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Rezensionen – Angela Kiefer-Hofmann: Vielleicht morgen


Mit ihrem neuen Buch Vielleicht morgen. Geschichten vom Überleben 1945 greift Angela Kiefer-Hofmann noch einmal in den Fundus einer 10-jährigen Recherche in den Dörfern und Gemeinden zwischen Oder und Spree mit der Frage: Wie war es damals in jener "Zeit der Wegelosigkeit?", wie Scholochow schrieb.
Knapp hundert Menschen hat sie befragt und über Lebenswege aus traumatisierten Erfahrungen, unvorstellbaren Ereignissen aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, mit diesen wahnsinnigen Brüchen und Umbrüchen, erfahren.

Mit ihrer Recherche war die sehr präzis arbeitende Frau auf der Suche nach Zusammenhängen und Kausalitäten, die sich in der Biografie ganz normaler, nicht prominenter Menschen spiegeln.
"Der Bodensatz der Geschichte ist immer das Unglück der einzelnen." Dieser Satz aus Christa Wolfs "Der geteilte Himmel" bestätigt sich auch in den Erzählungen des neuen Buches von Angela Kiefer-Hofmann.

Diese individuellen Geschichten bettet sie in eine akribische und zugleich schonungslose Beschreibung historischer Fakten ein. Das macht ihren Schreibstil so spannungsreich und interessant.
In "Vielleicht morgen" setzt sie sich wieder mit den Geschichten von Menschen und ihren Schicksalen auseinander, bringt unvorstellbare Ereignisse aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges ans Tageslicht und stellt dessen Folgen dar.

Die Geschichten gehen unter die Haut, sind detailreich und mitreißend geschrieben. Das sie authentisch sind, spürt man. "Den Menschen selbst war es ein Anliegen, ihre Geschichte zu erzählen<", sagt die Autorin. Die Leser erfahren, wie es ist, von heute auf morgen, von jetzt auf gleich, den Boden unter den Füßen zu verlieren, sein ganzes Hab und Gut aufzugeben und sich daran zu gewöhnen, dass nichts mehr an Ort und Stelle ist.
In ihren Büchern stehen die Menschen im Mittelpunkt ... zum Beispiel die Geschichte eines damals erst 15-jährigen Mädchens namens Gretchen Holpert, die der Autorin ihre Lebensgeschichte so authentisch erzählte, als sei alles erst gestern geschehen.
Eine Ehre war es somit für die Autorin, das damals so junge Mädchen an diesem Wochenende bei ihrer Lesung begrüßen zu können und ihr noch einmal für die langen Gespräche zu danken, die das Buch erst zu dem gemacht haben, was es jetzt ist.
Denn ihre Berichte und Erfahrungen aus dieser Zeit zeigen, wie es sich wirklich hier in unserer Umgebung zugetragen hat.

"Vielleicht morgen" – ein absolutes Meisterwerk, wie ich finde, welches jeden von uns von der ersten Seite an berührt und uns unsere Geschichte durch Zeitzeugen näher bringt
Frances Hurthe, Spreebote vom 22./23.11.2008

Angela Kiefer-Hofmann. Vielleicht morgen



Vom ersten und zweiten Leben
Auf über 300 Seiten schildert die Fürstenwalder Autorin Angela Kiefer-Hofmann Erlebnisse der "kleinen Leute", die von ihr noch als Zeitzeugen befragt werden konnten. Einige der heute Hochbetagten kamen am Sonntag auch zur Buchpremiere der Saarower Galerie KunsTRaum.

Bereits 2004 hatte die Autorin mit "Niemandszeit. Ein märkisches Lesebuch" Zeitzeugenberichte aus dem Krieg und der Nachkriegszeit veröffentlicht, damals von Menschen aus Markgrafpieske.
Dieses neue Buch sei keine Fortsetzung sonder eine Weiterführung des Themas "aus Respekt vor den Menschen, die mir ihre Geschichte anvertraut haben", so die 54-jährige gebürtige Fränkin. Sie habe die Menschen diesmal über einen längeren Zeitraum begleitet als für das erste Buch.
Und um "die kleinen Geschichten in den Kontext der großen Geschichte" zu bringen, hat die Autorin ... auch in Bibliotheken und Archiven recherchiert.

Der Titel "Vielleicht morgen" signalisiert Hoffnung und Skepsis in einer Zeit, die von den Menschen als eine Wendezeit erlebt wurde. Von einer "Familienzeitrechnung" ist da die Rede mit einem "ersten und zweiten Leben". Es werden Erinnerungen an schreckliche Erlebnisse wach, so an die Nacht der Morde vom 21. zum 22. April 1945 durch die SS in Hartmannsdorf, der 16 Menschen zum Opfer fielen.
Aber es gibt auch Begegnungen, die "ein bisschen heiter" sind, dazu gehört die Geschichte vom Umsiedler Erich, der in seiner neuen Heimat aufgenommen wurde und eine Familie gründen konnte.

In Angela Kiefer-Hofmanns Buch gibt es sowohl sachliche historische Lageberichte und Dokumente, als auch emotional bewegende und fesselnd geschriebene Erzählungen. Auch wenn die Orte der Handlung vor allem auf das Fürstenwalder Umfeld und die Neumark begrenzt sind, "spiegelt sich bei diesen Einzelschicksalen sehr charakteristisch das Große im Kleinen", wie Christian Pieta, Leiter des KunsTRaums befand.
Elke Lang, Märkische Oderzeitung vom 18.11.2008

Angela Kiefer-Hofmann. Vielleicht morgen



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