Bücher aus dem Verlag Die Furt

AutorenKontakt750 Jahre Frankfurt (Oder)antiquarische Bücher

Helmut Preißler
So viel Leben
Gedichte. Eine späte Auswahl.

Schreibend denkt es sich gründlich und tief, wird Verständigung möglich. Durch das Schreiben lernte ich mich und die Menschen, also mich in der Welt, besser verstehen, und durch das aufgeschriebene und gedruckte Wort habe ich die Möglichkeit, mit anderen und mit mir selbst verbindlicher umzugehen. Schwarz auf weiß ist festgehalten, was mich in den verschiedenen Lebensaltern bewegte, was ich befürchtete und erhoffte, was ich befördern oder verhindern wollte. Schwarz auf weiß stehen meine moralischen und ethischen Maximen, ist zu lesen, wie ich wünschte, wie die Gesellschaft und wir Menschen, also auch ich, beschaffen wären.
(Helmut Preißler)

Helmut Preißler: So viel Leben. Gedichte. Eine späte Auswahl. Paperback, 112 Seiten, Format 12 x 21 cm
Preis 9,80 Euro       ISBN 978-3-933416-92-6






Leseprobe– Helmut Preißler: So viel Leben

Reverenz vor Saint-Exupery
Ich will mit dir leben
Den Freunden
Kinder bitten
Bitte im Frühling




Reverenz vor Saint-Exupery

Einst lag ich am Waldrand,
vor mir ein goldenes Herbstfeld.
Aus dem Wald kam ein Fuchs.

Er war gar nicht scheu. Er sprach:
Sie sind kein Jäger, das freut mich.
Wer hat sie gezähmt?

Ich fand den Namen nicht. Ich sagte:
Eine Liebe vor Zeiten. Er nickte:
Der mich zähmte, ist fern.

Er blickte zum Himmel. Ich wusste
plötzlich, woher ich ihn kannte.
Ich sagte: Er ist bei der Rose.

Ja, bei der Rose. Der Fuchs
kam mir ganz nahe. Er sprach:
Du siehst mit dem Herzen.

Lau war der Tag. Wir lagen
lange am Waldrand, vor uns
des kleinen Prinzen goldenes Haar.
(1988)



Ich will mit dir leben,
hoff, dass Glück gelingt.
Manches wird es geben,
was uns Kummer bringt.

Nach misslungnen Tagen
mach den Abend gut,
quäl mich nicht mit Fragen,
gib statt Tadel Mut!

Such, wenn wir uns streiten,
nicht lang nach der Schuld.
Finde Zärtlichkeiten.
Liebe will Geduld.
(1976



Den Freunden

Wie ich die Schwalben beneide,
die nach dem Süden ziehn,
wenn verglimmt die Heide,
und die Wälder verglühn.

Wie ich im Herbst schon frier!
Wie mir's vor'm Winter graut!
Wurde es kälter dahier?
Oder nur dünner die Haut?

Winter bringt mancherlei Plagen.
Welch Glück: Wir sind nicht allein!
Immer in kälteren Tagen
wärmt Freundlichsein.
(1997)



Kinder bitten

Alle Erwachsenen
solln sich vertragen!
Kein Größerer darf
einen Kleineren schlagen!

In Kummer und Leiden
soll kein Mensch allein sein!
Wo Menschen weinen,
darf kein Herz aus Stein sein!

Kein Stärkerer darf
einen Schwächren vertreiben!
Die Städte solln heil,
Wald und Wiese grün bleiben.

Heut
und noch übermorgen!
Wollt bitte dafür sorgen!
(1999)


Bitte im Frühling

Was Amseln in Frühlingstagen
einander flöten und sagen,
das soll keine Sprache sein?
Mir redet ihr das nicht ein.

Hört: Es klingt wie Erzählen,
wenn sie die Tonfolgen wählen.
Und wie sie die Sätze austauschen:
Wie sie einander lauschen:

Nein, mir erzählt ihr das nicht,
dass nur Menschen sich etwas sagen.
Lauscht in den Frühlingstagen
den Amseln!
Ach, ihr Gescheiten,
die ihr Atomkerne sprengt
und Schiffe zu Sternen lenkt,
hört, wie das tönt über Weiten,
morgens, noch ehe es tagt!

Was wohl die Amsel
dem Amsel sagt,
wenn ich durch schallenden
Jubel erwache.

Ihr Klugen, tut mir den Gefallen:
Entschlüsselt die Amselsprache
und die Lieder der Nachtigallen!
(1987






[Gesamtverzeichnis]   [Startseite]



Menschenherz
Leseprobe
Der Autor