Bücher aus dem Verlag Die Furt

AutorenKontakt750 Jahre Frankfurt (Oder)antiquarische Bücher

Hermann Trebbin
Müllrose

Aus den Schicksalen und Kämpfen einer märkischen Landstadt

Fast 70 Jahre nach dem Erscheinen der ersten Müllroser Stadtgeschichte aus der Feder des Lehrers und Regionalhistorikers Hermann Trebbin im Jahr 1934 legt die Stadt Müllrose im Jahr 2003 mit der Neuherausgabe des Buches "Müllrose – Aus den Schicksalen und Kämpfen einer märkischen Landstadt" den ersten Band der damit begründeten Reihe "Schriften zur Geschichte der Stadt Müllrose und ihrer Umgebung" vor.

Hermann Trebbin: Müllrose – Aus den Schicksalen und Kämpfen einer märkischen Landstadt. Erw. Nachdruck der Ausgabe von 1934. Herausgegeben von der Stadt Müllrose im Verlag Die Furt, Jacobsdorf 2003. Paperback, 232 Seiten, Format 15,5 x 23 cm. Mit zwei historischen Karten und ausführlichem Register.
Preis 12,50 Euro       ISBN 978-3-933416-45-2



- - - vergriffen - - -




aus dem Inhalt Hermann Trebbin: Müllrose


Bis heute ist es niemand wieder gelungen, derart kenntnisreich, umfassend und detailliert über die Geschichte Müllroses zu berichten. Fast alle, die nach ihm kamen griffen weithin auf Trebbin und sein Standardwerk zurück. Das Buch ist heute ein unverzichtbares Grundlagenwerk für alle, die sich mit der Geschichte der Stadt Müllrose befassen wollen.
Dem Buch wurden zwei Karten – von 1844 und 1934 – hinzugefügt, die die Stadtentwicklung innerhalb von ca. 100 Jahren dokumentieren.
Um den umfangreichen Text besser nutzbar zu machen, wurde dem Text gleichzeitig ein umfangreiches Register angefügt.








Rezensionen Hermann Trebbin: Müllrose


Schicksale einer Landstadt

Hermann Trebbins Buch über die Geschichte Müllroses ist als Nachdruck im Verlag die Furt erschienen
Eine enge Furt, durch die sich die wichtigsten Handelsstraßen drängten, das war das wendische Melrade, Molrasen, Melrace Mitte des 13. Jahrhunderts als es zur Stadt erhoben wurde: Müllrose im Tal der Schlaube. Trotz seiner bemerkenswerten Infrastruktur hat es der Ort immer schwer gehabt, nicht zuletzt wegen seiner starken Nachbarn Frankfurt und Beeskow.

Dass wir heute diese fast 650-jährige Geschichte nachvollziehen können, verdanken wir Hermann Trebbin, dem einstigen Lehrer und Rektor der Müllroser Schule von 1910 bis 1930. Er hat sich nach seinem krankheitsbedingten Ausscheiden aus dem Schuldienst mit Fleiß seinem Hobby verschrieben und die Regionalgeschichte erforscht. 1934 erschien sein Buch Müllrose. Aus den Schicksalen und Kämpfen einer märkischen Landstadt. 1937 und 1939 folgten die ersten beiden der auf drei Bände geplanten Reihe „Aus der Vergangenheit des Kreises Lebus und der Stadt Frankfurt an der Oder“. Krieg und Nachkrieg verhinderten weitere Publikationen, 1954 starb Trebbin und liegt in Müllrose begraben.

Die Stadt hat nun einen Nachdruck von Trebbins Müllrose-Buch initiiert, im Verlag die Furt ist der als Band 1 der Schriften zur Geschichte der Stadt Müllrose und ihrer Umgebung erschienen. Nicht nur wissenschaftliche Akribie kann man dem Autor nachsagen, sondern muss ihn auch loben für die lesefreundliche Aufarbeitung der trockenen Fakten. Es liest sich spannend, was Trebbin in alten Akten fand und mit manch einer Anekdote würzte.

Von Krieg und Streit und Schacher ist darin seit der Stadtgründung 1275 allzu oft die Rede. Müllrose geriet unter die Herrschaft der Gutsherren von Burgsdorff und unter den Krummstab der Lebuser Bischöfe, blieb jahrhundertelang eine, wie der Autor bedauert, „Mediat- oder mittelbare und als solche eine unfreie Stadt. Das war ein Zustand, der die von diesem Schicksal Betroffenen je länger, desto mehr wurmen musste“.

Eines der Kapitel ist also Müllrose im Kampfe um Recht und Freiheit überschrieben und weiß sogar von einer Revolution im Jahr 1700 zu berichten. Unter ihren Anführern, den Schuhmachern und Ratsherren Hans Hoffmann und Paul Schwerdtner, lehnten sich die Müllroser gegen das kurfürstliche Amt in Biegen auf, wollten der Obrigkeit keine Dienste mehr leisten, „auch mit Gewalt die Mühlenpächte wegnehmen“ und den Zoll dazu. Es kam, wie es kommen musste, die Rädelsführer wurden arretiert und noch verunglimpft wegen ihres angeblich schlechten Lebenswandels.

