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Detlef Fechner
Wittbrietzen in alter Zeit

Die Einwohner des gut 800 Jahre alten Dorfes Wittbrietzen haben in ihrer langen Geschichte gewiss viel Segen und ebenso Unglück in ihren Häusern sowie auf ihren Höfen und Feldern erlebt. Und doch will es scheinen, soviel wir von dieser Geschichte jedenfalls wissen, dass es kaum längere Zeiten gegeben hat, da hier nicht gesät und geerntet wurde und so der Fortbestand des Dorfes und das Leben seiner Bewohner gesichert werden konnten. Ein gewiss gnädiges Schicksal, welches vielen Dörfern in Brandenburg nicht vergönnt war, da sie gänzlich von der Landkarte verschwunden sind oder über Jahrzehnte wüst und leer lagen.

Eine wichtige Grundlage für dieses Buch bildet die handschriftliche Chronik des ehemaligen Dorfpastors Carl Leopold Knopff aus dem Jahre 1873.
Anlass für diese Schrift gab ein für die Kirchengemeinde und die Bewohner von Wittbrietzen großes Ereignis: Der originalgetreue Wiederaufbau der Kirchturmspitze von 1847 im Sommer 2004.

Detlef Fechner: Wittbrietzen in alter Zeit. 1. Auflage 2005. Broschur, 120 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Format 14,8 x 21 cm.
Preis 9,90 Euro       ISBN 978-3-933416-55-1








Rezensionen Wittbrietzen in alter Zeit


Große Ereignisse mit einer Festschrift zu würdigen, gehört hier zu Lande zu den guten Sitten. Dass der Anlass für solch einen Aufwand eine Kirchturmspitze ist, dürfte aber doch erstaunen. Allerdings handelt es sich um ein besonders graziles Türmchen. Es sitzt als Dachreiter auf dem starken Westturm der Kirche von Wittbrietzen im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Wann genau es auf das in seinen Ursprüngen romanische Gotteshaus hinaufkam, ist nicht mehr auszumachen, wahrscheinlich erst im 19. Jahrhundert. Es fehlte den Wittbrietzenern aber sehr, als es wegen Baufälligkeit Anfang der 90er Jahre vom Turm heruntergeholt werden musste. Sie ruhten nicht, sammelten mehr als 28.000 Euro – am 30. September 2004 wurde eine neue Spitze auf den Kirchturm gehievt.

Die geschichtsbewusste Dorfgemeinschaft zu feiern, machte sich Detlef Fechner, dessen Familie zu den Initiatoren des Unternehmens Kirchturmspitze gehörte, daran, in einer Festschrift zum Wiederaufbau alles bisher Bekannte über das Dorf seiner Kindheit zusammenzutragen. „Wittbrietzen in alter Zeit“, herausgegeben im Jacobsdorfer Verlag die Furt, erweist sich als sehr lesenswerte Dorfhistorie, märkische Geschichte en detail. Hoch interessant sind die Herrschaftsverhältnisse: vom Lehnschulzen zum Rittergutsbesitzer und nach dessen Bankrott die vom Preußenkönig Friedrich II. angesiedelten Neubauern.
Die Feldsteinkirche dokumentiert diesen Weg durch acht Jahrhunderte in besonderer Weise. Hier wurden wahrscheinlich die ersten lutherischen Predigten in der Mark gehört. Gutsherr Kaspar von Köckritz hat in einem Gewölbe unter der Kirche mit seinen Büchern, den Kampfschriften, auch einen Brief vom Reformator den nachfolgenden Geschlechtern hinterlassen. Der hier über die Taufe gehaltene Adam Christoph von Flanß (1664-1748) diente dem Großen Kurfürsten, dem preußischen König Friedrich I., dem Soldatenkönig und dem Alten Fritz als Offizier und starb 84-jährig als Kommandant von Königsberg. Friedrich Wilhelm IV. war selbst vor Ort, als 1847 die Kirche nach Umbauten für die gewachsene Gemeinde wieder eingeweiht wurde.

Mit wissenschaftlicher Akribie geht der Autor des lesenswerten Büchleins den historischen Spuren von Dorf und Kirche nach. Und er vergisst auch nicht, seinem Vorgänger als Ortschronist, dem Pfarrer Carl Leopold Knoppf, der von 1861 bis 1889 in Wittbrietzen wirkte, ein Denkmal zu setzen. Dessen handschriftliche Chronik aus dem Jahre 1873 war eine wichtige Grundlage für Fechners Festschrift „Wittbrietzen in alter Zeit“.
Anni Geisler, Märkische Oderzeitung vom 21.10.2005





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