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Angela Kiefer-Hofmann
Vielleicht morgen
Geschichten vom Überleben 1945

Alle standen unter dem Eindruck der letzten Tage, hatten sich im Wesen verändert und ihre frühere Beredsamkeit verloren. Erst nach und nach begannen sie zu fragen und von ihren eigenen Erlebnissen zu erzählen auf ihren Wegen durch das Ende.
Alle standen unter Schock. Die Ungeheuerlichkeit dieses Verbrechens, das Entsetzen über die SS und der Schrecken seit dem Einmarsch der Sowjets; dazu die Flucht und die trostlose Rückkehr. Jede wusste etwas von der Mordnacht. Steinchen für Steinchen setzte sich ein Mosaik zusammen. Schon jetzt rankten sich Gerüchte und Mutmaßungen, Verdächtigungen, handfeste Schuldzuweisungen und viele Geheimnisse um die Vorgänge dieser Nacht.

Angela Kiefer-Hofmann: Vielleicht morgen. Geschichten vom Überleben 1945 1. Auflage 2008. 328 Seiten. Format 13,5 x 20 cm
Preis 18,00 Euro       ISBN 978-3-933416-83-4


Buchpremiere, Angela Kiefer-Hofmann, Fürstenwalde, Bad Saarow

Buchpremiere am 16. November 2008 in Bad Saarow




Leseprobe – Angela Kiefer-Hofmann: Vielleicht morgen

Zwei Schwestern

Das Jahr 1945 hatte begonnen. Von Schwiebus kommend ergoss sich über die Sternberger und Friedrichswiller Straße ein nicht enden wollender Strom aus Flüchtlingen und Militär durch Reppen; Personenautos, Laster, Omnibusse, hochbeladene Pferdewagen mit Planen aus Teppichen notdürftig überdacht, oft gelenkt von Zwangsarbeitern und besetzt mit Alten, Frauen und Kindern. Hinterdrein trotteten angebunden Kühe, Ziegen oder Fohlen.

Zumeist aus dem Warthegau kamen die Menschen, quälten sich und ihre erschöpften Pferde seit Tagen bei bitterer Kälte über eisglatte und verstopfte Straßen. In den Gesichtern sah man die Strapazen der letzten Tage ... Über die Oder wollten sie, gar über die Elbe und noch weiter, bloß nach Westen. Sie sprachen nicht viel, stets jedoch mahnten sie: "Lasst alles stehen und liegen, haut ab! Die Russen kommen, und sie kommen schnell."
Fassungslos sahen die Reppener hinter ihren Gardinen die Tragödie und wollten doch weiter daran glauben, dass die Rote Armee gestoppt würde, dass der Führer, die Wehrmacht, die Partei – wer auch immer, es nicht zulassen würden, irgendetwas tun würden, um die Heimat nicht in die Hände der Russen fallen zu lassen. Das durfte einfach nicht geschehen!