Nicht nur Vorteile hatte das Städtchen auch vom großen Graben, den Kurfürst Friedrich Wilhelm zwischen Oder und Spree bauen ließ und damit die Pläne Kaiser Karl IV. vollendete, eine durchgehende Wasserstraße von Schlesien bis Hamburg ans Meer zu schaffen. Immerhin grub der Große Kurfürst damit Müllroses Erzfeind Frankfurt das Wasser ab. Doch es dauerte noch lange, bis sich der kleine Nachbar das Recht erkämpft hatte, eigene Handwerksinnungen zu gründen.
Schließlich hatten die Müllroser zu leiden unter den „russischen Horden“ und den „französischen Völkern“, die die Kriege des Großen Friedrich und die Eroberungen Napoleons ins Land trugen. Nur langsam erhole sich nach der Stein’schen Städteordnung das Selbstbewusstsein der Müllroser. Doch sie kämpften beharrlich um ihren Wald, die einzige sichere Einnahmequelle der Kommune, um die „Fischereigerechtigkeit“ und gegen die hohen Steuern, die ihnen das königliche Rentamt aufdrückte. Mit viel Mühe und sehr spät bekamen sie ihre Chaussee, die die gefürchteten Müllroser Knüppeldämme ablöste, den Anschluss an Eisenbahn und Telegrafennetz.

In den Kapiteln Gewerbliches und Wirtschaftliches zeichnet Trebbin die vielen Niederlagen und die wenigen Erfolgsgeschichten bis in seine durch hohe Arbeitslosigkeit gezeichnete Gegenwart nach. Er zitiert etwa den Bürgermeister, der sich 1855 gegen den Vorwurf wehrte, dass die Sparkasse keine Einnahmen habe. Verbittert schrieb er, dass die Kritiker „keine Ahnung von den Entbehrungen der kleinen Stadtbewohner haben, die bei Handarbeit bei höchst dürftigem Verdienst darben – trockenes Brot gehört zu den Leckerbissen, Butter und Schmalz ist nicht zu bezahlen (...) Zigorienwasser und eine Kartoffel zum Frühstück, eine Kartoffelsuppe mit einem Stückchen Häring das Mittagsmahl, abends Kartoffeln mit Häringslake keine Ahnung von den Entbehrungen der kleinen Stadtbewohner haben, die bei Handarbeit bei höchst dürftigem Verdienst darben – trockenes Brot gehört zu den Leckerbissen, Butter und Schmalz ist nicht zu bezahlen (...) Zigorienwasser und eine Kartoffel zum Frühstück, eine Kartoffelsuppe mit einem Stückchen Häring das Mittagsmahl, abends Kartoffeln mit Häringslake – das ist die Nahrungsweise bei dem größten Theil der Einwohner„. das ist die Nahrungsweise bei dem größten Theil der Einwohnerx.

Historiker Dirk-Marko Hampel, der den Nachdruck des Müllrose-Buches redaktionell einrichtete, hat mit einem Sach- und Personenregister das Studieren der Stadtgeschichte erleichtert. Er hat in den Band auch Trebbins Vorwort „Warum das Buch geschrieben wurde“ aufgenommen. Und das erklärt besser als jeder zeitgenössische Kommentar, wie selbst Heimatgeschichte für die Politik instrumentalisiert werden kann. „Es ist die felsenfeste Überzeugung des Verfassers, daß unser Volk mit dem unseligen Ausgang des letzten Krieges nie so tief gesunken wäre, wenn es aus der Vergangenheit von Heimat und Vaterland mehr gelernt (...) hätte„, räsoniert der Deutschnationale. Und er setzt auf das kommende „goldene Zeitalter“. Trebbin hat es durchlitten, musste begreifen, dass er selbst aus der von ihm so vortrefflich beschriebenen Geschichte falsche Schlüsse gezogen hat.
Anni Geisler, Brandenburger Blätter, Beilage der Märkischen Oderzeitung vom 23. April 2004



Als besondere Überraschung präsentierte Bürgermeister Werner Karrasch auf dem Neujahrsempfang das erstmals seit 1934 wieder aufgelegte Buch von Hermann Trebbin „Müllrose – Aus den Schicksalen und Kämpfen einer märkischen Landstadt“. Der letzte Leiter des Müllroser Heimatmuseums, Dirk-Marco Hampel, hat den ersten Nachdruck mit einem umfangreichen Sach- und Personenregister versehen, so daß es besonders für Müllroser einiges zu entdecken geben wird.
Märkische Oderzeitung vom 11. 01.2004





[Gesamtverzeichnis]   [Startseite]




aus dem Inhalt
Rezensionen
Der Autor