Bücher aus dem Verlag Die Furt

AutorenKontakt750 Jahre Frankfurt (Oder)antiquarische Bücher

Günter Kunert
Zisterzienserdörfer auf dem Barnim


Die Ansiedlung der Zisterzienser in der Mark Brandenburg beginnt im 12. Jahrhundert. Vom späten Mittelalter bis in die frühe Neuzeit gehörten die Dörfer Werder, Rehfelde, Zinndorf, Hennickendorf, Herzfelde, Lichtenow, Rüdersdorf, Kagel, Kienbau, Klosterdorf und Hönow den Zisterziensermönchen des Klosters Zinna.
Hier gab es keine einflussreichen adligen Gutsherren, was am Fehlen seiner Herrenhäuser und Schlösser abzulesen ist. An die Mönchszeit erinnern die Feldsteinkirchen in den ehemaligen Klosterdörfern.

Günter Kunert: Die Grüne Heide. Ein Beitrag zur Geschichte der Domäne Rüdersdorf. Auflage 2008. 138 S. mit zahlreichen Abb. Paperback. Format 14 x 20,5 cm.
Preis 10,50 Euro       ISBN 978-3-933416-77-3






aus dem Inhalt

Die Zisterzienserdörfer in der Mönchszeit

Mönche und Konversen, Klöster und Grangien
Die Abtei Zinna im Land Jüterbog
Der Barnimbesitz der Zinnaer Mönche
Klosterdörfer auf dem Barnim
Kagel – Kloster, Feldkloster, Grangie oder Wohnung?
Der Klosterhof in Klosterdorf
Der Hauptmann und der Schreiber der Mönche
Die Schulzen
Pfarrer, Kirchengemeinden und Kirchen
Vom Leben der Hufner und Kossäten
Vom Kalkgeschäft der Mönche



Die Zisterzienserdörfer als Dörfer der kurfürstlichen
und königlich-preußischen Domäne Rüdersdorf

Vom Leben der Bauern
Das Verlöschen bäuerlicher Familiennamen
Die Auswirkungen des 30jährigen Krieges
Königliche Domänenbauern und andere königliche Untertanen
Die königlichen Vorwerke von Rüdersdorf und Klosterdorf
Die Metamorphose der Abgaben
Namensverzeichnis der Hufner und Kossäten
Alte (preußische) Maße und Gewichte




Herzfelde
Herzfelde

Hönow
Hönow

Lichtenow
Lichtenow

Kloster Zinna
Kloster Zinna

Kloster Zinna
Kloster Zinna



Die elf Barnimdörfer des Kloster Zinna im Spätmittelalter

Herzfelde

Im Jahr 1279 ist Herzfelde erstmals erwähnt worden. Nach dem kaiserlichen Landbuch gehörten zum Dorf 1375 insgesamt 70 Hufen und 1471 die gleiche Anzahl. Mit gut 4½ Hufen waren die Herzfelder Hufner im Mittel also ebenfalls mit Land sehr gut ausgestattet, werden sie, wie die Hufner der Nachbardörfer, einen gewissen Wohlstand gehabt haben. 14 Hufner und acht Kossäten gab es im Herzfelde des Jahres 1471, was schließen läßt, daß damals in Herzfelde etwa 130 bis 150 Personen lebten. Vier Hufen des Dorfes gehörten dem Hauptmann der Mönche.
Das mönchische Erbregister erwähnt, daß im Dorf (einige) Bauern, "dem bischoffe" gehören, und darum diesem und gleichfalls dem Probst von Berlin abgabepflichtig waren. Dass die Herzfelder Bauern wie die der anderen Dörfer Wiesen besaßen war nicht außergewöhnlich, doch erwähnt wird, daß der Dorfschulze eine solche neben der Löcknitz "im sacke" besaß. Möglicherweise war mit dem Sack die Flur gemeint, die noch heute in Fangschleuse "der Sack" heißt.


