoch fand er nicht, wie er sich auch mühte und das Hirn zermarterte.
"Nennen wir sie doch Agnes", half Frieda.
Manne nickte ganz begeistert. "So heißt unsere Lehrerin, Fräulein Scheldt."

Diese Geschichte mit seinen Kühen gefiel ihm besonders gut; und nachdem er sie weitschweifend und ein wenig ausgeschmückt Adolf erzählt hatte, kannte bald auch die ganze Schule den Namen von Kalisch’ Färse.







Rezensionen Klaus Trautmann: Manne


Als Klaus noch Manne war und Kühe hütete

In der Gastwirtschaft war man sich nicht sicher und auch Lawitz’ Bürgermeisterin Gudrun Schmädicke wagte keine Prognose, ob wenige oder viele Besucher kommen würden. "Und dann war die Gaststätte knackevoll", sagt das Gemeindeoberhaupt. "Die Leute kamen ja nicht nur aus Lawitz, sondern von Cottbus, Fürstenwalde, Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt. Das war auch nur zu Anfang eine Buchlesung, dann wurde es immer mehr eine Diskussion. Ganz toll, dass nicht nur Ältere gekommen waren, die den Autor oftmals kannten, sondern von 18 bis 80 alles vertreten war."
Wer derlei Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen vermag, ist Klaus Trautmann – ein 70-jähriger Rentner, der heute in Frankfurt (Oder) zu Hause ist.

Mit Lawitz verbindet Klaus Trautmann ein ganz inniges Verhältnis, obwohl die Jahre, die er dort verbrachte und denen er nun ein Buch widmete, nicht leicht für den damals Achtjährigen waren. Im Jahre 1943 kam der Junge in das zu jener Zeit kleine Dörfchen – als Vollwaise. Seine Eltern hat er nie kennen gelernt. Geboren in Berlin, sei er im Alter von einem Jahr in das Kinderheim von Sommerfeld, heute das polnische Lubsko, gekommen. So wurde es ihm später erzählt. Leute aus Kummro hätten ihn als Dreijährigen dann aus dem Heim geholt und als Pflegekind bei sich aufgenommen.

Mit Acht dann also wurde er Hütejunge bei einem Kleinbauern, "der auch mit seiner Wirtschaft ums Überleben kämpfte", wie sich Klaus Trautmann erinnert. Obwohl die Kindertage mitunter nicht leicht waren – denn schon als kleiner Mensch musste er kräftig mit zupacken auf Hof und Feld – die Kindheit aufarbeiten wollte er mit diesem Buch nicht und auch mit niemandem abrechnen, sagt Trautmann "Das Buch ist vielmehr eine Liebeserklärung an Lawitz und geschrieben habe ich es eigentlich, weil meine Kinder mich drängten. Ich habe ihnen viel von früher erzählt und da meinten sie, das müsste ich mal alles notieren."

Trautmann, der erst mit 18 Jahren von seinem Vormund erfuhr, dass er mit Vornamen Klaus und nicht Manfred heiße, hat nach dem Abitur an der EOS in Fürstenberg sein späteres Berufsleben bei der Nationalen Volksarmee als Soldat und Offizier verbracht. Dort betätigte er sich schon im Zirkel schreibender Soldaten, "machte auch in Lyrik" und schrieb nach seiner Entlassung 1990 aus der Armee drei Sachbücher übers Schachspielen.

Nun also ein Prosawerk, an dem er offenbar viel Spaß fand und den er auch auf seine Leserschaft zu übertragen weiß. "Ich glaube, ich habe den richtigen Ton gefunden, die Sprache der Leute. Ich habe zwar aus der Sicht des heranwachsenden Manne geschrieben, aber wohl auch den Zeithintergrund getroffen, die Stimmungen, die Zusammenhänge beleuchtet." Mit dem Notieren seiner persönlichen Erinnerungen habe er aber niemanden bloßgestellt und Geheimnisse, die es damals gab, auch nur so weit preisgegeben, wie sie keinem daran Beteiligten schaden könnten.

Für Lawitz’ Bürgermeisterin ist Klaus Trautmann jemand, dem man beim Erzählen sehr gern zuhört. Und so kamen denn die Besucher der Lesung voll auf ihre Kosten, zumal gerade in Lawitz der direkte räumliche Bezug zu dem Erlebten da war.
Aber auch bei den vorangegangenen Lesungen u. a. in der Frankfurter Stadtbibliothek und in einem Eisenhüttenstädter Altenheim wusste "Klaus-Manne" die Zuhörer mit den Kindheitserlebnissen in seinen Bann zu ziehen. Auch künftig wird er noch häufig zu Lesungen unterwegs sein und die Zuhörerschar teilhaben lassen an den Abenteuern eines Hütejungen.
Waltraud Tuchen, Märkische Oderzeitung vom 19. April 2005, Oder-Spree Journal (Ausgabe Beeskow/ Eisenhüttenstadt)




Abenteuer eines Hütejungen

Nie wieder wollte Manne seinen Fuß nach Lawitz setzen. Doch zum Glück hat Klaus Trautmann diesen Schwur des unglücklichen Zwölfjährigen nicht wahr gemacht. Er ist mit seinem Buch "Manne" zurückgekehrt. Und seine Erinnerungen "Aus dem abenteuerlichen Leben eines Lawitzer Hütejungen" nehmen den Leser nicht nur mit in die Tage der Kindheit, sondern sie erhellen ein Stück Geschichte auf eine Weise, wie das nur dem Zeitzeugen möglich ist.