Emmas Gefühl der Bedrohung wurde übermächtig und sie konnte es nicht mehr wegschieben. Im Schuppen stand der Handwagen. Ein größeres Gefährt besaßen sie nicht und natürlich auch kein Pferd.
Sie fing blindwütig an, drei Koffer zu packen. Kleidung, Tisch- und Bettwäsche, Handtücher, Geschirr, Besteck. Am Ende saß sie davor, fand die Packerei vollkommen sinnlos und räumte alles wieder in die Schränke.
Was nimmt man mit, wenn man aus seinem Zuhause flieht? Für welches Leben soll man packen? Und was braucht ein Mensch wirklich? Emma saß auf dem Bett, vor sich die leeren Koffer und starrte auf einen Punkt an der Wand.
Der Mensch braucht Nahrung und Wärme. Sie begann aufs Neue. Pullover, lange Unterhosen, wollene Hemden und Strümpfe, dicke Socken, Strickjacken. Sie packte für die ganze Familie. Unsinn. Die Sachen müssen angezogen werden, wollte man losziehen. Eingepackt nützen sie nichts. Sie füllte einen Koffer mit Weckgläsern, Brot, Eiern, Mehl und Zucker. Dazu Teller, Besteck und Töpfe.
Sie stand da, betrachtete alles. Nein, so geht das nicht. Ohne Plan, ohne Ziel, ohne Zeitpunkt und ohne mit Fritz und den Mädchen gesprochen zu haben, konnte sie nicht packen. Ihre Eltern in Wildenhagen fielen ihr ein. Was würden die machen? Emma sank verzweifelt in sich zusammen; auf dem Boden hockend, vor dem Koffer mit Lebensmitteln, begann sie zu weinen. Fast lautlos. So fand sie Fritz.
...
Verloren stand Emma mit Gerda an der Hand auf der Lübbichower Dorfstraße. Welch ein Anblick! Eng aneinander reihte sich Pferdewagen an Pferdewagen, der Schein von Fackeln, Laternen und Hoflampen ließ die Szenerie unwirklich erscheinen, wie ein Traumbild, das sicher gleich verschwinden würde. Emma konnte nicht mehr richtig denken. Worauf ließen sie sich hier ein? Warum gingen sie nicht einfach zurück nach Hause, lebten ihr Leben wie immer.
"Komm' Mutter, dort hinten sind Welks", Gerda zog sie mit sich und Emma spürte den festen Griff des Bauern, hauruck, und sie saß auf dem Bock. "Die Mädchen nach hinten aufs Brett", schrie er jetzt, zog seine Frau hoch, ließ stehend die Peitsche knallen und die beiden Pferde setzten sich in Bewegung.
Bauer Welks Gespann bildete die Spitze des Trecks, lodernd wiesen die beiden Pechfackeln den anderen den Weg.
Manche verrichteten schnell noch letzte Handgriffe: versteckten Schlüssel hinter losen Backsteinen, befreiten den Hofhund von der Kette, holten dem quengelnden Kind schließlich doch das Spielzeug.

Zwanzig, fünfundzwanzig Wagen rollten aus dem Dorf. Der scharfe Wind trug aus der Dunkelheit Fetzen von Weinen zurück. Die Tore schlossen sich, die Hoflampen erloschen. Josef, Wassili, Hanna, Viktor, Piet und der Polenjunge gingen ins Haus und warteten auf ihre Befreier.



...und dann wurde ich erschossen!

Geisterhaft und menschenleer lag Hartmannsdorf in der Nachmittagssonne. Ein warmer Regen hatte eben aufgehört, Wind strich leise durch die Wipfel der Linden an der Dorfstraße. Die Luft war mild und klar. Ein paar befreite Kühe standen herum, Stallhasen fraßen an Grasbüscheln vor den Gartenzäunen.
Mit leisem Quietschen öffnete sich ein Hoftor. Tischlermeister Friedrich Heide, einen Strauß roter Tulpen in der Hand, und seine Ehefrau Anna traten heraus.
"Mensch, Friedrich, was habt ihr denn vor? Seht mal zu, dass ihr in den Keller kommt, wer weiß, was heute hier noch los ist!" Freundlich aber bestimmt, schob Fritz Frau Heide zurück auf den Hof.

"Fritze, gottseidank biste da, du als Bürgermeister, du musst sie doch empfangen, das muss doch alles offiziell sein!" Friedrich Heide, ungefähr siebzig, ehedem gebürtig aus Thorn, war ganz zittrig vor Aufregung und seine Stimme überschlug sich.
"Wen muss ich empfangen?" Fritz verstand nicht.
"Na die Russen, Mensch, die sind schon über die Spree, überall haben sie ihre Stalinorgeln aufgestellt, die sind jeden Moment hier. Wir haben sie aus dem Bodenfenster beobachtet, schon heute früh. Wegen nischt ist doch die SS nicht weg!"

"Mach" kein" Quatsch, Friedrich, wer weiß, was ihr gesehen habt!" Fritz brach am ganzen Körper der Schweiß aus. Die Russen empfangen! Wie hat man sich das vorzustellen? Mit einem Tulpenstrauß? Was hatte Alfred vor ein paar Tagen gesagt? "Ortsgruppenleiter und Bürgermeister sind für sie die größten Faschisten!"
Nur noch aus der Ferne hörte man Geschützdonner, der nahe Beschuss hatte aufgehört.

