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Till Sailer
König Midas und sein Barbier

König Midas nennt seinen Barbier: "Du Vorwitz in Person". Wie vorwitzig aber ist der König selbst. Bei einem Musikwettbewerb gibt er sich neunmalklug und bekommt dafür Eselsohren. Wie trotzdem alles ein gutes Ende findet, weiß Till Sailer einfühlsam und witzig zu erzählen. Durch die zauberhaften farbigen Illustrationen von Gertrud Zucker wird das Buch zu einem idealen Geschenk für kleine und große Leser.

Till Sailer/Gertrud Zucker: König Midas und sein Barbier. 1. Auflage 2002. Paperback, 24 Seiten, Format 17 x 21 cm.   
Preis 9,90 Euro       ISBN 978-3-933416-36-0



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Leseprobe Till Sailer: König Midas und sein Barbier


In sagenhafter Zeit herrschte in Phrygien, einem Landstrich in Kleinasien, König Midas. Ihm diente ein Sklave namens Philon. Dieser war redselig und geschwätzig. Nichts konnte er für sich behalten. Deshalb wurde er allgemein der Vorwitzige genannt. Trotz dieser Schwäche war der König mit ihm zufrieden. Denn der Vorwitzige schnitt ihm seit Jahr und Tag das Haar und stutzte ihm den Bart. Darauf verstand er sich nicht schlechter als aufs Schwatzen. Auch war es König Midas angenehm, daß er gleich nach dem Aufstehen das Neueste aus der Stadt erfuhr.

Eines Morgens, als Philon wieder einmal seinen Herrn aufsuchte, empfing ihn der König in merkwürdigem Aufzug. Er trug eine Mütze aus glänzendem Tuch, wie sie bis hinüber nach Griechenland als phrygische Mütze bekannt war. So war von seinen schwarzen Locken, die sonst bis in den Nacken fielen, nur wenig zu sehen.
Wie soll ich Euch das Haar schneiden, Herr," fragte Philon, "wenn Ihr den Kopf bedeckt haltet?"
Schweig, Vorwitziger," sagte der König barsch. Er zögerte einen Augenblick und setzte dann freundlicher hinzu: "Da gibt es nicht mehr viel zu schneiden. Als ich nämlich heute erwachte, waren auf dem Scheitel alle Haare ausgefallen. Der Arzt gab mir den Rat, ich solle den Kopf wärmen und diese Mütze niemals absetzen."
Um unliebsamen Fragen vorzubeugen, verlangte er: darfst es keinem erzählen. Wenn jemand davon erfährt, werde ich zum Gespött der Menge. Versprich mir, daß du mein Leiden für dich behältst."










Rezesionen Till Sailer: König Midas und sein Barbier


Der königliche Frisiersalon
Im Laufe des Lebens gibt es tatsächlich nur eine Person, die in alle, ja wirklich alle Geheimnisse eingeweiht ist: Den Friseur. Diese einzigartige Vertrauensstellung rührt mehrheitlich daher, dass der eloquente und fürsorgliche "Haarschneider" der handelsüblichen Eitelkeit mit Komplimenten schmeichelt, wie man sie selbst noch beim Blick in den Spiegel für Realität halten mag – selbst wenn mit dem Haupthaar die Aufrichtigkeit gleich mit frisiert wurde. Doch wenn man glaubt, den Klatsch und Tratsch nur in Form der legendären Königszeitschriften auf den Knien zu halten, erliegt man einem bitteren und eventuell folgenreichen Trugschluss. Unangenehmerweise geht mit der offiziellen Geheimnisträgerschaft auch die charakterliche Disposition zur Geschwätzigkeit einher. Ja sie gehört geradezu zur beruflichen Grundausstattung. Eine coiffeureigene "conditio sine qua non": Alle Organe und Körperteile werden bekanntlich einmal müde, nur für die Zunge des oder der Frisierenden scheint dies nicht zu gelten.

Der Barbier des phrygischen Königs Midas mit Namen Philon erfüllt diese berufsspezifischen Voraussetzungen allerdings in ganz besonderem Maße, was ihm den Namenszusatz "der Vorwitzige" eingetragen hat. Eine kurze Mitteilung "ganz im Vertrauen", ein diskreter Hinweis hier, ein ungedachter Satz in das Ohr eines befreundeten Sklaven dort – und schon ist die ganze Stadt mit Gesprächsstoff für die nächsten Wochen versorgt.
Nun macht das Mitteilungsbedürfnis und die Koketterie auch nicht vor dem Berufsstand des Monarchen halt, ja auch die Eitelkeit der Könige beginnt bekanntlich genau dort, wo der Verstand aufhört, und so weiht Midas seinen vertrauten Barbier in sein Geheimnis ein ...

Ausgestattet mir hinreißenden Illustrationen von Gertrud Zucker, die – geschärft an den antiken Vorbildern – den tradierten Charakter der Erzählung nicht verleugnen und dennoch dieses "Märchen" in der Gegenwart beheimaten, ist Till Sailer eine Neu- und Nachschöpfung des überlieferten Textes gelungen, die ihresgleichen sucht. So kann moderne Überlieferung "altehrwürdigen", vermeintlich überholten Bildungsgutes also auch aussehen! Lesen!
Anja Knocke, Lesart 3/03




Über den Genuss des Schweigens
Die Geschichte spielt in der Zeit um 200 v. Chr. In Phrygien und erzählt von König Midas und seinem geschwätzigen Sklaven Philon. Der ist nicht nur für die Rasur zuständig, sondern engster Vertrauter seiner Majestät.
"Der Vorwitzige schnitt dem König seit Jahr und Tag das Haar und den Bart. Darauf verstand er sich nicht schlechter als aufs Schwatzen." Zwischen ihnen kommt es zu Konflikten, weil Philon nicht den Mund hält und ein peinliches Ereignis einem Erdloch anvertraut. "Und der Vorwitzige spürt zum ersten Mal in seinem Leben, welchen Genuss das Schweigen bereiten kann."
Till Sailer bedient sich der etwas antiquierten Sprache sowie Erzählform der Gebrüder Grimm. Er kommt jedoch gut an bei der Klasse 4c der Beerster Grundschule ... Da Till Sailer nicht nur Bücher schreiben kann, sondern auch studierter Musiker ist, und da er "zufällig" seine Querflöte dabei hat, beschließt er die Vorlesestunde mit einem bekannten Stück von Johann Sebastian Bach.
Nordseezeitung vom 9. Juli 2003







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