Hönow

Auch dieses Dorf soll 1279 zum ersten Mal genannt worden sein. Im Landbuch Kaiser Karls IV. 1375 mit 118 Hufen erwähnt, gehörten nach dem Erbregister des Klosters Zinna 1471 die gleiche Anzahl Hufen zum Dorf, von denen 117 durch 17 Hufner bewirtschaftet wurden. Hönows Hufner des 15 Jahrhunderts besaßen durchschnittlich fast sieben Hufen Acker, ein außergewöhnlich hoher Landbesitz. Außer den Hufnern lebten 1471 in Hönow acht Kossäten, also insgesamt 25 Hufner- und Kossäten-Bauern. Rechnen wir im Durchschnitt auf eine Bauernfamilie sechs Personen, dann dürften im Hönow des Jahres 1471 mindestens um die 150 Menschen gelebt haben.
Hönow war von seiner Hufenzahl mit Abstand das größte und vielleicht auch das reichste der elf Klosterdörfer. Bereits 1375 gab es im Dorf zwei Krüge. Nach dem Landbuch Kaiser Karls hatten 1375 außer den Mönchen an Hönow mehrere andere, Adlige und Bürger, Rechte. Von Pacht und Zins gehörten den Mönchen nur zwei Drittel, ein Drittel dem Bürger Kregenfut aus Berlin, seit "undenklicher Zeit", wie es hieß. Die Bede* und die Wagendienste aus dem Dorf gehörten vor der Zeit des falschen Waldemars (vor 1348) denen von Kleptzik und denen von Greifenberg. Das Erbregister des Klosters Zinna erwähnt 1471 keine Rechte Dritter mehr, anzunehmen, daß die Mönche diese inzwischen für sich erworben hatten.

Bede – Abgeleitet von Bitte, bitten. Vom Landesherrn von den Ständen erbetene Abgabe, eine Steuer, die bald in eine ständige Abgabe umgewandelt wurde.


Kagel

Kagel war im Jahr 1471 mit seinen 24 Hufen – nicht gerechnet den Heideacker – auf nicht allzu ergiebigen Böden, von der Fläche gesehen, ein nur kleines Dorf. In ihm lebten neun Hufner, von denen, abgesehen vom Schulzen, jeder nur zwei Hufen Acker besaß. Mit seinen neun Hufnern und (außergewöhnlich vielen) 16 Kossäten dürfte das Dorf dennoch an die 150 Einwohner gehabt haben. Von den Hufnern und Kossäten hatten 20 von einem 117½ Morgen – umgerechnet etwa 2½ Hufen – großen sogenannten "neugemachten heideacker" einen unterschiedlichen Anteil Land gepachtet, beispielsweise der Kossät und Krüger Peter Ruprecht 17½ Morgen (der sich wahrscheinlich besser stand als mancher der kleinen Kageler Hufner) aber ein Hufner namens Hans Lange Claws nur 1½ Morgen.
Von den Bewohnern aller anderen Dörfer unterschieden sich die Kageler auch durch umfangreiche Rechte für den Fischfang in den das Dorf umgebenen Seen. Sie besaßen Kähne, wofür sie Kahnzins zahlten. Je sechs Hufner und sechs Kossäten hielten in den Gewässern als Fischfangeinrichtungen eine oder gar mehrere sogenannte "warten", womit wahrscheinlich eine Art Reusen gemeint waren.
Das Dorf hatte einen eigenen Wald, was nicht für alle Dörfer zutraf. Im Erbregister heißt es dazu:"Item das dorf hatt eygen gehötze, vom dorffe ahnn bis gen Hogebrug und gehet ringes umb Hogebrug her bis ahn den Mongkewinckel ". Es hat auch "ein holtz hinder dem Schultzen gerichte, bis an den Ulßenflies". Die heutige kleine Dorfkirche sowie das Fehlen einstiger Großbauerngehöfte bestätigen im nachhinein, dass Kagel im Mittelalter wohl nicht zu den reichen Dörfern zählte.