Frau Sielisch kam angeradelt. Vom Melken käme sie, sei auf dem Weg zurück in den Wald. Nein, SS habe sie nicht gesehen, auch keine Russen. Aber die Brücken seien kaputt.
Jammernd und schimpfend fuhr sie davon.
Frau Heide war wieder aus dem Hoftor getreten. "Da kommt doch was, hört ihr nicht, pssst."
Ein Motorengeräusch. Ein Motorrad. Noch entfernt, aber deutlich zu hören. Langsam kam es näher. Jetzt war es zu sehen. Mit Beiwagen, vier Mann, einer breitbeinig hintendrauf. Gewehr im Anschlag. Nochmal vier zu Fuß hinterher. Russen. Acht Soldaten der Roten Armee auf der Hartmannsdorfer Dorfstraße.

Ohne es zu bemerken, war Fritz mitten auf die Straße gegangen. Er stand wie gelähmt von diesem Anblick. Sein Kopf war leer. Etliche Meter vor ihm hielten sie an. Der Fahrer stieg ab, kam auf ihn zu.
Pistole am Koppel, die anderen sicherten seitwärts und richteten die Gewehre auf ihn und Heides.
Der Mann war groß und schlank, trug hellbraune, blanke Stiefel zur tadellosen Uniform. Die Hände auf dem Rücken stand er stumm da, blickte Fritz mit klugen, braunen Augen ins Gesicht.
Heide kam mit einigen Verbeugungen heran, hielt dem Mann die Tulpen hin, der würdigte ihn keines Blickes und ein anderer nahm die Blumen, steckte sie in sein Koppel, scheuchte Heide wieder weg.

"Sind Sie der Bürgermeister?" Wie aus weit entlegenen Fernen hörte Fritz die Frage, dachte noch, perfektes Deutsch.
"Jawohl, ich bin der Bürgermeister von Hartmannsdorf, Fritz Krüger." Er machte einen Diener.
"Sind Soldaten und Waffen im Dorf?"
"Nein, seit heute Morgen sind alle weg."
"In Kürze werden wir das Dorf besetzen. Sorgen Sie dafür, dass überall weiße Fahnen gehisst sind, dann wird Ihnen nichts passieren."
Mit nach rückwärts gerichteten Gewehren verließ der Trupp das Dorf auf gleichem Wege.

Ein deutsches Flugzeug drehte über die Dorfstraße ein, hämmerte eine Salve in den Straßensand.



Woennoplennyj

Anfang April 1946, als es nur zwanzig Grad hatte, erfror sich Hermann den vorletzten linken Zeh und handelte sich damit einen Wutausbruch des Natschalniks ein. Er brüllte etwas von Sabotage und Arbeitsverweigerung, ja sogar von Spionage und gipfelte in der Drohung, Hermann vors Kriegsgericht zu stellen. Das Nagelbett war dunkellila-gelblich am Abfaulen und Alexander, der deutsche Lagerarzt von Polga entschied: "Hermann, bevor sich der ganze Fuß entzündet, nehmen wir den Zeh ab. Sicher ist sicher. Komm" mal morgen früh, ich habe auch ein bisschen Äther."

Hermann lag die ganze Nacht wach und besah sich andauernd seinen Zeh, befühlte ihn, rieb ihn, machte ihn mit Spucke sauber, holte sich eine Handvoll Schnee, vergrub ihn darin und tauchte ihn anschließend in heißes Wasser. Taub war er nicht, kribbelte auch nicht, war nur ganz weiß mit schwärzlichem Nagel, der an den Rändern blutete. War das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

"Hermann, mach" doch nicht so ein Theater mit deinem Zeh! Wenn der Doktor meint, er muss ab, dann wird"s schon stimmen. Ist doch nicht schlimm, außerdem haste 'ne schöne Zeit im Lazarett", maulte Willi, der jetzt endlich schlafen wollte und fast neidisch schien. Aber Hermann trieb es um, an Schlaf war nicht zu denken und als die anderen Appell standen, ging er zu Alexander.
"Leg" dich hin Hermann, sobald wir wieder Strom haben, kommst du an die Reihe. Die Purga gestern hat alle Leitungen zerfetzt. Ich komm" gleich nach dir sehen." Manche sagten, das Polarlicht habe das irdische Teufelslicht mit sich genommen.

