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Christoph Adler

Gebrüder Rieche – eine norddeutsche Zinnfiguren Offizin in Wort und Bild

1866 gründete der Zinngießermeister August Ludwig Rieche in Hannover einen Betrieb zur Herstellung von Zinnwaren. Er wird aber sicher den Trend der damaligen Zeit hin zur Zinnfigur als bevorzugtes Knabenspielzeug erkannt haben und hat so auch Zinnfiguren prodzuziert und verkauft.
Ab 1903 folgten seine Söhne Ernst, August und Franz als Firmeninhaber. Franz (1880–1939) fungierte bis zu seinem Tode als Zeichner und Graveur von Zinnfiguren der Firma Rieche, die üblicherweise in der Norddeutschen Größe produziert wurden.
Vorlagen für seine Zeichnungen bzw. Gravuren lieferten oft Buchillustrationen oder historische Gemälde. Da die Zinnfiguren in der Zeit vor dem I. Weltkrieg vorwiegend als Spielfigur gedacht waren und nicht als Gegenstand einer exakten Geschichtsdarstellung, nahm man es mit der historischen Genauigkeit nicht immer so genau. Erst in den Jahren danach wurde zunehmend Wert gelegt auf eine historisch genaue Gravur der Figuren.

Mit dem II. Weltkrieg kam das Ende der Firma Rieche. Im Oktober 1943 wurden Geschäft und Werkstatt ausgebombt.
Der Autor hat das noch verfügbare Wissen über die Firma Rieche zusammengefasst. Auf mehr als 70 Tafeln werden ca. 1000 verschiedene Figuren der Rieche-Produktion gezeigt, beginnend mit dem Altertum bis hin zum Ersten Weltkrieg. Außerdem wird der Firmenkatalog von 1935 vollständig wiedergegeben.
Ein Buch für alle Freunde der Zinnfigur.

Christoph Adler: Gebrüder Rieche. Eine norddeutsche Zinfiguren Offizin in Wort und Bild. mit zahlr. farbigen Abb., 1. Aufl. 2005. Festeinband, 128 Seiten, Format 22,5 x 29,5 cm
Preis 36,80 Euro       ISBN 978-3-933416-54-4




drei Beispiele von mehr als 70 Abbildungen

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Rieche-Azteken, Bemalung von Leopold Rieche

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Deckblatt der Hauptliste von 1935
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Römerlager. Die abgebildeten Figuren sind von Franz Rieche selbst bemalt worden und haben im Schaufenster in der Osterstraße gestanden.






Rezensionen Gebr. Rieche – Eine norddeutsche Zinnfiguren Offizin



Die Welt in Blei gegossen

So wie Kinder heute mit Playmobil-Figuren spielen, freuten sich Generationen von ihnen über Zinnfiguren. Ob Cowboys, Ritter oder Soldaten – die Miniaturen brachten das Weltgeschehen in die Wohnstuben. Für den Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi war der kreative Umgang mit Zinnfiguren sogar ein Weg zum "Verständnis der Dinge". Frankreichs Sonnenkönig Ludwig XIV. besaß eine Miniaturarmee im Wert von 50 000 Talern. Auch Johann Wolfgang von Goethe, E. T. A. Hoffmann und Joachim Ringelnatz bekannten ihre Begeisterung für Zinnfiguren. Hans Christian Andersen setzte ihnen mit dem Märchen "Der standhafte Zinnsoldat" sogar ein literarisches Denkmal.

Um 1920 erhielt das Spielzeug jedoch eine neue Rolle. Erwachsene entdeckten die aus Legierung von Zinn, Blei und Antimon bestehenden Figuren als Sammelobjekte. Originale Miniaturen aus dem 18. und 19. Jahrhundert wechseln heute auf Börsen für horrende Summen ihre Besitzer. Besonders beliebt sind die Zinnfiguren aus der Werkstatt der Gebrüder Rieche in Hannover. Christoph Adler, Jahrgang 1942, ist es zu verdanken, dass das noch verfügbare Wissen über diese einst bedeutende Firma jetzt in gedruckter Form vorliegt. Der bei Aschaffenburg lebende Arzt hat die noch vorhandenen Quellen ausgewertet und sie in dem vom Jacobsdorfer Verlag Die Furt herausgebrachten Buch "Gebrüder Rieche – Eine norddeutsche Zinnfiguren Offizin in Wort und Bild" publiziert.

Der Band besticht nicht nur mit historischen Fakten, sonder erfreut den Leser insbesondere mit seinem Bildteil. Auf 73 Farbtafeln im A4-Format werden rund 1000 verschiedene Figuren der Rieche-Produktion gezeigt – von der Römerzeit über die Kreuzzüge bis zum Ersten Weltkrieg, von der Eroberung Mexikos 1502 über Szenen aus Deutsch-Südwestafrika bis zu arabischen Karawanen und Büffel jagenden Indianern in Nordamerika. Wahrlich ein Augenschmaus nicht nur für Zinnfiguren-Sammler. Die werden ihren Blick vor allem auf den – hier ebenfalls abgedruckten – Rieche-Hauptkatalog von 1935 werfen, um festzustellen, welches Stück ihnen noch fehlt.