Kienbaum

Kienbaum, das 1394 der Bischof von Lebus gegründet haben soll, wurde um 1400 mit zwölf Hufen zum ersten Mal erwähnt. 1452 wird es erstmals Dorf des Klosters Zinna genannt. 1471 gehörten zu Kienbaum 24 Hufen, die im Besitz von zwölf Hufnern waren. Außerdem gab es im Dorf einen Kossäten. In späteren Jahren werden alle Kienbaumer Bauern "Kossäten" genannt werden.
Wahrscheinlich hatte das Dorf Kienbaum damals weit weniger als hundert Einwohner. Es war vor Lichtenow das zweitkleinste Dorf im Lehen. Nach dem Erbregister der Mönche zu urteilen, hatte Kienbaum 1471 noch keinen eigenen Pfarrer, eine eigene Kirche besaß es wohl auch noch nicht. Es wird berichtet, daß die wohl erste Kienbaumer Kirche, nachdem sie im 30jährigen Krieg abgebrannt war, am 24. Oktober des Jahres 1700 eingeweiht aber bereits 1769 wieder neu aufgebaut und erweitert worden ist. Bei Kienbaum "am Lyvenberge" an der Löcknitz befand sich, wie bei Rüdersdorf und Werder, eine Mühle. Sie gehörte mit Gericht und Pfarrrecht aber nicht nach Kienbaum sondern nach Zinndorf.


Klosterdorf

Es soll ereits 1241/51 im Besitz des Klosters Zinna gewesen sein. Im Jahr 1375 ist das Dorf als wüst liegend und als Besitz der Mönche von Zinna verzeichnet. 70 Hufen gehörten 1375 zum Dorf, die, obwohl das Dorf selbst ja wüst lag, den Mönchen Pacht und Zins einbrachten, weshalb angenommen wird, dass dieses Dorfes Acker von Nachbardörfern aus bewirtschaftet wurde.
Nach einer kurfürstlichen Urkunde lag Klosterdorf auch 1455 noch wüst, dennoch gehörten auch zu dieser Zeit daraus Einkünfte aus der Bede sowie sogar ein Teil der Dienste den adligen Brüdern Hans und Thiele von Löwenberg. Im Jahr 1471 gehörten zu Klosterdorf 74 Hufen, von denen aber nur 50 bewirtschaftet wurden, wahrscheinlich lagen die übrigen 24 Hufen noch immer wüst oder aber waren schon aus der landwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen worden, denn es werden in den Dokumenten der folgenden Jahrhunderte sogar nie mehr als 40 Hufen erwähnt.
Von den im Jahr 1471 bewirtschafteten Hufen des Dorfes gehörtenzwölf Hufen zum Hof des Klosters, 34 Hufen waren aber nun im Besitz von acht Hufnern des Dorfes, einschließlich Schulzen und Pfarrer, vier Hufen gehörten "auf Lebenszeit", wie zu lesen steht, dem Fredericus Cletzigk, wahrscheinlich identisch mit dem von Kleptzig, der auch in anderen Klosterdörfern Rechte besaß.
Mit acht Hufnern und acht Kossäten ist das Klosterdorf von 1471 zu den kleinen Dörfern des Klosterbesitzes zu zählen. Es könnte zu damaliger Zeit an die 100 Einwohner gehabt haben. Klosterdorf wird von vielen als Gründung des Klosters Zinna angesehen. Einen Beweis für diese Annahme gibt es nicht. Erstaunlich und beachtenswert aber die vielen Rechte Dritter (vor allem Adliger) in diesem Dorf, und das über viele Jahre, und ebenso erstaunlich, daß das Kloster nach der Mitte des 14. Jahrhunderts mehr als 100 Jahre gebraucht haben soll, um das Dorf endlich wieder zwischen 1455 und 1471, also erst nach der Mitte des 15. Jahrhunderts, neu mit Bauern zu besetzen.


Lichtenow

Das Dorf wurde als Lichtenowe erstmalig 1320/23 erwähnt. Das kaiserliche Landbuch verzeichnet Lichtenow im Jahr 1375 mit 25 Hufen als den Nonnen von Spandau gehörend und auch nach dem Schoßregister (Steuerregister) von 1450 war Lichtenow noch im Besitz des Nonnenklosters, es heißt darin: "Lichtenow yst der Junckfrawen czu Spandow". Mit seinen nur noch 17 Hufen, fünf Hufnern und drei Kossäten gehörte es 1471 dem Kloster Zinna und war mit Abstand das kleinste im Mönchlehen der Zinnaer auf dem Barnim.
In Lichtenow gab es im Jahr 1471 keinen Pfarrer, jedoch war im Landbuch des Kaiser Karl 1375 erwähnt worden, daß dem Lichtenower Pfarrer zwei Hufen Land gehörten.