Alexander hatte im Lager keinen guten Ruf, er galt als Metzger, wenn auch als einer mit Herz. Angeblich liebte er es, Beine mit dem Fuchsschwanz zu amputieren, da wäre er in seinem Element, munkelte man.

Hermann lag angenehm weich und zugedeckt auf einem Strohsack und starrte die Glühbirne über dem groben Tisch an, der als Operationstisch diente. Sie blieb dunkel. Einerseits war er froh darüber, andererseits verlängerte es die Zeit seiner Angst.

Nach anderthalb Tagen des Wartens kam eine Abordnung der Lagerleitung und drei "Blaue", wie man die NKWD-Offiziere nannte. Sie durchsuchten routinemäßig das Lazarett nach Simulanten, Drückebergern und Doktor-Lieblingen. Hermanns Zeh beeindruckte sie nicht; er könne damit sehr wohl seiner Arbeit im Wald nachgehen. Der Doktor entgegnete, es bestehe die Gefahr einer Sepsis und Hermann beteuerte, er habe große Schmerzen.
Ein "Blauer", bisher im Hintergrund, offenbar der Ranghöchste, trat dicht an sein Bett. "Hättest du zu deinem Hitler gesagt: Mein Führer, ich habe einen erfrorenen Zeh, ich kann nicht in den Krieg ziehen?" Hermann sah ihn entgeistert an, fand keine Antwort. Dann bekam er die freundliche Bemerkung zu hören: "Na siehst du, also steh" auf und tu deine Arbeit."
Seinen Zeh hat Hermann heute noch.






Rezensionen – Angela Kiefer-Hofmann: Vielleicht morgen

Mit ihrem neuen Buch ... greift Angela Kiefer-Hofmann noch einmal in den Fundus einer 10-jährigen Recherche in den Dörfern und Gemeinden zwischen Oder und Spree mit der Frage: Wie war es damals in jener "Zeit der Wegelosigkeit?" ... weiterlesen
Frances Hurthe, Spreebote vom 22./23.11.2008


Vom ersten und zweiten Leben
Auf über 300 Seiten schildert die Fürstenwalder Autorin Angela Kiefer-Hofmann Erlebnisse der "kleinen Leute", die von ihr noch als Zeitzeugen befragt werden konnten ... weiterlesen
Elke Lang, Märkische Oderzeitung vom 18.11.2008



Heinrich Brückner, Kinderarzt




Mit ihrem neuen Buch „Vielleicht morgen. Geschichten vom Überleben 1945“ greift Angela Kiefer-Hofmann noch einmal in den Fundus einer 10-jährigen Recherche in den Dörfern und Gemeinden zwischen Oder und Spree mit der Frage: Wie war es damals in jener „Zeit der Wegelosigkeit?“, wie Scholochow schrieb.
Knapp hundert Menschen hat sie befragt und über Lebenswege aus traumatisierten Erfahrungen, unvorstellbaren Ereignissen aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, mit diesen wahnsinnigen Brüchen und Umbrüchen, erfahren.

Mit ihrer Recherche war die sehr präzis arbeitende Frau auf der Suche nach Zusammenhängen und Kausalitäten, die sich in der Biografie ganz normaler, nicht prominenter Menschen spiegeln.
„Der Bodensatz der Geschichte ist immer das Unglück der einzelnen.“ Dieser Satz aus Christa Wolfs „Der geteilte Himmel“ bestätigt sich auch in den Erzählungen des neuen Buches von Angela Kiefer-Hofmann.

