Bücher aus dem Verlag Die Furt

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Leseprobe – Reiko Wundersee: Auf dem Holzweg



Laut-Gabe
Akrobatische Wortfetzen
Kühne Formulierungen
Tapfere Schachtelsätze
abylonische Satzkonstruktionen
Verzettelte Aufzeichnungen
Ein Wort das einem auffällt
Zwischen Lovecraft, Bradbury und E. T. A Hofmann
Schlafe ich ein. In Buchstabensuppe
Irre mit Kleist, Von der Vogelweide, Neumeister und Droste Hülshoff
Durch labyrinthige verwunschene zauberhafte Wälder
Komme mit Bukowski, Ginsberg, Kerouac
Salinger, Gogol und Solschenizyn zur Besinnung
Tauche mit Verne, Melville, Wells
In Ozeane aus kleinen unschuldigen
bedeutungsvollen Wörtern
Raste mit Defoe auf einer Silbeninsel
Zimmere mir aus Sätzen und geborgten Wörtern
Ein sagenhaftes literarisches Floß
Werkele mir ein Segel
Aus einem gebogenen Satz
Auf wortschwallenden Wogen treibe ich
Bin gepeinigt frei wie Ahab
Auf der Suche nach dem weißen Wort
Dem Unschuldigen
Das lautlos rein wie Tau von Gräsern abfällt
Wenn die Sonne kafkaesk blinzelt



Die Saat
Brodelnd setze ich mich auf einen Stein
Der mit feinem Staub bedeckt
Gewachsen steht am rostigen Wege
Klapprig hochbeladene Karren
Quietschen wankend vorbei
Grässliche Rauchschwaden schrauben sich
Schweigend ins Azur
Als siechend hilflos graue Masse
Quellen Menschen vorüber
Stinkende Verletzte humpeln, kriechen, krauchen
Geschlagen, zerschmettert, zermalmt
Stöhnend fliehend
Nur der Acker ist furchtbar fruchtbar noch



Gewachsen
Mit der Bettdecke
Schüttle ich
Mein Verlangen aus
Mich in Normen zu pressen
Meinen Töchtern Vorschriften
Zu machen
Auch nicht in Späteren
Pubertären Jahren
Also trage ich das Bettzeug
Wieder rauf in den zweiten Stock
Und jetzt weiß ich:
So weit wie deine Selbstbeherrschung geht
So weit geht auch deine Freiheit


Reiko Wundersee: Auf dem Holzweg



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