Rehfelde

Rehfelde war schon in der Verbriefungsurkunde von 1247 erwähnt worden, mithin etwa 130 Jahre früher als die übrigen Zinnaer Klosterdörfer auf dem Barnim. Im Jahr 1375 hatte Rehfelde 74 Hufen, und neben den Hufnern, wir wissen leider nicht wie viele, lebten 1375 im Dorf, das auch schon damals seinen Krug hatte, neun Kossäten. Im Jahr 1450, nach dem Schoßregister, gab es im Dorf acht wüste also nicht bewirtschaftete Hufen.
Wie dem Erbregister der Mönche zu entnehmen, stieg bis 1471 die Hufenzahl Rehfeldes auf 84 Hufen, von denen aber nur 67 also nur vier Fünftel bewirtschaftet wurden, also 1471 fast genau so viele wie 1450. Weil in späteren Jahren nie mehr als 69 Hufen bewirtschaftet wurden, ist davon auszugehen, daß die 1471 wüsten Hufen fernerhin wüst blieben, wohl richtiger gesagt, aus der landwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen worden sind.
Die durchschnittliche Hufenausstattung Rehfeldes war 1471 etwa gleich groß wie die der Nachbarn Werder und Zinndorf, aber mit seinen 15 Hufnern und sieben Kossäten hatte Rehfelde 1471 vermutlich nur etwa 130 Einwohner. Im Jahr 1375 gehörten Bede und Wagendienste des Dorfes einem Ritter Jan von Wulkow, alle übrigen Rechte den Mönchen von Zinna, und 1471 waren die Rehfelder neben den Mönchen denen von Krummensee abgabepflichtig. Eine Hufe im Dorf gehörte dem Hauptmann der Mönche.


Rüdersdorf/Altena

Rüdersdorf wurde als Roderstorp 1308 und 1319 erstmalig erwähnt. Ursprünglich zwei Dörfer, gehörten zu beiden dicht aneinander liegenden Dörfern (daher wohl auch der Name "Altena") 1375 insgesamt 104 Hufen, 40 in Altena und 64 in Rüdersdorf. Nach dem Erbregister des Jahres 1471, gemeinsam als ein Dorf aber doch in zwei Teilen getrennt aufgeführt, besaßen sie nur noch 97 Hufen, davon gehörten weiterhin 64 nach Rüdersdorf und 33 nach Altena, das zwischen 1375 und 1471 sieben Hufen "verloren" hatte. "Es scheint als ob die übrigen Höfe, vielleicht bei dem Einfalle der Hussiten in den Barnim 1432 eingeäschert und wüst geworden sind."
Für Rüdersdorf wird der Schulze namentlich genannt, wie in den anderen Dörfern auch, für Altena wird nur noch ein Schulzenhof erwähnt, den möglicherweise der Rüdersdorfer Schulze mit bewirtschaftete. Altena war, was die Bewirtschaftung des Ackers betrifft, 1471 jedenfalls nicht im ganzen wüst, sondern ist wohl mit Rüdersdorf zu einem Dorf vereint anzusehen.
1471 lebten in der "gemeinsamen Gemeinde" nur (noch) elf Hufner und sechs Kossäten (1375 waren es allein in Altena zwölf Kossäten gewesen). Rüdersdorf/Altena hatte um 1471 schätzungsweise etwa nur 100 Einwohner. Die Hufner bewirtschafteten 91 von den 97 Hufen des Dorfes, mit rund gerechnet 8¼ Hufen im Durchschnitt, eine für damalige Verhältnisse ungewöhnlich große Hufenzahl. Es war der im Mittel größte Landbesitz je Hufner von allen Klosterdörfern des Klosters Zinna auf dem Barnim.