Acht Jahr alt ist der kleine Manfred, als er in das Dörfchen bei Neuzelle kommt, weil Bauer Kalisch einen Hütejungen braucht. Er ist immer noch ein Kind, als er gehen muss – in eine andere Familie, die ihm für das Dach über dem Kopf ganz selbstverständlich Arbeit ohne Ende abverlangen wird. Aber welch eine Zeit! Manne muss nicht nur fertig werden mit seiner Stellung in der Familie und mit seinen Rotbunten auf de Weide, Kriegs- und Nachkriegszeiten verlangen ihm auch findiges Lavieren zwischen den Mächtigen ab, auf de Flucht vor der Front bis in den Kessel von Halbe hat er sich gar als Helfer, Vertrauter und Beschützer von Mutter und Stiefgeschwistern zu bewähren.

Doch dieser kleine Kerl nimmt sich keine Zeit für Klagen und Selbstmitleid. Mit offenen Sinnen nimmt er das Zusammenleben auf dem Hof, die Bräuche im Dorf, die Natur der Neuzeller Niederung in sich auf, lernt französische Gefangene kennen, die ihm Schokolade spendieren und prügelnde Verwandte, einen Lehrer, der sehr unterschiedliche Meinungen mit und ohne Rohrstock vertritt, und verlässlichen wie unverlässliche Schulkameraden.

Das alles erzählt der Autor mit Liebe, doch ganz ohne Sentimentalität aus der Sicht des indes. Manne schaut, hört, macht sich seine Gedanken. Der Krieg wird ihm mit dem Todesschrei eines Pferdes immer in den Ohren gellen ... Dieses Bemühen um Authentizität zeichnet Trautmanns Buch aus. Und die Sprache ist farbig, genau anregend. Was Manne geworden ist, das verrät das Bändchen leider nicht. Ein guter Autor – das zumindest.
Anni Geisler, Brandenburger Blätter vom 18.02.2005





Die Nacht als es in Lawitz brannte

Die Zeit vergeht wie im Fluge, davon kann der Frankfurter Klaus Trautmann ein Lied singen. Bereits über 50 Jahre ist es her, aber er erinnert sich noch wie heute an seine Kindheit auf einem Bauernhof im Örtchen Lawitz.
Vor gut zehn Jahren begann der heute 70-Jährige Stichpunkte aus seiner Kindheit zusammen zu tragen. Eine Kindheit, die der Vollwaise ganz bewusst wahrnahm, weil sie viel zu schnell zu Ende war. "Ich konnte mich zwar nicht an alle Einzelheiten erinnern. Aber in Gesprächen mit Bekannten und ehemaligen Klassenkameraden kamen die Details nach und nach wieder zusammen. Wie ein Puzzle", so der Frankfurter.
Es entstand ein Buch, das die Geschichte eines Jungen erzählt, der in einer Zeit voller Entbehrungen und Enttäuschungen, aber auch Abenteuern und glücklichen Momenten, aufwuchs – den Kriegsjahren.

"Manne – Aus dem abenteuerlichen Leben eines Hütejungen" – heißt das Buch. Der damals achtjährige Klaus Trautmann kam als Vollwaise auf den Hof der Familie Kalisch, um die Aufgabe des Hütejungen zu übernehmen. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass er nicht nur für die drei Kühe "Liese", "Lotte" und "Agnes" zuständig war, sondern auch auf dem Feld helfen musste. Trotz der vielen Arbeit blieb genügend Zeit für Mutproben, Abenteuer und Entdeckungsreisen. So machte er sich gemeinsam mit seinem Freund Bocke Jetzer auf, um das Geheimnis des abgestürzten Bombers Focke-Wulf zu lüften und hinter die Ursachen des Großbrands von Lawitz zu kommen.

"Die Nacht, als Bomben auf Lawitz niedergingen, das ist so ein Erlebnis, das man sein Leben lang nicht vergisst", erinnert sich Klaus Trautmann. Trotz der schrecklichen Erlebnisse, die es zu dieser Zeit gab, schreibt Trautmann in einer solch charmanten Art, die dem Leser glauben lässt, alles sei eine reine Entdeckungsreise für Manne gewesen. Aus der kindlichen Abenteuerwelt wurde aber schnell blutiger Ernst. Hals über Kopf packten sie eines nachts die Koffer und die Flucht Richtung Halbe begann.

Klaus "Manne" Trautmann, der erst mit 18 Jahren erfuhr, dass sein eigentlicher Name Klaus und nicht Manfred ist, war es wichtig, seine Erlebnisse aufzuschreiben und gleichzeitig sieht er sein Buch als Aufarbeitung seiner Kinderzeit. "Noch heute nennen mich alte Schulkameraden Manne", verriet Trautmann ...
Finni Liening, Oderlandspiegel, 5./6. März 2005, Regionalausgabe Frankfurt(Oder)



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