Rieche-Figuren sind bei ihnen auch deshalb so beliebt, weil sie ein abgeschlossenes Sammelgebiet darstellen. Denn die 1866 von Zinngießermeister August Rieche gegründete und von seinen Söhnen Ernst, August und Franz fortgeführte Offizin wurde Anfang Oktober 1943 völlig zerstört. Und mit dem Bombenhagel gingen auch die schätzungsweise 19 000 Formen aus Schieferstein verloren, nur eine einzige blieb durch Zufall erhalten. Buchautor Adler, der selbst Zinnfiguren sammelt und restauriert, hat sein Wissen über die Gebrüder Rieche in informativer Kürze niedergeschrieben und um zeitgenössische Bericht ergänzt.

Das Auge des Fachmannes hat aber aucherkannt, dass es die hannöverschen Zeichner und Graveure mit der historischen Sorgfalt anfangs nicht so genau genommen haben. Bis zum Ersten Weltkrieg waren Zinnfiguren in erster Linie ja auch als Spielzeug gedacht und nicht als Gegenstand einer exakten Geschichtsdarstellung. So wurden die Vorlagen, meist Buchillustrationen oder Gemälde, recht frei übernommen. Erst später kamen kulturhistorische Figuren auf den Markt. Und hier brachte es die Rieche-Offizin zur Meisterschaft. Als Vorlage für die historisch getreue Gravur der 3,5 bis vier Zentimeter hohen Figuren, der sogenannten "Norddeutschen Größe", diensten zunehmend auch Museumsbestände.

Für Adler liegt der Reiz der Rieche-Figuren vor allem in ihrer handwerklich brillanten Ausführung. Er lobt ihre Detailtreue, die lebendigen und kraftvollen Bewegungen der Figuren, die bisweilen auch durch ihren naiven Charme auffallen. Dass die Rieche-Graveure Meister ihres Berufes waren, zeigt auch, dass sie auf den optisch störenden Steg verzichteten, der – wie bei Stücken aus anderen Werkstätten – die Figur mit dem Gussbrettchen verbindet. Das Buch ist nicht nur Orientierungshilfe für Zinnfiguren-Sammler, es ist auch ein Augenschmaus für jene, die sich die Weltgeschichte ins Wohnzimmer holen möchten.

Camillo Kupke, Märkische Oderzeitung vom 17./18. Dezember 2005






Neben einer Reihe von Bildern im einführenden Textteil gibt es 72 ganzseitige Farbtafeln im Forma DIN A 4 mit Figuren-Abbildungen! Und zu allen Bildseiten gibt es auch nähere Erklärungen, Erläuterungen. Es wurde speziell bei diesen Abbildungen darauf gesehen, möglichst das ganze Spektrum der Rieche-Produktion aufzuzeigen, sodass der interessierte Sammler nun endlich eine brauchbare Orientierungshilfe hat.

Die Kapitel "Zur Firmengeschichte", – Ein Besuch bei der Firma Rieche", Das Besondere der Rieche-Figur", "Die Figurenschachtel der Firma Rieche" und eine Produktionsübersicht sowie die Erläuterung der Produktionszeiten und die Wieergabe einer alten "Hauptliste" geben vollkommen ausreichende Informationen über diese im Bombenkrieg untergegangene Offizin, deren Firgurentypen zu einem leider unwiederbringlichen Teil der Geschichte der Zinnfigur geworden sind.

Unser Sammlerfreund Dr. Christoph Adler will mit diesem Buche nicht nur die Sammler musealer Figuren, sondern alle Freunde schöner Zinnfiguren endlich einmal zuverlässig über die Firma Rieche mit ihren Figuren "in norddeutscher Größe" zu informieren, aufzeigen, was das Besondere an den überlieferten Kleinoden ist. Und so entstand dieses wichtige, sehenswerte und sauber gedruckte Buch ...

Es bleibt also immer noch reichlich Platz für einen versierten Nachforscher, aber eine solche Fülle von Bildtafeln, wie sie uns jetzt zur Verfügung steht, kann auch die gescheiteste zusätzliche Hintergrundinformation nicht ersetzen ...

Vereinigung freie Zinnfigurensammler e. V. (Nürnberg), Sammlerbrief 7 und 8/2005





Auszüge aus Schreiben an den Autor Christoph Adler

... Zu diesem schönen und eindrucksvollen Werk möchte ich Ihnen von ganzem Herzen gratulieren. Dies ist ... eine großartige Bereicherung unserer Sammlerbibliothek. Ihr Text ... hat mich fasziniert, ebenso die ganze Gestaltung dieses Buches. Es ist wirklich ein Hochgenuss, in diesen vielen Abbildungsseiten herum zu stöbern und zu blättern ...
Dr. Jürg Breitenstein, Basel, Schweiz

... Es bietet einen wirklich schönen Gesamtüberblick über die Rieche-Figuren. Ich habe bereits mit Vergnügen darin geblättert und nehme es gerne in den Bestand der Museumsbibliothek auf ...
Norbert Steinau, Bomann-Museum Celle

Hoffentlich findet Ihr ausgezeichnetes Buch über die Firma Gebrüder Rieche mit ihren unvergesslichen Figuren eine weite Verbreitung im deutschsprachigen Raum. Ich nehme es oft zur Hand und freue mich immer wieder darüber ...
Wolfgang-E. Maillard, Hannover

Mit großer Freude und viel Vergnügen habe ich Ihr schönes Buch über die hannoversche Offizin Rieche und ihre Zinnfiguren gelesen und die gelungenen Farbtafeln betrachtet. Ein lange vernachlässigtes Thema wird so der Vergessenheit entrissen und erhält die ihm gebührende Aufmerksamkeit zurück ...
Gerrit Haase, Redaktion „Der Zinnbote aus Niedersachsen“






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