Im kaiserlichen Landbuch von 1375 wird mit sechs Hufen in Rüdersdorf ein Hof der Mönche erwähnt. In Rüdersdorf wohnte der Hauptmann der Mönche, der im Jahr 1471 in Rüdersdorf drei Hufen und drei Hufen (manchmal werden zwei Hufen angegeben) in Altena besaß. Anzunehmen, daß Hof der Mönche und Besitz des Hauptmanns der Mönche identisch waren. Der Schreiber der Mönche wohnte – auch 1471 – in Altena, womit ebenfalls bewiesen sein dürfte, daß dieser Ort, oder wenn man so will Ortsteil, zu jener Zeit noch existierte.
Nach der Interpretation verschiedener Autoren hätten die Zinnaer, als sie vom Kalkvorkommen bei Rüdersdorf erfuhren, ihren Sitz von Kagel nach Rüdersdorf verlegt. Wir haben also zu unterscheiden zwischen einer "Wohnung" der Mönche in Kagel in der Anfangszeit, gefolgt von einer solchen in Rüdersdorf, die wahrscheinlich von Anbeginn ihrer Gründung Sitz des Hauptmanns der Mönche war.

Der Wald südlich von Rüdersdorf bis zur Löcknitz gehörte den Mönchen, den sie aber nicht planmäßig bewirtschafteten, aus dem sie Holz nur für den eigenen Bedarf entnahmen. Die Rüdersdorfer Bauern aber durften darin ihr Vieh weiden. Am Stienitzsee hatte das Kloster Zinna eine Mühle, auch "Mühle zu Tasdorf" genannt, auf Zeit verpachtet. Diese Mühle gehörte mit allen Rechten zum Gericht und zur Pfarre nach Rüdersdorf.


Werder

Ursprünglich soll das Dorf mehr westlich seines heutigen Standortes zwischen einem Mühlenfließ und einem Bruch gelegen haben, woher sein Name "Werder" kommt. In einem Informationsblatt des Fremdenverkehrsamtes Märkische Schweiz ist zu lesen, daß Werder 1309 erstmalig in einer Strausberger Urkunde erwähnt sei. Es würde in dieser Urkunde ein Johannes dictus Werder genannt.
Zu jener Zeit war es, als zur besseren Unterscheidung der Personen ihren Rufnamen Zweitnamen hinzugefügt wurden. Und es war dabei durchaus üblich, daß als ein solcher Zweitname der Herkunftsort des Benannten gewählt wurde. So ließe sich zumindest vermuten, daß mit dem Johannes genannt Werder, ein Johannes aus dem Dorf Werder bei Strausberg gemeint war. Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, daß den Namen Werder auch schon damals nicht wenige andere Orte trugen, weshalb eine Verwechselung mit einem dieser Dörfer nicht völlig auszuschließen ist.
Eindeutig weil dokumentarisch wird das Dorf Werder bei Strausberg 1375 im kaiserlichen Landbuch erwähnt. Zum Dorf gehörten zu der Zeit 66 Hufen. Wieviel Hufner diese Hufen bewirtschafteten ist nicht angegeben, doch, daß in Werder zehn Kossäten lebten. Mit seinen unverändert 66 Hufen, mit 14 Hufner- und neun Kossätenfamilien ist das seinerzeitige Werder zu den mittelgroßen Dörfern des Lehens zu zählen. Es wird 1471 an die 150 Einwohner gehabt haben.
Die Hufner von Werder waren mit im Mittel je fast 4¾ Hufen mit Land gut ausgestattet. In Werder besaßen die von Kleptzigs 1375 einen Hof mit 15 Hufen Acker. Der Hof sei jedoch nicht als Rittergut anzusehen gewesen, da weder Vasallendienste noch abgabebefreite Hufen der Kleptziks erwähnt wurden. Noch im 15. Jahrhundert hatten die von Klepzigs in Werder 15 Hufen "ad curiam", wie es hieß, also möglicherweise auch hier, wie in Hönow und anderswo, Rechte auf die Bede, auf den Zehnten oder auf beides.
Im Schoßregister von 1450 sind diese Rechte der Kleptziks dann nicht mehr erwähnt. Ebenfalls den Adligen von Ihlow (die im Dorf Ihlow bei Buckow zwei Rittergüter besaßen) gehörten in Werder Rechte auf Abgaben, die sie dem Kloster erst im Jahr 1458 verkauften. Bei Werder gab es im Mittelalter eine dem Kloster gehörende aber verpachtete Mühle, deren Gericht und Pfarrecht nach Werder gehörten.