Diese individuellen Geschichten bettet sie in eine akribische und zugleich schonungslose Beschreibung historischer Fakten ein. Das macht ihren Schreibstil so spannungsreich und interessant.
In „Vielleicht morgen“ setzt sie sich wieder mit den Geschichten von Menschen und ihren Schicksalen auseinander, bringt unvorstellbare Ereignisse aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges ans Tageslicht und stellt dessen Folgen dar.

Die Geschichten gehen unter die Haut, sind detailreich und mitreißend geschrieben. Das sie authentisch sind, spürt man. „Den Menschen selbst war es ein Anliegen, ihre Geschichte zu erzählen“, sagt die Autorin. Die Leser erfahren, wie es ist, von heute auf morgen, von jetzt auf gleich, den Boden unter den Füßen zu verlieren, sein ganzes Hab und Gut aufzugeben und sich daran zu gewöhnen, dass nichts mehr an Ort und Stelle ist.
In ihren Büchern stehen die Menschen im Mittelpunkt ... zum Beispiel die Geschichte eines damals erst 15-jährigen Mädchens namens Gretchen Holpert, die der Autorin ihre Lebensgeschichte so authentisch erzählte, als sei alles erst gestern geschehen.
Eine Ehre war es somit für die Autorin, das damals so junge Mädchen an diesem Wochenende bei ihrer Lesung begrüßen zu können und ihr noch einmal für die langen Gespräche zu danken, die das Buch erst zu dem gemacht haben, was es jetzt ist.
Denn ihre Berichte und Erfahrungen aus dieser Zeit zeigen, wie es sich wirklich hier in unserer Umgebung zugetragen hat.

„Vielleicht morgen“ – ein absolutes Meisterwerk, wie ich finde, welches jeden von uns von der ersten Seite an berührt und uns unsere Geschichte durch Zeitzeugen näher bringt
Frances Hurthe, Spreebote vom 22./23.11.2008



Vom ersten und zweiten Leben

Auf über 300 Seiten schildert die Fürstenwalder Autorin Angela Kiefer-Hofmann Erlebnisse der "kleinen Leute", die von ihr noch als Zeitzeugen befragt werden konnten. Einige der heute Hochbetagten kamen am Sonntag auch zur Buchpremiere der Saarower Galerie KunsTRaum.

Bereits 2004 hatte die Autorin mit "Niemandszeit. Ein märkisches Lesebuch" Zeitzeugenberichte aus dem Krieg und der Nachkriegszeit veröffentlicht, damals von Menschen aus Markgrafpieske.
Dieses neue Buch sei keine Fortsetzung sonder eine Weiterführung des Themas "aus Respekt vor den Menschen, die mir ihre Geschichte anvertraut haben", so die 54-jährige gebürtige Fränkin. Sie habe die Menschen diesmal über einen längeren Zeitraum begleitet als für das erste Buch.
Und um "die kleinen Geschichten in den Kontext der großen Geschichte" zu bringen, hat die Autorin ... auch in Bibliotheken und Archiven recherchiert.

Der Titel "Vielleicht morgen" signalisiert Hoffnung und Skepsis in einer Zeit, die von den Menschen als eine Wendezeit erlebt wurde. Von einer "Familienzeitrechnung" ist da die Rede mit einem "ersten und zweiten Leben". Es werden Erinnerungen an schreckliche Erlebnisse wach, so an die Nacht der Morde vom 21. zum 22. April 1945 durch die SS in Hartmannsdorf, der 16 Menschen zum Opfer fielen.
Aber es gibt auch Begegnungen, die "ein bisschen heiter" sind, dazu gehört die Geschichte vom Umsiedler Erich, der in seiner neuen Heimat aufgenommen wurde und eine Familie gründen konnte.

In Angela Kiefer-Hofmanns Buch gibt es sowohl sachliche historische Lageberichte und Dokumente, als auch emotional bewegende und fesselnd geschriebene Erzählungen. Auch wenn die Orte der Handlung vor allem auf das Fürstenwalder Umfeld und die Neumark begrenzt sind, "spiegelt sich bei diesen Einzelschicksalen sehr charakteristisch das Große im Kleinen", wie Christian Pieta, Leiter des KunsTRaums befand.
Elke Lang, Märkische Oderzeitung vom 18.11.2008







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