Zinndorf

Es soll vom Kloster Zinna gegründet und nach diesem benannt worden sein. Urkundliche Beweise dafür sind nicht bekannt. Die Namenähnlichkeit zwischen beiden Orten besteht zweifellos, doch auch andere Interpretationen des Dorfnamens scheinen möglich, wenn man in der Schmettauschen Karte vom Jahr (etwa) 1775 statt Zinndorf "Zinsdorf" liest.
Im Jahr 1375, nach dem kaiserlichen Landbuch, gehörten zu Zinndorf (Czynnendorf genannt) 66 Hufen. Die Hufenpacht war seinerzeit einem Bürger Dobler aus Berlin verpfändet, die Bede und die Wagendienste gehörten einem Jan von Wulkow. Das Höhere Gericht aber stand dem Kloster Zinna zu. Nach dem Erbregister der Mönche waren 1471 in Zinndorf 15 Hufner und elf Kossäten ansässig, lebten hier also etwa 150 Personen. Noch 1471 hatten in Zinndorf neben den Mönchen auch die Adligen von Krummensee Rechte. Zehn Schock (Groschen vermutlich) hatten ihnen in Summa die Hufner und Kossäten des Dorfes zu zahlen.






Rezensionen Günter Kunert: Zisterzienserdörfer

Ein Faible für Geheimnisse
Der Mönchwinkler Günter Kunert hat ein Buch über die Klosterdörfer der Region geschrieben

Es ist das Geheimnis, das ihn reizt. Dies antwortet Günter Kunert auf die Frage, warum er sich seit Jahren so intensiv mit der regionalen Geschichte auseinandersetzt und dazu nun schon sein drittes Buch geschrieben hat. "Es ist wie ein Krimi", sagt der Mönchwinkler. Man müsse aber ein Faible haben, etwas entdecken zu wollen.
Nachdem der ehemalige Forstwirt bereits der Entstehungsgeschichte Mönchwinkels und der Grünen Heide auf der Spur war, hat er sich nun mit elf sogenannten Klosterdörfern südlich von Strausberg beschäftigt, deren Existenz viel weiter zurückgeht als etwa die von Grünheide.
Darunter befinden sich unter anderem Rüdersdorf und Herzfelde, aber auch die heutigen Grünheider Ortsteile Kagel und Kienbaum.

"Zisterzienserdörfer – Ein Beitrag zur Geschichte der Domäne Rüdersdorf" hat Kunert sein Werk genannt. Vom späten Mittelalter bis in das erste Jahrhundert der Neuzeit gehörten diese Dörfer nämlich den Zisterziensermönchen des Klosters Zinna in Jüterbog (Teltow-Fläming), das wiederum dem Erzbischof von Magdeburg unterstand.
"Wer heute die Dörfer besucht, wird durch die Kirchen, soweit sie aus der katholischen Zeit stammen, an die Mönche erinnert."
Ihm sei wichtig gewesen, erzählt der 78-Jährige, den Einfluss der Mönche auf das Leben der Menschen, vornehmlich Bauern, zu schildern und dies mit der späteren Herrschaft der Kurfürsten nach der Säkularisation zu vergleichen.

Ab Mitte des 13. Jahrhunderts hatten die Bauern der Klosterdörfer, die gemeinsam ein Lehen bildeten, den Zisterzienser-Mönchen zwar Pacht-Abgaben und Dienste zu leisten, wie beispielsweise das Pflügen des Ackers. Das sei für die damaligen Verhältnisse aber moderat gewesen, so Kunert. "Vielleicht zwei, drei Mal im Jahr."
Unter der Herrschaft der Kurfürsten ab 1553 seien die Dienste in unbegrenzter Höhe möglich gewesen. Auch Boten- und Jagddienste gehörten dazu.

Bei seinen Recherchen – insbesondere im Staatsarchiv in Potsdam – hat Kunert auch Überraschendes entdeckt, wie er erzählt. So seien sämtliche Pfarrer Bauern gewesen. "Die hatten so viel Land wie die Dorfschulzen." Und zum Teil hätten sie ihr Land sogar selbst bewirtschaftet.

Alle drei Bücher, so sagt der 78-Jährige, gehörten durchaus zusammen. "Man kann sich nicht nur mit einer kleinen Gemeinde beschäftigen." Ein Dorf würde auch von der Umgebung und der Struktur des Landes beeinflusst.
Jan C. Weilbacher, Märkische Oderzeitung vom 06.03.2008



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